Spinne, Elefant und Nilpferd ist ein Märchen der Hausa (AaTh 291: Seilziehen der Tiere) aus Nigeria.Ulla Schild (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Westafrikanische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1975., S. 165–170, 292.
Handlung Als eine Hungersnot herrscht, geht Spinne, der sich und seine Kinder retten will, zur Herrin des Landes, Frau Elefant, der er erzählt, dass die Herrin des Wassers, Frau Nilpferd, sie um hundert Körbe Korn bitte, wofür sie später ein Pferd erhalten werde. Da lässt Frau Elefant die Körbe von Elefantenjünglingen zum Flussufer bringen, die sich Spinne mit seiner Familie einverleibt. Am nächsten Morgen geht Spinne dann ins Wasser und sucht den Hof der Frau Nilpferd auf, um diese, im Namen von Frau Elefant, um hundert Körbe Fisch zu bitten, wofür sie später ein Pferd erhalten werde. Die Nilpferdjünglinge bringen die Körbe zum Flussufer, woraufhin sich Spinne und seine Angehörigen auch diese einverleiben.
Spinne, seine Frau und seine Kinder drehen daraufhin einen riesigen, langen Strick, den sie zwischen zwei Bäumen spannen, wovon der eine am Flussufer steht und der andere bei den Elefanten. Spinne sagt den beiden Herrinnen sodann, dass die jeweils andere Seite das Pferd bereitgestellt habe und sie es sich nur heranzuziehen bräuchten. Da ziehen die Untergebenen beider Seiten an dem Strick, doch keine Seite vermag die andere zu sich zu ziehen. Die Elefanten- und Nilpferdjünglinge beschließen in der Folge nachzusehen, was für ein Pferd denn so stark sei, und als sie sich treffen, bemerken sie die Täuschung.
Spinne versteckt sich von da an. Als er jedoch schon ganz mager ist, ist er dazu gezwungen, sein Versteck zu verlassen. Umherwandernd entdeckt er eine tote Antilope, in deren Haut er schlüpft. In dieser wackeligen Gestalt trifft er auf Frau Elefant, die ihn sucht, und er erzählt ihr, dass Spinne auf ihn, die Antilope, im Streit gedeutet habe und er seitdem dahinschwinde. Da gibt Frau Elefant die Suche nach Spinne auf. Dieser jedoch entschlüpft der Haut und läuft ihr hinterher und fragt, ob sie ihn gesucht hätte, woraufhin sie zu zittern beginnt, Wasser lässt und die Frage abwehrt. Frau Nilpferd ergeht es nicht viel besser und so ist Spinne gerettet.
Hintergrund Das Märchen stammt aus Robert Sutherland Rattrays Hausa Folk-lore, Customs, Proverbs, etc. Vol. 1–2 (Oxford 1913, Band 2, S. 124 ff.) und erhielt in Ulla Schilds Die Märchen der Weltliteratur – Westafrikanische Märchen (Düsseldorf / Köln 1975) den Titel Spinne, Elefant und Nilpferd. Eine stark gekürzte Variante der Lingala im Kongo, die von einer Schildkröte handelt und von einem Schüler aus Kinshasa erzählt wurde, veröffentlichte Suzanne Comhaire-Sylvain in ihrem Werk Jetons nos couteaux! Contes des garçonnets de Kinshasa et quelques parallèles haïtiens. (Ceeba, Série II, vol. 15, Bandundu 1974, S. 2 ff.). In Almut Seiler-Dietrichs Die Märchen der Weltliteratur – Märchen der Bantu (Düsseldorf / Köln 1980) bekam sie den Titel Schildkröte und Elefant. Das Motiv des schwachen Tiers, das zwei starke Tiere mittels eines Seilziehens hereinlegt, ist weit verbreitet.Almut Seiler-Dietrich (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen der Bantu. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S 248, 282.
Verglichen werden können Verstand siegt über Stärke und der Schluss von Der Sohn des Hasen aus Schilds Werk. Für das Schlüpfen in eine Tierhaut siehe Der böse Hase.
Literatur Ulla Schild (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Westafrikanische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1975., S. 165–170, 292. Almut Seiler-Dietrich (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen der Bantu. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S 248, 282.
Einzelnachweise
Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Nigeria) Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Tiermärchen Kategorie:Elefant in der Kunst Kategorie:Flusspferd in der Kultur Kategorie:Spinne als Thema