Der Jäger und seine Gläubiger ist ein Märchen der Ibo aus Nigeria.Ulla Schild (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Westafrikanische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1975, S. 67–69, 289.

Handlung Im Busch von Calabar lebt ein Mann namens Effiong, der ein großer Jäger ist. Er verdient viel Geld, gibt es jedoch schnell wieder aus, sodass er eines Tages arm ist. Da ihn sein Jagdglück verlassen hatte, leiht er sich von seinem Freund und Nachbarn Okun zweihundert Muschelschnüre, doch er weis nicht, wie er am vereinbarten Tag der Rückzahlung das Geld aufbringen soll. Daraufhin ersinnt er einen Plan und leiht sich je zweihundert Muschelschnüre von seinen Freunden dem Hahn, der Wildkatze, der Ziege und dem Leoparden und sagt ihnen, dass sie dafür alles, was sie bei ihm zu Hause vorfinden würden fressen dürfen.

Am Tag der vereinbarten Rückzahlung all seiner Schulden streut Effiong dann Maiskörner auf dem Boden seines Hauses aus. Der Hahn findet diese und pickt sie auf, jedoch kommt kurz darauf die Wildkatze vorbei und frisst den Hahn. Da erreicht die Ziege das Haus des Effiong und da sie, ob dessen Schulden, übel gelaunt ist, greift sie die Wildkatze an, die daraufhin flüchtet und somit ihren Anspruch auf das Geld verliert. Der Leopard aber fällt bei seinem Eintreffen über die Ziege her und macht ihr den Garaus. Als Okun diesen dann entdeckt, nimmt er sein Gewehr und erschießt ihn, woraufhin Effiong erscheint und Okun vorwirft seinen Freund getötet zu haben. Er droht damit es dem König mitzuteilen, woraufhin Okun Angst bekommt und zum Ausgleich auf die Rückzahlung der Schulden verzichtet, sodass Effiong alle seine Gläubiger losgeworden ist.

Dem Leoparden zieht Effiong anschließend das Fell ab, wofür er gutes Geld bekommt. Die Wildkatze aber tötet seither jeden Hahn, den sie sieht, da sie dies als Teil der Rückzahlung betrachtet.

Hintergrund Das Märchen stammt aus Elphinstone Dayrells Folk Stories from Southern Nigeria, West Africa (London 1910, S. 6 ff.) und erhielt in Ulla Schilds Die Märchen der Weltliteratur – Westafrikanische Märchen (Düsseldorf / Köln 1975) den Titel Der Jäger und seine Gläubiger. Eine Variante, in der die Schildkröte andere Tiere betrügt, findet sich in Samuel Amos’ Tortoise in Legend (African Arts IV, 1970, S. 33). Eine weitere Variante ist in Henry Cobhams Animal-Stories from Calabar (Journal of the African Societey 4, 1904/1905, S. 307 f.) abgedruckt. Die auf Raffiaschnüren (Bastschnüren) aufgezogenen Kaurimuscheln fungierten als Währung. Nach Stith Thompsons Motif-Index of Folk-Literature (6 Bände, Kopenhagen 1955–1958) wurde das Märchen dem Motiv K 234: Betrüger hetzt Gläubiger aufeinander; töten sich zugeordnet.

Literatur Ulla Schild (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Westafrikanische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1975, S. 67–69, 289.

Einzelnachweise

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