Der Cadillac Sixty Special der Modelljahre 1961 bis 1964 ist ein viertüriges Oberklassefahrzeug, das der US-amerikanische General-Motors-Konzern unter der Marke Cadillac verkaufte. Diese Baureihe wird üblicherweise als achte Generation der Sixty-Special-Familie angesehen. Der Sixty Special ist das besser ausgestattete und teurere Schwestermodell des zeitgenössischen Cadillac DeVille, mit dem er sich die Technik und im Wesentlichen auch die Karosserie teilt.
Entstehungsgeschichte Cadillacs Modellpalette bestand seit 1959 nahezu vollständig aus Einheitskonstruktionen, die durch unterschiedliche Ausstattungs- und Preisgestaltungen in verschiedene Modellreihen aufgefächert wurden. Anfang der 1960er-Jahre bildete die Series 62 das Einsteigermodell. Darüber rangierte die äußerlich und technisch weitgehend gleiche, aber teurere und besser ausgestattete DeVille-Reihe, von der die hochwertig ausgestattete und nochmal teurere Limousine Sixty Special abgeleitet war. Eine Sonderrolle spielte die exklusive Eldorado-Reihe, die ab 1961 nur noch als Cabriolet erhältlich war. Bis 1960 hatte Cadillac außerdem den in sehr geringen Stückzahlen produzierten Viertürer Eldorado Brougham im Programm gehabt, der fast doppelt so teuer war die Sixty Special. Nach der Einstellung dieses zuletzt in Italien gebauten Modells war der Sixty Special das Spitzenmodell der Marke Cadillac.
Der Cadillac Sixty Special konkurrierte mit dem Lincoln Continental aus dem Ford-Konzern, der 1961 ebenfalls in einer Neuauflage auf den Markt kam und eine innovative, von Elwood Engel gestaltete Karosserie hatte. In geringem Maße stand der Sixty Special auch zu Chryslers Spitzenmodellen der Marke Imperial im Wettbewerb.
Modellbeschreibung
Fahrwerk Wie alle Cadillacs der Modelljahre 1961 bis 1964 hat auch der Sixty Special einen Leiterrahmen mit kreuzförmigen Verstärkungen im Mittelteil. Die Grundkonstruktion des Rahmens wurde von der vorherigen Cadillac-Generation übernommen. Im vorderen Bereich wurde der Rahmen allerdings neu konstruiert. Der Rahmen ist bei allen Standard-Cadillacs dieser Generation gleich; der Radstand beträgt abgesehen von den Repräsentationslimousinen der Series 75 bei allen Karosserieversionen 3382 mm (129,5 Zoll). Vorn und hinten sind Schraubenfedern mit Gummilagern eingebaut; verzögert wird mit vier Trommelbremsen. Wesentliche technische Änderungen an Fahrwerk und Rahmen gab es in der vierjährigen Produktionszeit dieser Sixty-Special-Generation nicht.
Karosserie mini|Sixty Special 1961 mini|Sixty Special 1964 Der Cadillac Sixty Special teilt sich die Grundkarosserie mit den übrigen Standard-Cadillacs. Der Entwurf entstand im Cadillac Design Studio unter der Leitung von Bill Mitchell; verantwortlicher Designer war Chuck Jordan. Jordan beabsichtigte eine stilistische Neuausrichtung des Auftritts der Marke:James W. Howell, Jeanna Swanson Howell: Cadillac Eldorado. American Classics. 1. Auflage. Motorbooks International, Osceola 1994, ISBN 0-87938-879-X, S. 67. Cadillac sollte sich von dem vielfach als aufdringlich und übertrieben empfundenen, von Harley Earl verantworteten Design der 1950er-Jahre, das mit Heckflossen „lächerlichen Ausmaßes“Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980. Beekman House, New York 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 87 und schwerem Chromdekor seinen Höhepunkt gefunden hatte, lösen und künftig „schlicht und elegant“,James W. Howell, Jeanna Swanson Howell: Cadillac Eldorado. American Classics. 1. Auflage. Motorbooks International, Osceola 1994, ISBN 0-87938-879-X, S. 68. „weniger verspielt“Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980, New York (Beekman House) 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 88. und mit „zeitgemäßem Understatement“notoriouslyluxury (abgerufen am 12. April 2026). auftreten. Jordans Designteam orientierte sich an den von Pininfarina entworfenen und gebauten exklusiven Luxuslimousinen Eldorado Brougham der Modelljahre 1959 und 1960.James W. Howell, Jeanna Swanson Howell: Cadillac Eldorado. American Classics. 1. Auflage. Motorbooks International, Osceola 1994, ISBN 0-87938-879-X, S. 67. Ein besonderes Merkmal der Modelljahre 1961 und 1962 beim Sixty Special wie bei allen anderen Cadillacs sind die doppelten Heckflossen: Neben den Erhebungen oberhalb der hinteren Kotflügel hat der DeVille in seiner ursprünglichen Fassung bis 1962 auch im unteren Bereich flossenartige, zur Seite geneigte Auswüchse, die als Skeg Fenders bezeichnet wurden. Zum Modelljahr 1963 gab es ein größeres Facelift: Die Skeg Fenders entfielen, und die hinteren Kotflügel waren glattflächig gestaltet. Die Höhe der Heckflossen wurde reduziert, aber nicht komplett aufgegeben. 1964 war Cadillac der letzte US-amerikanische Serienhersteller, dessen Modelle noch dieses Stilmittel hatten. Lincoln verzichtete bereits seit 1961 vollständig auf Heckflossen; Chryslers Oberklassemarke Imperial zog zum Modelljahr 1962 nach. Bei Cadillac verschwanden die Heckflossen erst mit der Einführung der nächsten Modellgeneration zum Jahr 1965.
