Robert Rutherford Holt (* 27. Dezember 1917 in Jacksonville; † 10. April 2024 in Truro) war ein US-amerikanischer Klinischer Psychologe und Professor an der New York University (NYU).Tom Recchio: Obituary: Psychologist and Peace Activist Robert Holt Dies at 106 auf The Provincetown Independent vom 17. Aprim 2024, abgerufen am 11. Mai 2026.Robert Rutherford Holt auf Prabook, abgerufen am 11. Mai 2026.

Leben Er wurde als Sohn von Grace Lloyd Hilditch Watson und Walter John Watson geboren. Seine Eltern hätten „keine Traumbeziehung“ geführt und ließen sich scheiden, als er drei Jahre alt war. Er und seine Schwester Dorothy zogen zu ihren Großeltern. Zwei Jahre später heiratete seine Mutter Francis Michael Holt. Robert kehrte zu ihr zurück, Dorothy blieb jedoch bei ihrem Vater. Holt adoptierte Robert später. Mit 16 Jahren schloss er die High School ab und nach einem Jahr an einer Vorbereitungsschule in Pennsylvania ging er an die Princeton University. Seit er in seinem zweiten Studienjahr Hadley Cantrils Kurs „Sozialpsychologie“ gehört hatte, wandte er sich der Psychologie zu. Nach seinem B.A. 1939 begann er das Psychologie-Graduiertenprogramm an der Harvard University, wo er 1941 seinen Master of Arts erwarb und 1944 zum Ph.D. promovierte. Danach absolvierte eine psychoanalytische Ausbildung in Washington, während er für die Bundesregierung in Washington arbeitete, und in Topeka am Veterans Administration Hospital. Hier lernte er auch David Rapaport († 1960) kennen, mit dem er eine fachlich intensive Beziehung bis zu dessen Tod aufrechterhielt.Robert R. Holt: Notes for reminiscences of David Rapaport abgerufen am 11. Mai 2026.

Seine berufliche Karriere begann 1941 als Forschungsassistent an der Psychologischen Klinik der Harvard University. 1944 wurde er Studienleiter der Abteilung für Programmumfragen bei dem Bureau of American Ethnology (B.A.E.) in Washington und zugleich Dozent an der dortigen American University. Ab 1946 arbeitete er als Klinischer Psychologe am Winter Veterans Administration Hospital in Topeka. Parallel dazu arbeitete er bis 1950 als Klinischer Assistenzprofessor für Psychologie an der University of Kansas. Zugleich war er von 1947 bis 1949 assoziierter Psychologe bei der Menninger Foundation in Topeka; ab 1949 wurde er Leitender Psychologe in der Forschungsabteilung der Menninger Foundation und ab 1951 Leiter des psychologischen Personals. 1953 wurde er gemeinsam mit George S. Klein Direktor des neu gegründeten Forschungszentrums für psychische Gesundheit an der NYU. 1963 übergab er die Leitung an Leo Goldberger ab.Robert R. Holt: History of the Research Center for Mental Health, New York University (NYU) abgerufen am 11. Mai 2026. Ab 1963 war er Gründungsdirektor des NYU-Programms für Friedens- und Globalpolitikstudien. Obwohl die Klinik selbst Anfang der 1970er-Jahre aufgrund der Unwägbarkeiten der Forschungsförderung das Forschungszentrums schließen musste, blieb er bis zu seiner Pensionierung 1989 an der NYU. Seine Arbeit wurde 31 Jahre lang durch ein Forschungsstipendium des National Institute of Mental Health gefördert.

