Die Canadian National Railway/Chemins de Fer Nationaux du Canada (CN), auch als Canadian National Railways (1918–1960) bzw. Canadian National/Canadien National (CN) (seit 1960) bezeichnet, ist eine der zwei kanadischen Class 1-Eisenbahngesellschaften (neben der Canadian Pacific Railway). Das Unternehmen ist im Eigentum der an der Toronto Stock Exchange im Finanzindex S&P/TSX 60 gelisteten, börsennotierten Canadian National Railway Company. Das Unternehmen ist sowohl nach Größe des Streckennetzes (etwa 32.180 km) als auch nach Umsatz die größte kanadische Bahngesellschaft und betreibt als einzige kanadische Gesellschaft ein Netz von Nova Scotia bis nach British Columbia. Durch ihr Tochterunternehmen in den USA, die Grand Trunk Corporation, besitzt sie dort ein Streckennetz, das entlang des Mississippi River von den Großen Seen bis zum Golf von Mexiko reicht. Sitz des Unternehmens ist in Montreal. mini|Streckennetz der Canadian National Railway

Streckennetz Das Streckennetz reicht von Halifax (Nova Scotia) an der Atlantikküste über Montreal, Toronto, Winnipeg, Edmonton bis nach Vancouver und Prince Rupert an der Pazifikküste. Südlich erstreckt es sich in den Vereinigten Staaten über Buffalo, Detroit, Chicago und St. Louis bis New Orleans und Mobile am Golf von Mexiko sowie bis Sioux City und Omaha an der Grenze der Bundesstaaten Iowa und Nebraska.

Geschichte Anfänge mini|Erstes Logo der Canadian National Railways mini|Altes CN-Logo auf einer Dampflokomotive Die Regierung Kanadas gründete die Canadian National Railways (CNR) am 20. Dezember 1918. Sie wollte damit Befürchtungen zuvorkommen, dass durch den Konkurs mehrerer Eisenbahngesellschaften die Transportverbindungen in Kanada zusammenbrechen würden.

Am 20. September 1918 hatte die Regierung bereits die Mehrheit an der bankrotten Canadian Northern Railway erworben und ein neues Management eingesetzt. Zu diesem Zeitpunkt kontrollierte die Gesellschaft bereits die Canadian Government Railways (CGR), ein System bestehend aus der Intercolonial Railway, der National Transcontinental Railway, der Prince Edward Island Railway sowie weiteren ehemaligen Gesellschaften. Die Regierung hoffte, damit den Betrieb der verschiedenen Bahnen zu vereinfachen.

Am 12. Juli 1920 übernahm sie die Grand Trunk Pacific Railway, da sich deren Muttergesellschaft Grand Trunk Railway nicht in der Lage sah, die Strecke wirtschaftlich zu betreiben. Schließlich wurde die bankrotte Grand Trunk Railroad am 21. Mai 1920 unter staatliche Kontrolle gestellt. Da das Management sowie die Aktienbesitzer sich einer Verstaatlichung verweigerten, konnte die Fusion erst am 30. Januar 1923 vollzogen werden. In den Folgejahren kamen noch einige kleinere Eisenbahnen (wie z. B. 1923 die Montreal and Southern Counties Railway) hinzu, teils aufgrund deren Bankrotts oder wegen politischer Notwendigkeiten. Das grundlegende Netz der Canadian National existierte jedoch zu diesem Zeitpunkt schon.

In der Folgezeit kam es wiederholt zu Kritik an der Unterstützung der CNR als Crown Corporation durch die kanadische Regierung. Insbesondere das Konkurrenzunternehmen Canadian Pacific Railway beklagte, dass sie mit ihren Steuern den Wettbewerber unterstützte. Die CPR erhielt jedoch in Form von Land- und Schürfrechten staatliche Unterstützung. Ebenso besaß sie in den Anfangsjahren eine Monopolstellung in bestimmten Gegenden Kanadas. Im Gegensatz zur Canadian Pacific erschloss die Canadian National die abgelegenen und unentwickelten Regionen von Westkanada, Nordontario und Québec sowie die wirtschaftlich schwachen Maritimes.

Die Regierung von Kanada nutzte die Gesellschaft für ihre weitere Politik. So erhielt die Gesellschaft die Kontrolle über die Fähren im Atlantik und über den Betrieb der schmalspurigen Newfoundland Railway. Ebenso übte sie die Kontrolle über den gemeinsamen Betrieb der Northern Alberta Railway mit der CPR aus. Um den Zugreisenden während der gesamten Fahrt den Radioempfang zu ermöglichen, gründete die Regierung 1932 die Canadian Radio Broadcasting Commission. Diese wandelte sie 1936 als Canadian Broadcasting Corporation in eine eigenständige Crown Corporation um.