Ein stilistisch eigenständiges Merkmal des Sixty Special dieser Generation ist der Dachaufbau. Der Sixty Special ist eine viertürige Hardtoplimousine mit vier Seitenfenstern (zwei auf jeder Seite); ein Six-Window-Sedan, den es auf Wunsch beim DeVille und beim Series 62 gab, war beim Sixty Special nicht erhältlich. Die C-Säule steht steiler und ist breiter als bei den DeVille- und 62-Limousinen.
Im Vergleich zu den übrigen Cadillac-Modellen dieser Generation hat der Sixty Special wenige Dekorelemente. Ein nur beim Sixty Special verwendetes Dekormotiv sind (nicht funktionstaugliche) Entlüftungsöffnungen, die durch sechs senkrechte Chromstreben stilisiert werden. Beim Jahrgang 1961 finden sie sich am Ende der hinteren Kotflügel, während sie 1962 und 1963 auf der C-Säule angebracht sind. Im letzten Modelljahr dieser Generation wurden die Streben durch ein Cadillac-Emblem ersetzt, das wiederum die C-Säule dekoriert.
Motorisierung und Kraftübertragung Antrieb und Kraftübertragung des Sixty Special entsprachen vollständig den übrigen Cadillac-Modellen. Zum Einsatz kam 1961 und 1962 ein 6391 cm³ (390 cui; Bohrung × Hub: 101,6 × 98,4 mm) großer Achtzylinder-V-Motor aus der 331 Series mit 330 SAE-PS brutto. Er war die letzte Entwicklungsstufe der Achtzylinderkonstruktion, die 1948 erschienen war. Zum Modelljahr 1963 wurde diese Konstruktion weitgehend überarbeitet; die Motorbezeichnung lautete nun 390 Series. 1963 entsprachen Hubraum und Höchstleistung ungeachtet der neuen Konstruktionsdetails noch der 1962er Version. Zum Modelljahr 1964 wurde der Hubraum auf 7030 cm³ vergrößert, und die Höchstleistung stieg auf 340 PS (250 kW).
Als Kraftübertragung diente bis 1963 eine Viergangautomatik von General Motors.Angaben nach automobile-catalog.com (abgerufen am 18. Mai 2026). Zusammen mit dem auf 7,0 Liter vergrößerten Motor erschien 1964 ein neu konstruiertes Automatikgetriebe mit drei Vorwärtsgängen (GM Turbo Hydramatic THM-400).Angaben nach automobile-catalog.com (abgerufen am 18. Mai 2026).
Preise und Produktion Der Cadillac Sixty Special war ein sehr teures Auto. Sein Listenpreis lag jeweils etwa 800 US-$ über den Viertürern der DeVille-Reihe. Lediglich das exklusive Cabriolet Eldorado, das nur in sehr niedrigen vierstelligen Stückzahlen produziert wurde, und die Repräsentationsfahrzeuge der Series 75 waren teurer. Lincolns Continental Sedan war etwa 100 US-$ günstiger als der Cadillac, der Preis für einen viertürigen Imperial von Chrysler war sogar 1000 US-$ niedriger.Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980, New York (Beekman House) 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 105.
Cadillac Series Sixty Special Modelljahr Listenpreis (US-$) Stückzahl 1961 6.233 15.500 1962 6.366 13.350 1963 6.366 14.000 1964 6.388 14.500
Literatur Georg Amtmann: Cadillac. Lechner Verlag, Genf 1990, ISBN 3-85049-071-8 John Gunnell (Hrsg.): Standard Catalog of American Cars 1946–1975. 4. Auflage. Krause Publications, Iola WI 2002, ISBN 0-87349-461-X. Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980, New York (Beekman House) 1984, ISBN 0-517-42462-2. Mary Sieber, Ken Buttolph: Standard Catalog of Cadillac 1903–1990. Krause Publications, Iola 1991, ISBN 0-87341-174-9.
Weblinks
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Limousine