mini|Decretos de Nueva Planta, erlassen von Philipp V. mini|Offizielles Verbot der katalanischen Sprache im Roussillon am 2. April 1700 Unterdrückung des Katalanischen enthält eine Chronologie von Maßnahmen und gewalttätigen Aktionen, mit denen die katalanischen Sprache aktiv unterdrückt und zunehmend durch das Kastilische und das Französische ersetzt wurde, die ursprünglich im katalanischen Sprachgebiet fremd waren. Dies kann als Unterdrückung einer nationalen Minderheit angesehen werden.
Die katalanische Sprache hatte sich im Mittelalter in einem Großteil der Krone von Aragonien (das gesamte Fürstentum Katalonien, Teile Aragons, den Großteil des Königreichs Valencia, Andorra, den Balearen, und der Stadt Alghero auf Sizilien) entwickelt und verbreitet. Die katalanische Sprache war nicht nur lebendig in allen Bevölkerungsschichten, sondern sie entfaltete außerdem über die Jahrhunderte eine außerordentliche literarische Tradition, mit Trobadordichtung, Philosophen wie Ramon Llull, Dichter wie Ausiàs March, religiöse Prosa wie Isabel de Villena und Romane wie Tirant lo Blanc von Joanot Martorell, und erreichte ihr Goldenes Zeitalter bereits vor dem kastilischen Siglo de Oro.
Die Situation änderte sich aber ab 1659 in Nordkatalonien und ab 1707 im Rest des katalanischsprachigen Gebiets, nachdem diese Unter der Herrschaft von Frankreich bzw. Kastilien fielen. Trotz der über Jahrhunderte anhaltenden Versuche, sie durch Französisch und Kastilisch zu ersetzen, ist die katalanische Sprache noch lebendig und hat aktuell ca. 10 Millionen Sprecher. Seit dem späten 19. Jahrhundert findet auch eine große Wiedergeburt ihrer Literatur statt. Heute ist sie in praktisch allen Bereichen des alltäglichen Lebens präsent. mini|Der fünfte Punkt der Decretos de Nueva Planta bezüglich des Fürstentums lautet: 5. Die Verfahren vor der Königlichen Audiencia sind in der kastilischen Sprache zu führen […], womit die Verwendung der katalanischen Sprache in der neuen Rechtspflege und Verwaltung Kataloniens untersagt wurde.
Abtretung von Nordkatalonien
Der zwischen den Königreichen Spanien und Frankreich 1659 geschlossene Pyrenäenfriede bedeutete die Abtretung von Nordkatalonien an Frankreich. Damit begann der Versuch Frankreichs, die katalanische Sprache durch das Französische zu ersetzen:
1661: Ludwig XIV. gewährt dem Collège de Jésuites das unbefristete Recht, an der Universität Perpignan französische Grammatik zu unterrichten, wodurch der Adel, der Klerus und das Bürgertum mit der französischen Sprache vertraut gemacht werden. 1662: Verordnung, dass der Grammatikunterricht an der Universität Perpignan auf Französisch erfolgen muss.Jané i Checa, Ò. (2003): França i Catalunya al segle XVII. Identitats, contraidentitats i ideologies a l'època moderna (1640-1700), Universitat Autònoma de Barcelona, S. 274–275, http://www.tdx.cat/TDX-0123104-160352 1672: Verordnung zur Förderung von Schulen mit französischer Unterrichtssprache.Brun, Auguste: L’introduction de la langue française en Béarn et en Roussillon, Paris 1923, S. 66 1682: Verordnung, wonach die Bewohner des Roussillon die französische Sprache beherrschen müssen, um ein öffentliches Amt oder einen Ehrentitel zu erlangen, und die ihnen sechs Monate Zeit zum Erlernen dieser Sprache einräumt.Marcet i Juncosa, Alícia, Le rattachement du Roussillon à la France, Ed. Trabucaire, Perpignan 1995, S. 139 1683: Verbot für die Einwohner des Roussillon, im Fürstentum Katalonien zu studieren. 1700: Erlass, in dem Ludwig XIV. schreibt, dass «die Verwendung des Katalanischen abstoßend sei und der Ehre der französischen Nation zuwiderlaufe», und verfügt, dass alle Gerichtsverfahren, die Beratungen der städtischen Richter, notarielle Urkunden und alle Arten von öffentlichen Urkunden auf Französisch abgefasst sein müssen, andernfalls sind sie nichtig.https://www.axl.cefan.ulaval.ca/francophonie/Decret-interdiction-catalan1700.htm«Revue Catalane» III, (1909), S. 292–293, https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k6564813p/f308.item
Nach dem Erbfolgekrieg
Im Spanischen Erbfolgekrieg hatte sich Kastilien auf die Seite von Philipp von Anjou gestellt, während die Krone von Aragonien für den Habsburgischen Thronanwärter, den Erzherzog Karl, kämpfte. Nachdem aber Philipp von Anjou (Philipp V.) in den aragonesischen Territorien gewann (1707 València, 1714 Barcelona, 1715 Mallorca), fing er sofort an, die dortige Bevölkerung mit der Abschaffung ihrer Fueros und Gepflogenheiten zu bestrafen und die kastilische Sprache einzuführen. Er war Enkel von Ludwig XIV. von Frankreich und strebte genauso einen zentralistischen Staat. (Die Krone von Aragonien war bis dahin ein Bundesstaat gewesen.)
