Boguchwały (deutsch Reichau) ist ein Ort in der Landgemeinde Miłakowo (Landgemeinde Liebstadt) im Powiat Ostródzki (Kreis Osterode i. Ostpr.) der Woiwodschaft Ermland-Masuren in Polen.

mini|Ehemaliges Gutshaus Reichau in Boguchwały

Geographische Lage Boguchwały (Reichau) liegt am Narien-See in der Eylauer Seenplatte im Oberland in der historischen Region Ostpreußen. Heute befindet sich der Ort im Westen der Woiwodschaft Ermland-Masuren im Norden Polens.

mini|ohne|Reichau (oben rechts) auf einer Karte von 1893

Boguchwały (Reichau) liegt ungefähr 10 Kilometer östlich von seiner ehemaligen Kreisstadt Morąg (Mohrungen), 10 Kilometer südlich vom Sitz der Landgemeinde Miłakowo (Liebstadt), und 25 Kilometer nördlich von seiner jetzigen Kreisstadt Ostróda (Osterode i. Ostpr.)Liczbach: Wies Boguchwaly (polnisch), abgerufen am 17. Mai 2026.

Geschichte

Ortsgeschichte Das Kirchdorf, Gut und Försterei wurde erstmalig im Jahr 1406 in den Zinsbüchern des Deutschen Ordens als Rychaw erwähnt. Im Jahre 1448 wurde das damalige Dorf mit 63 Hufen vermerkt. Es existierte außerdem im Dorf zur damaligen Zeit eine Mühle (Narienmühle) und ein KrugDie Besiedlung der Komturei Elbing bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts, Pruthenia, TOM III, Olsztyn 2008, S. 94–95. Vor der Ordenszeit siedelte auf dem heutigen Ortsgebiet der prußische Stamm der Pogesanier.

Zur Zeit des Königreich Preußens war Reichau ein adliges Vorwerk und ein Dorf das im Jahr 1785 mit 11 Feuerstellen (Haushaltungen) vermerkt wurde. Der Ort gehörte damals zum landrätlichen Kreis Mohrungen und kam nach der Kreisreform von 1818 zum Kreis Mohrungen, bei diesem der Ort bis 1945 verblieb.

Mit der Schaffung der preußischen Amtsbezirke 1874 entstand am 30. Juli 1874 der Amtsbezirk Reichau,Rolf Jehke: Amtsbezirk Reichau territorial.de. der über ein eigenes Standesamt verfügteGemeindelexikon für das Königreich Preußen I (1905, Ostpreußen), S. 162–173. Reichau verfügte zudem über eine eigene Schule, das Schulgebäude wurde 1931 erbaut.ostpreussen.net: Reichau, abgerufen am 17. Mai 2026.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam Reichau, als Teil des südlichen Ostpreußens, im Jahr 1945 an die Volksrepublik Polen und wurde in Boguchwały umbenannt. Bis 1954 war der Ort Sitz der Gmina Boguchwały und darauf bis 1972 Sitz der Gromada Boguchwały.Morąg - z dziejów miasta i powiatu, Pojezierze, Olsztyn 1973 (polnisch).

Im Westen des Dorfs steht noch heute das zweistöckige klassizistische frühere Gutshaus mit sieben Fensterachsen, das man im 19. Jahrhundert über einem Vorgängerbau errichtete. 1532 erhielt Fabian von Brothofen das Gut auf Lebenszeit verschrieben. Später gehörte es den Grafen zu Dohna-Schlodien, und zum Ende des 19. Jahrhunderts umfasste es 2.000 Hektar. Letzter deutscher Besitzer war Karl Schümann mit 425 Hektar. Er übernahm den Besitz 1924 von seinem Vater.

Einwohnerzahlen +JahrEinwohner1820361Topographische Übersicht des Verwaltungs-Bezirks der Königlichen Preussischen Regierung, 1820, S. 1901885547Gemeindelexikon für das Königreich Preussen, Berlin 1888, S. 184–18519054991910496Landkreis Mohrungen Gemeindeverzeichnis 1900. In: gemeindeverzeichnis.de. Uli Schubert. Abgerufen am 17. Mai 20261933943Michael Rademacher: Ortsbuch Landkreis Mohrungen. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com. Abgerufen am 17. Mai 202619398812021596