Werk Er beschäftigte sich mit der psychoanalytischen Theorie, insbesondere mit der wissenschaftlichen Evaluation von Freuds Ideen. Er wurde zu einer Schlüsselfigur im Bestreben, der Psychoanalyse wissenschaftliche Strenge zu verleihen, und er trug dazu bei, die Kluft zwischen der traditionellen Freud’schen Theorie und der akademischen Psychologie zu überbrücken. In den 1970er Jahren war er eine zentrale Figur bei der sog. „Krise der Metapsychologie“. Daneben arbeitete er zu Projektiven Testverfahren, einschließlich von Arbeiten zum Rorschachtest und zum TAT. In seinen späteren Jahren beschäftigte er sich mit Friedensforschung und speziell der Psychologie des Friedens und der Erforschung der psychologischen Wurzeln von Krieg und Nuklearpolitik. Er war außerdem ein prominenter Aktivist, der sich für nukleare Abrüstung und die Deeskalation des Kalten Krieges einsetzte.

Ehrungen/Positionen Mitglied der American Association for the Advancement of Science 1988 bis 1990: Mitglied im Aufsichtsrat in der International Society Political Psychology 1989: Mitglied im Beratungsausschuss des Center for War and the Child 1985: Great Teacher Award der NYU 1984 bis 1988: Mitglied im Exploratory Project on Conditions of Peace Psychologe des Jahres von der New York Society of Clinical Psychologists Preis für herausragende Beiträge zur klinischen Psychologie durch die American Psychiatric Association 1969: Great Man Award der Society for Projective Techniques and Personality AssessmentH. B. Molish: Great Man Award: Robert R. Holt. In: Journal of Projective Techniques and Personality Assessment, 1969, 33 (4), S, 302–310. 1969: Bruno Klopfer Award 1967 bis 1968: Gastprofessor für Klinische Psychologie an der Harvard University 1963 bis 1965: Mitglied des Gutachtergremiums für Stipendien des National Institute of Mental Health 1962 und 1988: Forschungskarrierepreise durch das National Institute of Health Präsident der Abteilung für Klinische Psychologie der American Psychological Association Mitglied im Council for a Livable World Mitglied der Redaktionsausschüsse von siebzehn Fachzeitschriften sowie der Freud-Enzyklopädie

Privates 1944 heiratete er seine Kommilitonin Louisa Pinkham. Die beiden bekamen die Töchter Dorothy und Catherine. Er und Louisa ließen sich 1952 scheiden. 1953 lernte er Crusa Adelman kennen, die er 1957 heiratete; achtzehn Monate später kam sie bei einem Autounfall ums Leben. 1962 kam er mit Joan Esterowitz, eine Psychologiestudentin, in Kontakt, die ihm bei der Organisation eines nationalen Treffens der Wissenschaftler für Überlebensforschung an der NYU half. Zuerst zögerte sie aufgrund des Altersunterschieds von 17 Jahren, sich mit ihm einzulassen, aber im August 1963 heirateten sie. Aus dieser Ehe stammen die Söhne Michael (* 1968) und Daniel (* 1965). Bereits in Princeton sang er im Universitätschor und schrieb Gedichte. In Harvard gründete er ein Barbershop-Quartett. Er sang 15 Jahre lang im Provincetown Choral Society und im Outer Cape Chorale, manchmal auch als Tenorsolist. Seit 1963 verbrachte er die Sommer in seinem Haus in Truro und ab 1989 lebte er ganzjährig dort. Hier engagierte er sich als Vorsitzender des Recyclingausschusses, als Mitglied des Gesundheitsausschusses, als Vorsitzender des Sozialausschusses, als Sekretär des Demokratischen Komitees von Truro und als stellvertretender Vorsitzender des Energieausschusses. Er verstarb mit 106 Jahren.

