Der 50-mm-Kompaniegranatwerfer RM-38, kurz 50-mm-RM-38 (russisch: 50-мм ротные миномёты образца 1938 / 50-mm rotnyje minomjoty obrasza 1938), ist ein sowjetischer Mörser, welcher von der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg eingesetzt wurde.

Entwicklung 50-mm-RM-38 Im Jahr 1936 begannen die ersten Entwicklungsarbeiten an einen neuen Kompaniegranatwerfer im Konstruktionsbüro des Werks Nr. 7. Der erste gebaute Prototyp hatte ein Gewicht von 5 kg. Die Granaten wogen dabei 1 kg und verwendeten eine Treibladung aus 5 g rauchlosen Pulver. Der Höhenrichtbereich konnte nur bei zwei Einstellungen festgelegt werden, entweder +45 oder +75 Winkelgrad. Geplant war, dass eine geübte Mannschaft bis zu 30 Granaten in der Minute verschießen konnte. Im Juli 1937 wurde das Projekt dann der Erfindungsabteilung des Volkskommissariats für Verteidigung der UdSSR sowie der Artilleriehauptverwaltung der Roten Armee zur Prüfung vorgelegt.

Einige Monate später, im Oktober 1937, wurden im Werk Nr. 7 zwei weitere Kompaniegranatwerfer mit 500 Granaten für weitere Erprobungszwecke gefertigt. Nachdem die ersten Tests und Schießversuche durchgeführt wurden, konnten erste konstruktive Anpassungen und Veränderungen durchgeführt werden. Im Januar 1938 wurden dann die taktisch-technischen Anforderungen für einen 50 mm Kompaniegranatwerfer für die Rote Armee festgelegt. Dementsprechend mussten weitere konstruktive Änderungen vorgenommen werden, welche umgehend bei weiteren Test erprobt wurden. Nach weiteren und erfolgreichen Tests wurde im Sommer 1938 der neue Kompaniegranatwerfer offiziell in die Armee eingeführt. Die Bezeichnung lautete dabei 50-mm-RM-38

Nachdem der 50-mm-RM-38 eingeführt und von der Truppe ausgiebig erprobt und getestet wurde, konnte weitere Konstruktionsmängel festgestellt werden. So war unter anderem die minimale Reichweite von 200 m viel zu hoch und das Gewicht mit 12,1 kg war viel zu hoch. Auch war er relativ groß, was die Möglichkeiten der Tarnung sehr erschwerten und die Halterung der komplexen mechanischen Visierung war zu schwach. Aus diesen Gründen wurde versucht, diese Mängel zu beheben, was zur Entwicklung einer neuen Modellversion im Jahr 1940 führte.

50-mm-RM-40 Durch die Behebung und Verbesserung der erkannten Konstruktionsmängel beim 50-mm-RM-38, wurde 1940 eine neue Modellversion entwickelt. Aus den Verbesserungen resultierte der 50-mm-Kompaniegranatwerfer RM-40 (kurz: 50-mm-RM-40), welcher im Januar 1940 eingeführt und an die Truppe ausgegeben wurde. Er wurde unverzüglich an der finnischen Front im Winterkrieg beim 85. Infanterieregiment der 100. Infanteriedivision eingesetzt und damit unter Kampfbedingungen erprobt. Hierbei wurden weitere Mängel abgestellt und Verbesserungen durchgeführt.

Produktion Die Serienfertigung des 50-mm-Kompaniegranatwerfer RM-38 lief im Jahr 1939 an. Im selben Jahr wurden insgesamt 1.715 Kompaniegranatwerfer hergestellt und an die Truppe ausgeliefert. Bis zum 1. August 1940 waren bereits 18.994 Kompaniegranatwerfer hergestellt. Insgesamt wurden vom 50-mm-RM-38 im Jahr 1940 27.805 Stück produziert.

Am 1. Januar 1941 wurde der Hauptverwaltung der Artillerie der Roten Armee die Bestandsmitteilung vorgelegt. Darin hieß es, dass die Rote Armee über 29.340 50-mm-Kompaniegranatwerfer RM-38 verfügte, von denen 227 Stück repariert werden, 90 Stück generalüberholt und 11 Stück ausgesondert werden mussten.

Nachdem die Wehrmacht am 22. Juni 1941 mit dem Unternehmen Barbarossa in die Sowjetunion einfiel, begann das Werk in Tallinn, neben dem Werk Nr. 7, mit der Produktion des 50-mm-RM-38 und deren Munition. Ende 1941 wurde die Produktion in Tallinn eingestellt und vom Lokomotivwerk Krasny Profintern übernommen.