Kirche Kirchengebäude Eine Kirche bestand in Reichau bereits zur Ordenszeit. Die heutige Kirche in Reichau wurde im Jahre 1620, zur Zeit des Herzogtum Preußens, erbaut.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 64, Abb. 219 und 220 Im Jahre 1856 wurde der schon ältere Altar so restauriert, dass darin ein Flügelgemälde aus einem Altar von 1620 Platz fand. Die Sakristei befand sich im Osten. Unter ihr war das Grabgewölbe der Besitzer auf Reichau. Unter dem gräflich Ponarier Kirchenstand befanden sich die Grabstellen der Herrschaft Ponarien. Die Vorhalle am westlichen Giebel entstand 1877.Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Neidenburg 1890, S. 179 In demselben Jahr erhielt die Kirche eine Orgel. Der Glockenturm wurde erst 1906 vorgebaut.

Kirchengemeinde Evangelisch Die Gemeinde in Reichau übernahm mit der Reformation das evangelisch-lutherischen Bekenntnis und gehörte zuletzt zur Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 466

Kriegsbedingte Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung ließen die Zahl der Gemeindeglieder schrumpfen. Heute gehören hier lebende evangelische Einwohner zur Kirchengemeinde in Morąg, einer Filialgemeinde von Ostróda in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen. mini|Der Friedhof in Boguchwały Kirchspielorte: Zum Kirchspiel Reichau gehörten bis 1945 18 Orte und Ortschaften: Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name Bergling Brzeżno Ponarien Ponary Bobanden Pojezierce Reichau Boguchwały Eckfeld Rogowo Royen Roje Kälbers Kiewry Sanglau Sąglewo Kallisten Kalisty Schillings Janowo Kloben Klobia Seubersdorf Brzydowo Kollings N.N. Tomlack Tątławki Kossinten Kosówka Wenglitten Węglity Mathildenberg Mleczarnia Willnau Wilnowo

Pfarrer: Als evangelische Geistliche amtierten an der Kirche in Reichau die Pfarrer:Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg 1968, S, 120 Johann Bornmann Michael Feyerabend, bis 1635 Christoph Tamm, 1636–1654 Johann Kuhn, 1654–1658 Georg W. Hildebrand, 1658–1684 Jacob Schultz, 1684–1722 Otto Conrad Fr. Leisler, 1722–1752 Christian Luttermann, 1753–1788 Friedrich Gotthard Gutt, 1788–1830 Leberecht Klein, 1831–1850 Gustav Hermann Uthke, 1850–1882 Hermann Heinrich Ernst Fauck, 1883–1898 Oskar Waldemar E. Bütow, 1898–1913 Georg Braunschmidt, 1913–1926 Helmut Lappoehn, 1926–1934 Arnold Bohle, 1936–1945 Römisch-katholisch Die Zahl römisch-katholischer Einwohner war vor 1945 gering. Die Gemeindeglieder gehörten zur Pfarrei in Liebstadt.

Nach 1945 siedelten sich zahlreiche Neubürger meist katholischer Konfession in Boguchwały an. Das bisher evangelische Gotteshaus nutzen sie zu eigenen Messfeiern, bis 1962 hier eine eigene Pfarrei errichtet und die Kirche eine der Hl. Barbara gewidmete katholische Pfarrkirche wurde. Sie gehört zum Dekanat Łukta im Erzbistum Ermland. Zugeordnet sind die Gottesdienstorte Ględy und Roje.Erzbistum Ermland: St. Barbara Boguchwały (polnisch)

Verkehr Straße Boguchwały liegt an einer Nebenstraße, die bei Zawroty von der Woiwodschaftsstraße 527 (frühere deutsche Reichsstraße 133) abzweigt und bis nach Miłakowo an der Woiwodschaftsstraße 529 führt. In Boguchwały enden zudem die beiden von Kalisty (DW 530) bzw. von Niebrzydowo Wielkie (DW 528) herkommenden Straßen.

Schiene Boguchwały ist nicht direkt an den Bahnverkehr angebunden. Die nächste Bahnstation ist Żabi Róg an der Ost-West-Bahnstrecke Olsztyn–Bogaczewo (– Elbląg). Von 1894 bis 1945 war außerdem Groß Hermenau Bahnstation an der Nord-Süd-Bahnstrecke Wormditt–Mohrungen, die jedoch nicht mehr existiert.

Persönlichkeit Andrzej Bober (* 16. Juli 1950 in Boguchwały), polnischer Politiker, Abgeordneter des Sejm

Weblinks

Bildarchiv Ostpreußen: Slideshow Reichau

Einzelnachweise

Kategorie:Ort der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Gmina Miłakowo