Taonere Banda (* 5. Juni 1996 im Nkhotakota-Distrikt in Malawi) ist eine malawische Leichtathletin in der Startklasse T12-T13, die sich auf den Mittelstreckenlauf spezialisiert hat. Sie war die erste Person aus Malawi, die das Land bei Paralympischen Spielen vertrat.
Werdegang Taonere Banda wurde 1996 im Nkhotakota-Distrikt geboren und entwickelte im Säuglingsalter wegen unbehandelter Katarakte eine schwere Sehschädigung. Sie erkennt lediglich Gegenstände unmittelbar vor ihren Augen. Als Kind war sie deshalb Stigmatisierung und Diskriminierung ausgesetzt. In Malawi sind viele Kinder mit Behinderungen, vor allem Mädchen, vom Bildungssystem ausgeschlossen. „Es herrscht die weitverbreitete Ansicht, dass ihr Schulbesuch von geringem Nutzen sei und sie für die Lehrkräfte eine zu große Herausforderung darstellten.“ Aufgrund der fehlenden Förderung für Kinder mit Beeinträchtigungen wurde auch Taonere Banda der Schulbesuch bis zum Alter von zehn Jahren verwehrt. Erst dann durfte sie am Unterricht teilnehmen, nicht aber am Sportunterricht.
Taonere Banda begann dennoch während ihrer Schulzeit in der Freizeit mit dem Laufen und engagierte sich ab dem Alter von 16 Jahren bei der National Initiative for Civic Education (NICE), wo ihr Talent gefördert und ihr ermöglicht wurde, an Wettkämpfen teilzunehmen. Dies führte schließlich zu ihrer Entdeckung durch das Paralympische Komitee Malawis.
Taonere Banda kümmerte sich nach dem Tod ihrer Eltern um ihre jüngeren Geschwister. Sie ist alleinerziehend und lebt mit ihrem um oder vor 2016 geborenen Sohn im Nkhotakota-Distrikt. Sie trainiert dort unter erschwerten Bedingungen, da sie weder Zugang zu einer ordentlichen Laufbahn noch zu Sport- oder Fitnessgeräten hat und sich keine angemessene Ernährung einer Leistungssportlerin leisten kann. Wenn sie nicht in Vorbereitung zu Wettkämpfen trainiert, arbeitet sie in der Landwirtschaft. Sie engagiert sich außerdem in der „Equal World“-Kampagne von Sightsavers, einer Organisation, die sich weltweit für das Recht von Menschen mit Behinderungen einsetzt, zur Schule zu gehen, eine Anstellung zu finden und vollumfänglich am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.
Sportliche Laufbahn mini|Taonere Banda bei den Paralympischen Spielen 2016 in Rio
Taonere Banda nahm unter anderem an internationalen Wettkämpfen in Sambia und Simbabwe teil. Sie gewann bei den All Afrika Games 2012 in Sambia eine Bronzemedaille und 2014 eine Silbermedaille. Vor den Sommer-Paralympics 2012 in London wurde sie als T13-Athletin klassifiziert. Sie konnte dort aber nicht starten, da kurz vor Beginn der Eröffnungsfeier Malawi seine Teilnahme aufgrund fehlender finanzieller Mittel zurückzog.
2016 qualifizierte Taonere Banda sich für die Sommer-Paralympics 2016 in Rio de Janeiro. In der Vorbereitungsphase auf die Spiele konnte sie dank bereitgestellter finanzieller Mittel an einem zweimonatigen Trainingslager in Blantyre teilnehmen, wo sie erstmals auf Boden lief, der den Wettbewerbsbedingungen entsprach. Auch die Reisekosten für sie und ihren Trainer George Luhanga wurden übernommen. Sie trug die Fahne ihres Landes zur Eröffnung im Maracanã-Stadion. Im 1500-Meter-Lauf (T13) in Rio wurde sie dem ersten Vorlauf zugeteilt. Nach dem Rennen wurde sie allerdings wegen des Verlassens ihrer Bahn nachträglich disqualifiziert.
WettkampfStreckeZeit/RangMedaille All Afrika Games 2012, SambiaBronzeAll Afrika Games 2014400 mSilberSommer-Paralympics 2016, Brasilien1500 m –World Para Athletics Championships 2019, Dubai400 mZeit 1:11 –1500 mZeit 5:55 – Fazza International Championship 2021, Dubai1500 mBronzeSommer-Paralympics 2020, Japan400 mZeit Vorlauf 1:11.74, Rang 5 –1500 mZeit Vorlauf 5:52.14, Rang 7 –World Para Athletics Grand Prix 2024, Marokko400 mBronze
2019 nahm Taonere Banda an den World Para Athletics Championships in Dubai teil und startete beim 400-Meter-Lauf (T13). Im Jahr 2021 qualifizierte sie sich in Dubai auch für den 1500-Meter-Lauf in der Klasse T13 für die Sommer-Paralympics in Tokio. Sie vertrat Malawi erneut bei den Sommer-Paralympics 2020 in Tokio, begleitet von ihrer Trainerin Agnes Jamali. Wegen des Ausbruchs der COVID-19-Pandemie waren sowohl die Olympischen Sommerspiele als auch die Paralympics auf 2021 verschoben worden. An der Eröffnungsfeier nahm sie als Fahnenträgerin ihres Landes im Nationalstadion teil und lief ihre persönliche Saisonbestzeit. Sie absolvierte in der Klasse T13 den 400-Meter-Lauf als Siebte und den 1500-Meter-Lauf als Fünfte.
Im Jahr 2024 gewann Taonere Banda beim World Para Athletics Grand Prix in Marrakesch in Marokko die Bronzemedaille im 400-Meter-Lauf in der Klasse T13 der Frauen und qualifizierte sich für die Sommer-Paralympics 2024 in Paris, an denen sie jedoch letztlich nicht teilnahm, da die Athletin Estele Nagoli während der Ausscheidungsrunden noch etwas schneller war.
Weblinks
Einzelnachweise The Vision of a Champion: Taonere Banda × Para athletics. In: at2030.org. Abgerufen am 14. Mai 2026
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