Die Gesamtproduktion des 50-mm-RM-38 zwischen 1939 und 1943 lag bei 181.675 Stück. Der höchste Ausschuss an Kompaniegranatwerfern wurde im März 1942 erreicht, als 11.898 Stück das Werk verließen.

Technische Beschreibung 50-mm-RM-38 mini|Der 5-cm-Gr. W. 205/1 (r) aus der Vorschrift Kennblätter fremden Geräts Der 50-mm-RM-38 basierte im Grunde her auf dem System der Granatwerfer vom Typ Stokes-Brandt. Er verschoss Splittergranaten mit einem Gewicht von 850 g. Das Geschützrohr hatte ein Kaliber von 5 cm und eine Rohrlänge von 78 cm. Der 50-mm-RM-38 war ein Vorderlader und hatte eine Verschlusskappe mit Gasdruckregulierung.

Die Lafette bestand aus einer kleinen Bodenplatte, an der das Geschützrohr befestigt wurde. Das Geschützrohr hatte am hinteren Ende eine kleine Kugel, welche mit einem speziellen Mechanismus in die Bodenplatte eingebracht wurde. Am vorderen Ende des Geschützrohres befand sich die Halterung für ein Zweibein, an der auch die Visiereinrichtung befestigt war. Die Visierung erfolgte über ein mechanisches Visier. Der 50-mm-RM-38 hatte 15,35 kg Feuergewicht Die drei Baugruppen waren das Geschützrohr mit Verschluss mit einem Gewicht von 6,4 kg, das Zweibein mit 5,6 kg und die Bodenplatte mit 3,35 kg. Der Transport erfolgte entweder durch das Tragen durch die Bedienmannschaft oder durch das Verladen auf Granatwerferkarren. Dabei konnten drei Granatwerfer auf einen Karren geladen werden.

Eine Besonderheit des 50-mm-RM-38 war der Höhenrichtbereich. Dieser war nur in zwei Stellungen fest einstellbar, diese lagen bei +45 oder +75 Winkelgrad. Die Einstellung der Feuerreichweite wiederum erfolgte über ein Weitenventil am Verschlussende des Geschützrohres. Dabei ließ das Ventil einen Teil der Treibgase entweichen, wodurch der Druck im Geschützrohr verringert oder erhöht werden konnte. Bei +45 Winkelgrad konnte die größte Reichweite von 800 m erreicht werden. Bei +75 Winkelgrad lag die geringste Reichweite bei 200 m. Der seitliche Richtbereich lag bei maximal 16 Winkelgrad bei jeder Seite. 50-mm-RM-39 mini|Der 5-cm-Gr. W. 205/2 (r), erkennbar sind die ersten Anpassungen am hinteren Geschützrohr Im Jahr 1939 wurden einige kleinere Änderungen und Anpassungen vorgenommen, was zum 50-mm-Kompaniegranatwerfer RM-39 (kurz 50-mm-RM-39) führte. An den technischen Daten und Maßen hatte sich bei diesem Modell nicht viel geändert. Das Geschützrohr hatte sich im hinteren Teil leicht verändert und wurde um 5 mm auf 77,5 cm verkürzt. Das Zweibein war hier vereinfacht worden und war teilweise mit Verstärkungsblechen versehen. Mit diesen Verstärkungsblechen war ein Kippbetrieb des Granatwerfer nicht mehr möglich. Das Gesamtgewicht in der Feuerstellung hatte sich ebenfalls verändert und lag nun bei 17 kg anstatt bei 15,35 kg. Durch die Verstärkungsplatten erhöhte sich das Gewicht vom Zweibein auf 7,4 kg.

50-mm-RM-40 mini|Der 50-mm-RM-40 mit deutlich verkürztem Geschützrohr Nach den Erfahrungen aus den Einsätzen in Frontnähe wurden nach und nach technische Verbesserungen und Anpassungen durchgeführt. So war die markanteste Änderung die Verkürzung des Geschützrohres von 78 cm auf 63 cm. Dadurch verringerte sich das Gewicht des Granatwerfers von 17 kg auf nur noch 9,3 kg. Durch die Verkürzung des Geschützrohres verringerte sich dessen Gewicht von 6,4 kg auf 3,8 kg. Auch das Zweibein musste nicht mehr so groß ausfallen, weshalb das Gewicht von 7,4 kg auf 3,2 kg sank. Die Bodenplatte wurde auch kleiner gestaltet und wog statt 3,35 kg nur noch 2,3 kg.