Publikationen (Auswahl) Monografien Mit David Rapoport: The Rapaport-Holt Correspondence (1948–1960). International Psychoanalytic Books, Astoria, New York 2016, ISBN 978-0-9980833-5-3. Projective Assessment. Springer, New York 2013, ISBN 978-1-4684-2391-4. Mit Lester Bernard Luborsky: Personality Patterns of Psychiatrist. A Study Of Methods For Selecting Residents Volume I. Nabu Press, Charleston 2011, ISBN 978-1-179-95422-6. Primary Process Thinking: Theory, Measurement, and Research (Psychological Issues). Jason Aronson, Lanham 2008, ISBN 978-0-7657-0644-7. New Horizon for Psychotherapy: Autonomy as a Profession. International Universities Press, Madison 1998, ISBN 978-0-8236-3580-1. Freud reappraised: a fresh look at psychoanalytic theory. Guilford Press, New York 1989, ISBN 978-0-89862-387-1. Ital. Ausgabe: Ripensare Freud (Programma di psicologia psichiatria psicoterapia). Bollati Boringhieri, Turin 1994, ISBN 978-88-339-5536-0. Motives and Thought: Psychoanalytic Essays in Honor of David Rapaport. International Universities Press, Madison 1967, ISBN 978-0-8236-3480-4. Methods in Clinical Psychology. Springer, New York 1978, ISBN 978-0-306-31124-6. Assessing Personality. Houghton Mifflin, Boston 1971, ISBN 978-0-15-503982-7. Mit Bruno Klopfer; Mary D. Ainsworth; Walter G. Klopfer: Developments in the Rorschach Technique. Technique and Theory (Volume 1). Harcourt Brace and World, New York City 1954.

Herausgeberschaften New Horizon for Psychotherapy; Autonomy as a Profession. International Universities Press, New York 1998, ISBN 978-0-8236-3580-1.

Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge Meeting Einstein’s challenge: New thinking about nuclear weapons. In: Bulletin of the Atomic Scientists vom 3. April 2015. The Tat Newsletter. In: Rorschach Research Exchange and Journal of Projective Techniques, 2010, 14 (2), S. 203–210. A few dissents from a magnificent piece of work. In: Applied and Preventive Psychology, 2004, 11 (1), S. 43–44. Some History of a Methodological Rediscovery. In: American Psychologist, 2003, 58 (5), S. 406–407. New Directions for Basic Psychoanalytic Research: Implications from the Work of Benjamin Rubinstein. In: Psychoanalytic Psychology, 2003, 20 (2), S. 195–213. Freud's Occupational Choice and the Unconscious: Reverberations of Goethe's “On Nature”. In: The Psychoanalytic Review, 2013, 100 (2), S. 239–66. New directions for basic psychoanalytic research: Implications from the work of Benjamin Rubinstein. In: Psychoanalytic Psychology, 2003, 20 (2), S. 195–213. Postmodernism: Its Origins and its Threat to Psychoanalysis. In: International Forum of Psychoanalysis, 2002, 11 (4), S. 264–274. The current status of psychoanalytic theory. In: Psychoanalytic Psychology, 1985, 2 (4), S. 289–315. Imagery: The return of the ostracized. In: American Psychologist, 1964, 19 (4), S. 254–264. The Emergence of Cognitive Psychology. In: Journal of the American Psychoanalytic Society, 1964, 12 (3), S. 650–665. Researchmanship or How to Write a Dissertation in Clinical Psychology Without Really Trying. In: American Psychologist, 1959, 14 (3), S. 151–151. Mit L. Luborsky: The Selection of Candidates for Psychoanalytic Training. In: Journal of the American Psychoanalytic Association, 1955, 3 (4), S. 666–681. Some Statistical Problems in Clinical Research. In: Educational and Psychological Measurement, 1950, 10 (4), S. 609–627.

Weblinks

Robert R. Holt auf Research Gate, abgerufen am 11. Mai 2026. Interview with Robert R. Holt by Carlo Bonomi. In: International Forum of Psychoanalysis, 2008, 17 (4), S. 249–253. Robert Holt, “A history of the Research Center for Mental Health” (June 10, 2006) auf YouTube, abgerufen am 11. Mai 2026.

Literatur Robert R. Holt ’39 auf Princeton Alumni Weekly vom März 2025, abgerufen am 11. Mai. 2026.

Einzelnachweise

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