1980 erwarb die CNR die Detroit, Toledo and Ironton Railroad (DT&I) und 1981 die Detroit and Toledo Shore Line Railroad, die sie der Grand Trunk Corporation unterstellte. Teile der DT&I verkaufte sie später weiter, sie sind heute Teil der Indiana & Ohio Railway. 1995 kaufte RailAmerica die Central Vermont Railway und betreibt sie heute unter dem Namen New England Central Railroad.

Staatliche Einflussnahme und Rekapitalisation mini|In Harvey Kanada Bis in die 1980er Jahre schloss die Canadian National Railway die meisten ihrer Geschäftsjahre mit Verlust ab, ausgenommen die Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Der größte Teil der Verluste war darin begründet, dass vielfach politische Unternehmensentscheidungen getroffen wurden, die nicht immer einer wirtschaftlichen Betriebsführung entsprachen. So hatte die Gesellschaft unter anderem ihre Lokomotiven bei allen kanadischen Herstellern zu beziehen, was letztendlich zu höheren Unterhaltungskosten und einem ineffizienten Betrieb führte. Hinzu kam, dass die Gesellschaft im Gegensatz zu ihrem Konkurrenten CPR mehr Mittel in die Forschung und Entwicklung neuer Sicherheits- und Logistiksysteme steckte und auch mit den Gewerkschaften besondere Absprachen getroffen wurden.

Die Gesellschaft besaß außerdem eine hohe Anzahl unwirtschaftlicher Nebenstrecken, bei denen die erzielten Einnahmen nicht einmal die Unterhaltungskosten einbrachten. Erst mit der 1978 erfolgten Deregulierung konnte die CN diese Strecken stilllegen, an Dritte verkaufen oder auch nur die Frachtraten selbst festlegen.

Ein wichtiger Schritt zu einer besseren Wirtschaftsführung erfolgte 1978 mit einer Rekapitalisierung und Neuaufstellung des Unternehmens als gewinnerwirtschaftende Crown Corporation. Damit wurde die Canadian National weitgehend unabhängig von der staatlichen Einflussnahme auf unternehmerische Entscheidungen und für die Aufnahme von Schulden selbst zuständig und verantwortlich. In der Folgezeit wurden in den 15 Jahren von 1978 bis 1992 in elf Jahren schwarze Zahlen geschrieben und rund 370 Millionen kanadische Dollar Dividende erwirtschaftet.

Neuausrichtung und Rationalisierung mini|hochkant|Der von der Bahngesellschaft in Auftrag gegebene in den 1990er Jahren veräußerte CN Tower Im Rahmen der Rekapitalisierung und Neuaufstellung wurde begonnen die Unternehmensaktivitäten auf den Eisenbahntransport zu spezialisieren und somit die anderen Betriebsbereiche abzustoßen. 1977 wurde die Fluggesellschaft Air Canada als eigenständige Crown Corporation ausgegliedert. Im gleichen Jahr folgten die Fähraktivitäten, die in die Crown Corporation CN Marine ausgelagert wurden. Ein Jahr später wurde der Schienenpersonenverkehr der CN zusammen mit den entsprechenden Leistungen der CPR in eine separate, in Anlehnung an Amtrak eingerichtete Crown Corporation namens VIA Rail überführt. Die Aktivitäten in Neufundland wurden in der Tochtergesellschaft Terra Transport konzentriert, um die hierfür bezogenen Bundeszuschüsse besser darstellen zu können. Weiterhin erfolgte der Verkauf der Lkw-Flotte, einer Hotelkette, von Grundbesitz und der Telekommunikationsunternehmen. Anfang der 1990er Jahre wurde auch der heute noch unter seinem originalen Namen bekannte CN Tower in Toronto verkauft. Mit den Einnahmen aus der Veräußerung der bis zu diesem Zeitpunkt ständig defizitären Sparten konnte der Schuldenstand der CN verringert werden.

Durch den Verkauf oder die Stilllegung vieler Nebenstrecken, die aufgrund staatlicher Forderungen errichtet worden waren oder während des Booms der 1920er und 1930er Jahre für den Getreidetransport entstanden und durch den Bau des Straßennetzes überflüssig geworden waren, konnte die wirtschaftliche Situation ebenfalls verbessert werden. In der Zeit ab Ende der 1970- bis Anfang der 1990er Jahre wurden tausende Streckenkilometer stillgelegt. So erfolgte 1988 auch die Einstellung des Betriebs der Tochter Terra Transport (Streckennetze in Neufundland und auf Prince Edward Island). Von den Stilllegungen waren alle ländlichen Gebiete Kanadas betroffen, wodurch in diesen Gebieten Stimmen gegen die Bahngesellschaft und die Bundesregierung laut wurden. Viele der Strecken wurden durch die Kommunen und Provinzregierungen inzwischen in Erholungswege umgestaltet.