Im Jahr 1941 wurde das Zweibein entfernt und stattdessen alle Elemente an der Bodenplatte befestigt, was zum Bau des neuen 50-mm-Kompaniegranatwerfer RM-41 führte.

Bezeichnungen 50-мм ротные миномёты образца 1938 / 50-mm-Kompaniegranatwerfer RM-38 (Sowjetunion) 50-мм ротные миномёты образца 1939 / 50-mm-Kompaniegranatwerfer RM-39 (Sowjetunion) 50-мм ротные миномёты образца 1940 / 50-mm-Kompaniegranatwerfer RM-40 (Sowjetunion) 50 Krh/38 (Finnland) 50 Krh/39 (Finnland) 50 Krh/40 (Finnland) 5-cm-Granatwerfer 205/1 (r) / RM-38 (Wehrmacht) 5-cm-Granatwerfer 205/2 (r) / RM-39 (Wehrmacht) 5-cm-Granatwerfer 205/3 (r) / RM-40 (Wehrmacht) 50 mm Md. 1940 (Rumänisch)

Einsatz Sowjetunion Die Rote Armee setzte den 50-mm-RM-38 ab 1938 in nahezu allen Truppenteilen ein, hauptsächlich in Kompanien und Zügen, teilweise auch in kleineren Kampfgruppen. Da ab 1943 ein Großteil der 50-mm-RM-38 und 50-mm-RM-40 aus den Bestand der regulären Armee entfernt wurde, nutzen bis zum Kriegsende nur noch Partisaneneinheiten die beiden Kompaniegranatwerfer.

Der 50-mm-RM-38 sowie der 50-mm-RM-40 bewährten sich im Einsatz recht gut. Auch wenn die Kampfeigenschaften nicht an die Modelle der anderen Nationen im ähnlichen Kaliber herankamen, hatten sie bei der Truppe einen guten Ruf und wurden gern genutzt. Mit der Zeit verlor das System jedoch an Bedeutung, da im Laufe des Krieges die tatsächliche Feuerreichweite deutlich unter 200 m lag. Weiterhin war die Wirkung der Splittergranaten im Ziel recht gering.

Aus diesen Gründen und weil die Anzahl an wirksameren 82-mm-Bataillonsmörsern BM-37 und 82-mm-Bataillonsmörsern BM-41 in der Truppe stieg, wurde im Jahr 1943 das Aus der Produktion beschlossen und den Bestand aus der Truppe zu entfernen.

Finnland Während des Winterkrieges erbeutete die finnische Armee mehrere der 50-mm-RM-38, im späteren Kriegsverlauf auf auch alle anderen Modellversionen. Die finnische Armee hielt von diesen Granatwerfern jedoch nichts, da sie zu schlecht und völlig unausgereift zu den eigenen Modellen oder den anderer Nationen waren. Sie wurden nach der Erbeutung kaum ausgegeben und oftmals einfach nur verschrottet. Auch erhielten sie abwertende Spitznamen wie Naku (deutsch: nackt) oder Tiltu.

Wehrmacht Nach dem Einmarsch der Wehrmacht in die Sowjetunion im Juni 1941 erbeutete sie einiges an Material, darunter auch einige 50-mm-RM-38. Dieser Granatwerfer wurde in der Vorschrift Kennblätter fremden Geräts als 5-cm-Granatwerfer 205/1 (r) gelistet. Die ebenfalls erbeuteten 50-mm-RM-39 erhielten die Bezeichnung 5-cm-Granatwerfer 205/2 (r), die 50-mm-RM-40 wurden als 5-cm-Granatwerfer 205/3 (r) gelistet.

Rumänien In der Sozialistische Republik Rumänien wurden ab 1944 ebenfalls die 50-mm-RM-40 eingesetzt. 56 Stück wurden von Roten Armee an die Divizia Tudor Vladimirescu geschickt und dort in Dienst gestellt. Dort hatten sie die Bezeichnung 50 mm Md. 1940 und wurden beim Kampf gegen die deutschen Besatzer und deren rumänische Verbündete eingesetzt.

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Geschütz Kaliber 50 mm bis 100 mm Kategorie:Mörser (Sowjetunion)