mini|hochkant=1.3|Villa Krügel (2020) Die Villa Krügel (auch Villa Offermann) ist ein großbürgerliches Wohngebäude im Stil der Neorenaissance vom Ende des 19. Jahrhunderts im Leipziger Ortsteil Zentrum-West. Später beherbergte es die Musikbibliothek Leipzig und heute die Sächsische Landesmedienanstalt. Es steht zusammen mit dem Garten und der Einfriedung unter Denkmalschutz.

Lage und Beschreibung Die Villa Krügel hat die Adresse Ferdinand-Lassalle-Straße 21 im sogenannten Bachviertel. Die Ferdinand-Lassalle-Straße begrenzt den Clara-Zetkin-Park und ist deshalb nur einseitig bebaut. Die Villa steht auf dem 1680 m² großen Grundstück 25 Meter von der Straße entfernt.gemessen mit Stadtplan Leipzig

Das zweigeschossige Gebäude mit hohem Sockelgeschoss besitzt einen unregelmäßigen Grundriss von 514 m². Die zur Straße weisende Schmalseite des Hauses besitzt an der westlichen Ecke einen diagonal angesetztes Eckturm mit Laterne und Haube sowie nach der Ostseite einen Schmuckgiebel. Zwischen Turm und Giebel erstreckt sich über dem Erdgeschoss eine Terrasse sowie eine weitere vom Garten zugängliche vor dem Erdgeschoss. Das Dachgeschoss unter dem Mansarddach ist ausgebaut.

Geschichte 1880 erwarb der aus Freiburg im Breisgau stammende Kaufmann und Fabrikant Friedrich Krügel das Grundstück Bismarckstraße 21 (ab 1945 Ferdinand-Lasalle-Straße) und ließ sich ab 1883 vom Leipziger Architekten Karl Weichardt (1846–1906) eine Villa errichten, die er 1885 mit seiner Frau Johanna bezog. Bereits 1889 verkaufte Krügel das Anwesen an den Direktor der Leipziger Wollkämmerei Leopold Offermann (1837–1919). Dieser beauftragte die Architekten Karl Weichardt und Bruno Eelbo (1853–1917) mit der baulichen Erweiterung der Villa. Diese erfolgte nach der der Straße abgewandten Seite, wobei auch ein Saal für private Veranstaltungen entstand, denn die Offermanns führten nach ihrem Einzug 1891 bis zum Tod Offermanns 1919 ein offenes Haus, in dem auch Konzerte stattfanden. In dieser Zeit bürgerte sich auch der Name Villa Offermann für das Haus ein. 1919 verkaufte die Witwe Offermann die Villa an den Justizrat Max Engel, der bereits seit 1906 mit seiner Frau das Parterre des Hauses bewohnte. Ab 1929 gehörte die Villa gleichzeitig den beiden Verlagsbuchhändlern Friedrich Maack und Karl Meyer, die aber nie in der nun vollständig vermieteten Villa wohnten.

Im Jahr 1941 ging die Villa in den Besitz der Stadt über, die sie zusammen mit den benachbarten Villen Gebhardt und Najork für das neu gegründete Musische Gymnasium nutzte. Wegen der Bombenangriffe wurde das Gymnasium 1944 nach Nossen verlegt und nach dem Krieg aufgelöst. Während des Krieges erlitt die Villa nur unwesentliche Schäden und wurde nach dem Krieg von verschiedenen Organisationen zumeist kurzzeitig genutzt, so durch den FDGB, die Stadtleitung der FDJ und die Stadtverwaltung der SED. 1953 wurden die 1856 gegründete Musiksammlung Peters, die 1914 eröffnete Städtische Musikbücherei und die Musikabteilung der Stadtbibliothek Leipzig zusammengeschlossen. Diese neue Musikbibliothek erhielt als Sitz die Krügel-Villa. Nach einer Sanierung für 30.000 Mark nahm die Musikbibliothek im Mai 1954 für 37 Jahre in der Villa ihren Betrieb auf, was dazu führte, dass viele Leipziger das Haus nur als Musikbibliothek kennen. 1991 zog sie in das nunmehrige Gebäude der Stadtbibliothek im Alten Grassimuseum am Wilhelm-Leuschner-Platz, der sie bereits seit 1973 organisatorisch zugehörte.

1996 wurde die Projekt-Entwicklungsgesellschaft Unifinanz neuer Eigentümer, wurde aber im Jahr 2000 während der Restaurierung der Villa zahlungsunfähig und gab das Vorhaben auf. 2001 ersteigerten die Projektentwickler JUS AG und Megaron Bauprojekt GmbH das Objekt und begannen mit der Gebäudesicherung. Noch im Dezember des gleichen Jahres verkauften diese die Villa an die Sächsische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (heute Sächsische Landesmedienanstalt). Deren Umzug von Dresden nach der Medienstadt Leipzig war vom Sächsischen Landtag bereits 1998 beschlossen worden. Der Umzug erfolgte im Januar 2004.Katharina Junghans: Villa Offermann, S. 82

Literatur Katharina Junghans: Villa Offermann – die wechselvolle Geschichte eines bürgerlichen Hauses. Sächsische Landesmedienanstalt, Leipzig 2014 (Digitalisat)

Weblinks

Einzelnachweise

Krugel Villa Krugel Villa Krugel Kategorie:Bauwerk von Karl Weichardt Kategorie:Bauwerk von Bruno Eelbo Villa Krugel Kategorie:Erbaut 1885