Der Musikverein Nollingen 1826 e. V. ist ein Blasmusikverein aus Nollingen, einem Ortsteil der baden-württembergischen Stadt Rheinfelden (Baden). Mit einer auf das Jahr 1826 zurückgehenden Tradition zählt er zu den ältesten Musikvereinen Südbadens. Für seine langjährige Pflege der Blasmusik erhielt der Verein 1972 die Pro-Musica-Plakette sowie 2001 als erster Verein im Alemannischen Musikverband die Conradin-Kreutzer-Tafel. Auch im musikhistorischen Standardwerk Blasmusik in Baden (1983) wird der Verein mehrfach erwähnt.
Geschichte Gründung und 19. Jahrhundert Als Keimzelle des Vereins gilt der Nollinger Solomusiker Martin Sigrist (* 7. November 1784), genannt Giegermarti, der Geige und Klarinette spielte und über die Ortsgrenzen hinaus bekannt war. Im Jahr 1826 nahm er den damals zwölfjährigen Felix Senger als Klarinettenschüler an. Aus diesem Lehrverhältnis entwickelte sich bis 1852 eine sechsköpfige Musikgruppe, die regelmäßig in Nollingen, in Nachbardörfern und im Basler Umland auftrat.
Nach Sigrists Tod 1852 übernahm Felix Senger die musikalische Leitung. Unter seiner Führung trat der Verein 1863 zum 50-jährigen Gedenken der Schlacht bei Leipzig sowie 1864 beim Internationalen Feuerwehrfest in Basel auf. Nach Sengers Tod 1881 wurde sein Sohn Kaspar Senger Dirigent; auf ihn folgten ab 1891 verschiedene Hauptlehrer als musikalische Leiter, darunter Anton Neininger (1896–1909).
Weltkriege und Wiedergründungen Im Ersten Weltkrieg fielen zwei Vereinsmitglieder. Nach Kriegsende wurde der Verein 1919 neu organisiert; erster Vorsitzender wurde Hermann Krebs. Als bedeutender Dirigent dieser Phase gilt Anton Reitner (ab 1923). Beim Musikwettstreit in Kandern erreichte der Verein am 16. Mai 1926 den zweiten Preis.
Zum 100-jährigen Bestehen vom 5. bis 7. Juni 1926 schaffte der Verein eine neue, in Godesberg gefertigte Vereinsfahne im Wert von 650 Reichsmark an, die auf der Vorderseite den Schwan des Lohengrin und auf der Rückseite eine Lyra zeigt. Diese Fahne wird bis heute bei besonderen Anlässen mitgeführt.
Ein Antrag der Freiwilligen Feuerwehr Rheinfelden, den Verein 1930 in „Feuerwehrmusik Rheinfelden“ umzubenennen, wurde von der Generalversammlung am 8. Juni 1930 mit 42 zu 2 Stimmen abgelehnt.
Im Zweiten Weltkrieg verlor der Verein acht aktive Mitglieder; zwei weitere galten als vermisst. Nach Kriegsende wurde der Musikverein zunächst durch die französische Besatzungsmacht aufgelöst. Bereits am 1. Mai 1946 trat er wieder öffentlich auf; die offizielle Wiedergründung erfolgte am 29. März 1947.
Ära Bernhard Köppel und Aufstieg Von Ende 1949 bis 1984 leitete der Rheinfelder Stadtkapellmeister Bernhard Köppel den Verein über 35 Jahre lang. Unter seiner Leitung wurde der Verein 1950 beim Wertungsspiel des Alemannischen Musikverbands in Wyhlen mit der Note „sehr gut“ bewertet und stieg 1959 in Grenzach in die Oberstufe auf, in der er die zweitbeste Bewertung erzielte. Köppel wird mehrfach im Standardwerk Blasmusik in Baden (1983) genannt; er wurde 1976 zum Ehrendirigenten des Vereins ernannt.
Das 125-jährige Bestehen wurde 1951 mit einem Festzug durch Nollingen begangen. 1972 erhielt der Verein als Auszeichnung für sein 150-jähriges Bestehen die Pro-Musica-Plakette des Bundespräsidenten. 1974 wurde der Verein offiziell als Musikverein Nollingen 1826 e. V. ins Vereinsregister eingetragen. Mit der Einweihung der Hebelhalle 1975 erhielt der Verein einen festen Probenort. Das 150-jährige Jubiläum 1976 wurde mit einem viertägigen Festzelt für 2.500 Personen begangen.
