Bei der NMBS/SNCB-Reihe AM 30 handelt es sich um zukünftige Triebzüge der Belgischen Staatsbahn (NMBS/SNCB) aus der Plattform Civity des Herstellers CAF. Es wurden Triebzüge in drei verschiedenen Konfigurationen fest bestellt, die ab 2030 im Personenverkehr auf IC-, L- und S-Linien in Belgien zum Einsatz kommen sollen. Es handelt sich um drei- und vierteilige teilweise doppelstöckige Elektrotriebzüge sowie einstöckige dreiteilige Batterietriebzüge.
Geschichte Ende 2022 veröffentlichte die SNCB eine Ausschreibung für einen zwölfjährigen Rahmenvertrag zum Abruf von bis zu 600 Triebzügen mit bis zu 170.000 Sitzplätzen im europäischen Amtsblatt. Diese sollen als Baureihe AM 30 geführt werden und teilweise auch batterieelektrisch ausgeführt sein. Aus Rentabilitäts- und Standardisierungsgründen bestand die SNCB in der Ausschreibung für alle Einsatzfälle auf eine Fahrzeugplattform. Mit einem Volumen von insgesamt 3,4 Milliarden Euro galt der Rahmenvertrag zum Zeitpunkt der Vergabe als größter, den die SNCB bisher ausgeschrieben hat.
Im März 2025 wurde CAF als bevorzugter Lieferant durch die SNCB in dem Verfahren ausgewählt. Dabei handelt es sich um Fahrzeuge vom Typ CAF Civity Duo und Civity BEMU. Die Konkurrenten Alstom und Siemens hatten Beschwerde gegen die Vergabe eingereicht. Eine der Beschwerden wurde angenommen und führte zu einer Neubewertung der Angebote mit mehr Transparenz. Im Juli 2025 wurde durch den Verwaltungsrat der SNCB beschlossen, die Vergabe an CAF fortzuführen. Alstom hatte zwar preislich das bessere Angebot abgegeben, lag allerdings durch technische und vertragliche Bewertungsparameter hinter CAF. Für Diskussionen sorgte weiterhin die Gefährdung des Alstom-Standortes in Brügge. Durch europäische Wettbewerbsvorschriften war es der SNCB allerdings nicht möglich, diesen Produktionsstandort zu bevorzugen. CAF möchte lokale Subunternehmen in den Auftrag einbeziehen und das Alstom-Werk in Brügge am Bau der Fahrzeuge beteiligen.https://www.standaard.be/economie/nmbs-bestuur-kiest-dan-toch-voor-nieuwe-treinstellen-van-spaanse-constructeur-caf/79428109.html CAF bezeichnet den Auftrag als größten, den es in seiner bisherigen Firmengeschichte gewinnen konnte.
Im August 2025 hatte Alstom wiederholt versucht die Vergabe anzugreifen. Der belgische Staatsrat wies die Klagen im September 2025 ab. Siemens hatte sich in der Ausschreibung mit seiner Plattform Desiro beworben, aus der die SNCB bereits Fahrzeuge als Reihe AM 08 einsetzt. Ein weiterer Bieter in dem Verfahren war die Firma Stadler Rail, der keine Beschwerde gegen die Vergabe einlegte. Im August 2025 hatten mehrere Nichtregierungsorganisationen versucht, den Ausschluss des Unternehmens CAF von der Vergabe zu beantragen, da das Unternehmen am Bau der Stadtbahn Jerusalem beteiligt ist, die durch illegal besetzte palästinische Gebiete führt.
Im Dezember 2025 wurde der Rahmenvertrag zwischen CAF und SNCB abgeschlossen. Dabei wurden 180 Triebzüge im Wert von 1,7 Milliarden Euro fest bestellt, davon 136 vierteilige Civity Duo mit zwei Doppelstockwagen und hochwertiger Intercity-Ausstattung, 20 dreiteilige Civity Duo mit einem Doppelstockwagen und 24 Civity BEMU als batterieelektrische Variante. Weitere 380 Triebzüge können über Optionen abgerufen werden. Die Beschaffung der Batteriezüge soll dazu führen, dass die SNCB keine Dieselfahrzeuge im Personenverkehr mehr einsetzen muss.