1707–1719: Philipp V. erlässt Decretos de Nueva Planta für das Königreich València (1707), Mallorca (1715), Katalonien (1) (1716) und Sardinien (1719). Der offizielle Gebrauch des Katalanischen wird verboten. 1707: Die Kastilianisierung oder Abschaffung von Ortsnamen im Land Valencia beginnt. Am 27. November erlässt Philipps V. ein Dekret, wonach an der Stelle, an der Xàtiva lag – die von seinen Truppen verbrannt worden war – eine neue Siedlung namens „Ciudad de San Felipe“ (auf Spanisch) errichtet werden soll.Decreto de Reconstrucción de una ciudad que resistió «con obstinada rebeldía», in: Levante-EMV, suplemento especial Xàtiva 1707, 30. Juni 2007, S. 15 1712: 20. Februar. Es werden geheime Anweisungen an die Statthalter des katalanischen Gebiets erteilt: „Sie sollen mit größter Sorgfalt die Einführung der spanischen Sprache vorantreiben und zu diesem Zweck die maßvollsten und unauffälligsten Maßnahmen ergreifen, damit das Ziel erreicht wird, ohne dass diese Bemühungen auffallen.“de la Cierva, Ricardo: Historia general de España: Los reyes católicos y España imperial, Ed. Planeta, 1980, ISBN 84-85753-00-3 1714: Philipp V. schreibt vor, dass „alle Anstrengungen unternommen werden sollten, um die spanische Sprache in jenen Städten einzuführen, in denen sie nicht gesprochen wird“. 1715: Die Verordnung des Rates von Kastilien besagt, dass es im Unterricht keine Bücher auf Katalanisch geben darf, dass diese Sprache dort weder gesprochen noch geschrieben werden darf und dass die christliche Lehre auf Kastilisch gelehrt und gelernt werden soll. Sie fügt hinzu, dass „keine schwachen und weniger wirksamen Mittel gewählt werden sollten, sondern vielmehr die robustesten und sichersten, um aus dem Gedächtnis der Katalanen alles zu tilgen, was ihren abgeschafften Verfassungen, Gebräuchen, Fueros und Sitten entsprechen könnte“.Antoni Comas: Les excel·lències de la llengua catalana, Barcelona 1967, S. 8–9 1716: Anordnung, wonach in Perpignan nur auf Französisch gepredigt werden darf. 1717: Geheime Anweisungen an die Corregidores in Katalonien, um das Kastilische möglichst wirksam, unauffällig und flächendeckend einzuführen.Mercader Riba, Joan, La ordenación de Cataluña por Felipe V: La Nueva Planta, «Hispania», Madrid, XV (1951), S. 325 1755: Artikel 10 der Visitation des Provinzials der Piaristen schreibt vor, dass alle Ordensbrüder sowohl untereinander als auch gegenüber der übrigen Bevölkerung ausschließlich Spanisch und Latein sprechen dürfen. Die Strafe für das Sprechen von Katalanisch ist eine Fastenkur. 1768: Königliche Verfügung, wonach der Unterricht in Katalanisch an den Schulen für Grundbildung, Latein und Rhetorik verboten wird; Katalanisch wird aus allen Gerichten verbannt, und den Diözesangerichten wird ebenfalls empfohlen, dies ebenfalls zu tun.«Königliche Verfügung, wonach […] in der gesamten Krone von Aragon auf kastillische Sprache gehandelt und unterrichtet werden soll.», 1768, https://digibug.ugr.es/handle/10481/9017, abgerufen am 17. Mai 2026 1772: Königliche Verfügung, wonach alle Groß- und Kleinhändler ihre Buchhaltung auf Kastilisch führen müssen.