Jüngere Geschichte Am 28. April 2001 erhielt der Musikverein in der Hochschule für Musik Trossingen als erster Verein des Alemannischen Musikverbands die Conradin-Kreutzer-Tafel, verliehen durch Staatssekretär Rudolf Köberle. Wenige Wochen später, vom 8. bis 11. Juni 2001, feierte der Verein sein 175-jähriges Bestehen. 2002 wirkte der Verein am Festakt zum 1250-jährigen Bestehen von Nollingen mit. 2003 wurde der Verein in der SWR-Sendung Morgenläuten gesendet.
Mit Fenja Kling stand von 2020 bis 2024 erstmals eine Frau am Dirigentenpult; seit 2024 leitet Ralf Eckert das Orchester musikalisch. Das 200-jährige Bestehen wurde vom 14. bis 16. Mai 2026 unter dem Motto Maddefescht / Brass & Beats / Brass-Explosion gefeiert, unter Schirmherrschaft des Rheinfelder Oberbürgermeisters Klaus Eberhardt.
Organisation Aktivorchester Das Aktivorchester umfasst rund 35 Musikerinnen und Musiker und probt wöchentlich in der Hebelhalle in Nollingen. Das Repertoire umfasst die traditionelle Blasmusik über originale Konzertliteratur bis hin zu Bearbeitungen aus Klassik, Jazz, Film- und Popularmusik. Eine besondere Tradition pflegt der Verein im lockeren Auswendigspiel zu geselligen Anlässen.
Jugendorchester Seit 2005 unterhält der Verein ein eigenständiges Jugendorchester, das zurzeit 15 Mitglieder umfasst und von Noah Beck geleitet wird. Der Verein bildet jeweils etwa zehn Zöglinge an Instrumenten wie Blockflöte, Querflöte, Klarinette, Trompete und Schlagzeug aus; Voraussetzung für den Wechsel ins Aktivorchester ist das Musikalische Leistungsabzeichen in Bronze. Für Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren bietet der Verein zusätzlich eine musikalische Früherziehung nach dem PanPan-Konzept an.
Auszeichnungen 1972: Pro-Musica-Plakette des Bundespräsidenten 2001: Conradin-Kreutzer-Tafel des Landes Baden-Württemberg, verliehen als erstem Verein des Alemannischen Musikverbands
Verbundene Vereine Patenverein ist die Stadtmusik Rheinfelden (Baden), zu der seit dem 100-jährigen Jubiläum 1926 eine enge Verbindung besteht. Freundschaftliche Beziehungen pflegt der Verein zudem zur Musikgesellschaft Wintersingen (Kanton Basel-Landschaft). Im Rahmen von Städtepartnerschaften der Stadt Rheinfelden trat der Verein mehrfach in Neumarkt sowie 2015 in Fécamp auf.
Literatur Norbert Stucke (Red.): 200 Jahre Musikverein Nollingen 1826 e. V. – 200 Jahre Musik & Gemeinschaft. Festschrift, Nollingen 2026. Heinz Schuler u. a.: Blasmusik in Baden. Geschichte und Gegenwart einer traditionsreichen Blasmusiklandschaft. Freiburg 1983.
Weblinks Website des Musikvereins Nollingen Eintrag auf der Website der Stadt Rheinfelden
Einzelnachweise Norbert Stucke (Red.): 200 Jahre Musikverein Nollingen 1826 e. V. – 200 Jahre Musik & Gemeinschaft. Festschrift, Nollingen 2026. Dr. Wolfgang Suppan, Blasmusik in Baden, ISBN 3923058020 Musikverein Nollingen 1826 e. V. auf der offiziellen Website der Stadt Rheinfelden, abgerufen am 12. Mai 2026.
Kategorie:Blasorchester (Deutschland) Kategorie:Organisation (Rheinfelden (Baden)) Kategorie:Vereinsgründung 1826 Kategorie:Verein (Landkreis Lörrach)