Der ursprüngliche Zeitplan sah vor, dass ab 2025 der Entwicklungsprozess für die Fahrzeuge startet und im zweiten Quartal 2027 ein erster Prototyp fertig gestellt werden soll. In den Jahren 2028 und 2029 sollen die Typentests an den Fahrzeugen durchgeführt werden, um die Typengenehmigung zu erhalten. Die schrittweise Inbetriebnahme der ersten Fahrzeuge ist ab dem zweiten Quartal 2029 geplant, sodass ab 2030 der Fahrgasteinsatz starten kann. Es wird eine mehrmonatige Verzögerung des Zeitplans durch die Einsprüche des Konkurrenten Alstom erwartet.
Varianten Durch das Lastenheft der Ausschreibung ist vorgegeben, dass die Fahrzeuge an beiden Fahrzeugenden über jeweils einstöckige Endwagen verfügen müssen, die sich in den verschiedenen Varianten nur durch die Innenausstattung unterscheiden. Diese Endwagen enthalten Mehrzweckbereiche für Fahrgäste mit Rollstühlen, Fahrrädern, Kinderwagen oder Gepäck. Es muss Rollstuhlfahrern ein eigenständiger Zugang zu dem Fahrzeug an Bahnsteigen mit 76 cm Höhe ermöglicht werden. Einstiege an einstöckigen Wagen sind barrierefrei für Bahnsteige mit 76 cm Höhe auszuführen. Der Einstieg muss von Bahnsteigen ab 28 cm Höhe möglich sein. Jedes Fahrzeug soll über acht Fahrradstellplätze verfügen. Die beiden Endwagen müssen je nach Variante mit verschiedenen Mittelwagen kombiniert werden. Dies sind ein bis zwei Doppelstockmittelwagen oder in der batterieelektrischen Variante ein einstöckiger Mittelwagen. In der dreiteiligen Ausführung sollen die Fahrzeuge eine Nennlänge von 80 m aufweisen.
Neben dem bereits vollständig in Belgien verbauten ETCS sollen die Fahrzeuge auch mit dem zu vor verwendeten Zugsicherungssystem TBL1+ ausgestattet sein. Die Höchstgeschwindigkeit soll unter Oberleitung bei 160 km/h und im Batteriebetrieb bei 120 km/h liegen. Die Fahrzeuge werden nur über eine Ausrüstung zum Betrieb unter Stromsystemen mit einer Spannung von 3 kV verfügen, wodurch der Einsatz unter 25 kV in der Provinz Luxemburg und auf Schnellfahrstrecken ausgeschlossen ist. Die batterieelektrischen Fahrzeuge können auch unter 1,5 kV zu Grenzbahnhöfen im niederländischen Netz fahren sowie per Batterie zu Grenzbahnhöfen in Frankreich und Deutschland.
vierteilige Civity Duo136 Fahrzeuge bestehen aus zwei einstöckigen Endwagen mit zwei doppelstöckigen Mittelwagen. Die Fahrzeuge besitzen hochwertige Sitze und sollen im IC-Verkehr in Belgien eingesetzt werden.
dreiteilige Civity Duo20 Fahrzeuge bestehen aus zwei einstöckigen Endwagen mit einem doppelstöckigen Mittelwagen. Die Fahrzeuge erhalten eine einfache Bestuhlung und sollen auf Vorort- und Nahverkehrslinien (S/L) in Belgien eingesetzt werden.
dreiteilige Civity BEMU24 Fahrzeuge vollständig einstöckige Fahrzeuge bestehen aus zwei Endwagen und einem Mittelwagen. Die Fahrzeuge erhalten Batterien zum Einsatz auf nicht elektrifizierten Strecken und sollen auf Vorort- und Nahverkehrslinien (S/L) in Belgien eingesetzt werden.
Durch die Fahrzeuge sollen die Baureihen AM 75, AM 80 und AM 86 sowie die M5-Wagen abgelöst werden. Außerdem wurden dreiteilige batterieelektrische Fahrzeuge bestellt, mit denen die Dieseltriebzüge der Reihe AR 41 abgelöst werden. Die Auslieferung soll zwischen 2030 und 2033 erfolgen. Durch die Rahmenvereinbarung können bis 2038 380 zusätzliche Fahrzeuge zum Ausbau des Angebotes abgerufen werden.
Einzelnachweise
AM 30 Kategorie:Elektrotriebwagen für Gleichstrom 3000 V Kategorie:Schienenfahrzeug (CAF)