Privatisierung Ende der 80er Jahre bestand das Bahnnetz der CN aus dem umfangreichen Stammnetz in Kanada sowie Tochterunternehmen in den Vereinigten Staaten: Grand Trunk Western Railroad (GTW) in Michigan, Indiana und Illinois; Detroit, Toledo and Ironton Railroad (DTI) in Michigan und Ohio; Duluth, Winnipeg and Pacific Railway (DWP) in Minnesota; Central Vermont Railway (CV) entlang des Connecticut River von Québec zum Long Island Sound; und eine frühere Grand-Trunk-Strecke nach Portland (Maine) (auch als Grand Trunk Eastern bezeichnet).

Ab 1992 begann man sich intensiv auf die geplante Privatisierung vorzubereiten, unter anderem mit Produktivitätssteigerungen. Dies erfolgte vor allem durch umfangreiche Einschnitte in die ineffiziente Führungsstruktur, Abbau von Personal und die Stilllegung oder den Verkauf von Nebenstrecken. In den Jahren 1993 und 1994 versuchte man zeitweise die verschiedenen Namen CN, Grand Trunk Western und Duluth, Winnipeg and Pacific unter der gemeinsamen Bezeichnung „CN North America“ zu vermarkten. In dieser Zeit kam es auch zu Fusionsgesprächen mit der Canadian Pacific, die aber seitens der Bundesregierung abgebrochen wurden. Später bot die CPR den Erwerb des östlichen Streckennetzes von Ontario bis Nova Scotia an, da Gerüchte existierten, dass eine Eisenbahngesellschaft der Vereinigten Staaten die Strecken in Westkanada erwerben wollte, aber auch das wurde abgelehnt. Ab 1995 erfolgte die konsequente Vermarktung des gesamten Konzerns unter der einheitlichen Bezeichnung CN.

Mit dem CN Commercialization Act vom 13. Juli 1995 und 28. November 1995 wurde das gesamte Unternehmen an die Börse gebracht (Initial Public Offering) und alle Aktien an private Investoren veräußert. Das Gesetz enthält zwei wichtige Punkte: Zum einen darf keine Person oder Unternehmen mehr als 15 % des Unternehmens besitzen. Zudem muss das Hauptquartier in Montreal verbleiben, wodurch CN ein kanadisches Unternehmen bleibt.

Erwerb der Illinois Central Nach dem Börsengang folgte ein beeindruckender Kursgewinn der Aktien. Am 11. Februar 1998, während der Hochzeit der Fusionswelle der US-Eisenbahnindustrie, erwarb die CN die Illinois Central Railroad (IC) für 2,4 Milliarden Dollar und erweiterte ihr Streckennetz damit um 4250 km. Seither besitzt die Gesellschaft auch eine Verbindung von Chicago nach New Orleans. Gleichzeitig entstand damit aus der ehemaligen vollständig in Kanada gelegenen Ost-West-Bahn eine Nord-Süd-Bahn. Die CN wurde damit zu einem der wichtigsten Transporteure von kanadischen Rohstoffen in die Vereinigten Staaten und, durch eine strategische Allianz mit der Kansas City Southern, auch nach Mexiko.

Gescheiterte Fusion mit der BNSF 1999 gaben die CN und die Burlington Northern and Santa Fe Railway die geplante Fusion ihrer Unternehmen zu „North American Railways“ mit dem Sitz in Montreal bekannt. Die Ankündigung wurde von der US-amerikanischen Regulierungsbehörde Surface Transportation Board sowie den konkurrierenden Unternehmen Union Pacific und Canadian Pacific mit großem Argwohn aufgenommen.

Auch die Kunden der zukünftigen Gesellschaft befürchteten eine Verschlechterung des Services. Dies vor allem aufgrund der negativen Erfahrungen infolge der Fusion der Southern Pacific und der Union Pacific. Auf Druck der Eisenbahnindustrie, Kunden sowie der Politik erließ die STB ein 15-monatiges Moratorium über die Genehmigung von Fusionen. Die beiden Bahngesellschaften beendeten daraufhin ihre Fusionsgespräche und nahmen sie bisher nicht wieder auf.

Erwerb der Wisconsin Central