«Real cedula de S.M. por la cual manda que todos los mercaderes y comerciantes de por mayor y menor de estos mis reinos y señorios sean naturales o extranjeros lleven y tengan sus libros en idioma castellano según la ley de la nueva recopilación» vom 24. Dezember 1772, (Web des Spanischen Kultusministeriums), abgerufen am 17. Mai 2026 1773: Verbot für die Universität Cervera, Bücher auf Katalanisch zu veröffentlichen – mitgeteilt vom Rat von Kastilien in einem Schreiben vom 20. März. 1776: Der Bischof von Mallorca erzwingt die Verwendung des Kastilischen in den Pfarreien und im Katechismusunterricht.Amengual i Batle, Josep: Els catecismes populars de Mallorca. D’instrument pastoral a mitjà de control cultural de l’Estat, in «Mayurqa: revista del Departament de Ciències Històriques i Teoria de les Arts» Nr. 18 (1978-79), Ed. Universitat de Palma de Mallorca, Palma 1981, S. 120, ISBN 84-600-2125-4, http://ibdigital.uib.es/greenstone/sites/localsite/collect/mayurqa/index/assoc/Mayurqa_/1978v18p/117.dir/Mayurqa_1978v18p117.pdf, abgerufen am 17. Mai 2026 1780: José Moñino y Redondo, Graf von Floridablanca, erlässt eine königliche Bestimmung, die alle Schulen dazu verpflichtet, die Grammatik der Real Academia Española zu unterrichten.Miralles i Monserrat, Joan, Entorn a la història de la llengua, Publicacions de l’Abadia de Montserrat, 2001, ISBN 84-8415-309-6 1794: Der französische Nationalkonvent dekretiert den allgemeinen Unterricht des Französischen – das zu jener Zeit von 10 % der französischen Bevölkerung gesprochen wurde –, um „die Patois zu vernichten und den Gebrauch des Französischen zu universalisieren“. Es beginnt der große Linguizid Frankreichs. 1799: Königliches Dekret, das „das Darbieten, Singen und Tanzen von Stücken, die nicht in kastilischer Sprache verfasst sind“, untersagt.Jordi Carbonell i de Ballester: La literatura catalana durant el període de transició del segle XVIII al segle XIX, in «Actes del Quart Col loqui Internacional de Llengua i Literatura Catalanes, Basilea, 22–27 de març de 1976», Publicacions de l’Abadia de Montserrat, 1977, S. 295–296
19. Jahrhundert
1801: Manuel de Godoy Godoy untersagt in sämtlichen Theatern die Aufführung von Theaterstücken, die nicht auf Kastilisch sind.Joan Miralles i Monserrat, Entorn a la història de la llengua, Publicacions de l’Abadia de Montserrat, 2001, ISBN 84-8415-309-6, S. 49 1802: Nachdem Menorca infolge der Aufgabe durch die Engländer unter die Hoheit des spanischen Staates fällt, ordnet der Generalkapitän der Insel unverzüglich an, dass in den Schulen ausschließlich Kastilisch unterrichtet wird.Josep Benet: L’Intent Franquista de Genocidi Cultural Contra Catalunya, Publicacions de l’Abadia de Montserrat, 1995, ISBN 84-7826-620-8, S. 23 1821: Der Plan Quintana verpflichtet das Schulsystem zur Verwendung des Spanischen.Francesc Ferrer i Gironés: La repressió de la llengua catalana, in: «Serra d’Or», November 2002, S. 18–21 1825: Der Plan Calomarde versucht, eine einheitliche staatliche Bildung auf Spanisch einzuführen: Die Verwendung des Katalanischen in den Schulen wird verboten.Antoni Rovira i Virgili: Resum d’història del catalanisme, Ed. Barcino, Barcelona 1936, S. 166 1828: Der Bischof von Girona verpflichtet, dass die Bücher der Pfarrei auf Kastilisch geschrieben sind.Francesc Ferrer i Gironés: La repressió de la llengua catalana, in: «Serra d’Or», November 2002, S. 64 1837: Ein königliches Edikt verhängt schändliche Strafen über Kinder, die in der Schule Katalanisch sprechen.Maria Candela Ribera Ruiz: La llengua i el sentiment de pertinença dels habitants de Catalunya a principis del segle XXI, in «Treballs de Sociolingüística Catalana» 2017, ISSN 2013-9136, S. 235–253, abgerufen am 17. Mai 2026 Gleichzeitig ordnet die Regierung der Balearen die Bestrafung von Schulkindern an, die Katalanisch sprechen – und zwar durch die Denunzierung der Schüler.Bartomeu Orell i Villalonga: Llegir i escriure al món rural mallorquí, 1860-1930, Ed. Universitat Illes Balears, 2008, ISBN 84-8384-002-2, S. 133