Das Filmfest München (Eigenschreibweise: FILMFEST MÜNCHEN) ist das nach der Berlinale wohl bedeutendste Filmfestival in Deutschland. Es findet jährlich Ende Juni in München statt und ist damit Deutschlands bedeutendstes Sommer-Filmfestival. Es stellt Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme sowie Fernsehfilme in internationaler, europäischer oder deutscher Erstaufführung vor. Die 42. Ausgabe fand vom 27. Juni bis 6. Juli 2025 statt und das Filmfest München 2026 vom 26. Juni bis zum 5. Juli 2026.

mini|Das Kulturzentrum Gasteig – Presse- und Gästezentrum des Filmfests München mini|Litfaßsäule mit Plakatierung für das Filmfest München 2010

Allgemeines Mit mehr als 180 Filmen auf über 18 Leinwänden und etwa 80.000 Besuchern ist es vor allem ein Publikumsfestival. Zugleich dient es Filmjournalisten und Fachbesuchern als Treffpunkt der Filmbranche. Es ist das nach der Berlinale wohl bedeutendste Filmfestival in Deutschland.

mini|Das RIO-Kino (2019) Das Filmfest dauert zehn Tage. Nach der Eröffnungsveranstaltung in der Isarphilharmonie Gasteig HP8 (in früheren Jahren im Mathäser-Filmpalast) spielt sich das Festival an zentralen Veranstaltungsorten in ganz München ab. 2022 wurde das Festival erstmals in der neuen Isarphilharmonie eröffnet. Neben dem Filmmuseum München, Gloria Palast, Theatiner Filmkunst, den City Kinos und dem RIO Filmpalast in der Innenstadt Münchens zieht sich der Festivalbereich mit der Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF), dem ARRI-Kino und dem Amerikahaus bis nach Schwabing. Das Presse- und Gästezentrum des Filmfests München war viele Jahre im Gasteig und ist 2022 ins Amerikahaus umgezogen. Veranstalter des Festivals ist die Internationale Münchner Filmwochen GmbH, die auch das jährlich im Herbst stattfindende FOFS - Festival of Future Storytellers (vormals Filmschoolfest Munich, Internationales Festival der Filmhochschulen) veranstaltet. Gesellschafter sind der Freistaat Bayern, die Landeshauptstadt München, die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) und der Bayerische Rundfunk.

Das Leitungsduo aus Christoph Gröner, Geschäftsführer und Festivalleiter und Julia Weigl künstlerische Leiterin, ist bis 2030 im Amt.

Geschichte Das Filmfest München wurde 1983 zum ersten Mal veranstaltet. Eberhard Hauff, Bruder des Regisseurs Reinhard Hauff, leitete das Festival bis 2003. Ihm folgte Andreas Ströhl. Nach der 29. Ausgabe des Festivals im Jahr 2011 übernahm Diana Iljine die Leitung, die sie bis 2023 innehielt.merkur-online.de oder Seit 2023 ist Christoph Gröner Festivaldirektor, Julia Weigl ist die Künstlerische Leiterin. Beide wurden 2025 in ihren Ämtern für die kommenden fünf Jahre bestätigt.

Das Filmfest München ist nach der Berlinale das nach der Besucherzahl zweitgrößte internationale Filmfestival in Deutschland. Im Jahr 2015 wurde mit rund 81.000 Eintrittskarten ein Besucherrekord aufgestellt, der auch weiterhin gehalten wird.Besucher-Rekord. In: Süddeutsche Zeitung. Abgerufen am 6. Juli 2015. Jährlich sind beim Filmfest München über 2.500 deutsche und internationale Medienprofessionals aus der Film-, Fernseh- und Videobranche sowie mehr als 600 Journalisten akkreditiert.

Das für 2020 geplante Filmfest wurde aufgrund der COVID-19-Pandemie abgesagt. Von 15. Juli bis Ende August 2020 fand stattdessen das Filmfest München Pop-up im Autokino statt, mit je einer Premiere pro Woche, darunter In Berlin wächst kein Orangenbaum, Faking Bullshit und Hello Again – Ein Tag für immer. Das 39. Filmfest München fand vom 23. Juni bis 2. Juli 2022 statt.

Die 40. Ausgabe des Festivals 2023 fand vom 23. Juni bis 1. Juli 2023 statt. Im Oktober 2023 wurde Christoph Gröner der neue Festivalleiter.

Reihen Das Filmfest bietet ein offenes Programm – von großen Premieren bis zum No-Budget-Underground, vom engagierten Spielfilm bis zur aktuellen politischen Dokumentation. Ein besonderer Schwerpunkt ist traditionell die Förderung junger Talente aus aller Welt. Besonderen Wert legt München dabei auch auf die deutschen Filmemacher. Neben den traditionellen Reihen des Festivalprogramms werden auch immer wieder neue thematische oder regionale Schwerpunkte gesetzt. Nach einer Neugestaltung der Reihen im Jahr 2012 sind die aktuellen Reihen des Filmfests München:

Wettbewerb CineMasters CineMasters ist der Wettbewerb um den besten internationalen Film. Eine Auswahl von internationalen Produktionen konkurriert um den CineMasters Award, der von einer international besetzten Jury aus drei Personen vergeben wird.

Wettbewerb CineCoPro CineCoPro ist der Wettbewerb um die beste internationale Koproduktion mit deutscher Beteiligung. Eine international besetzte dreiköpfige Jury entscheidet darüber, welche deutschen Koproduzenten den CineCoPro Award für ihre Arbeit an internationalen Koproduktionen erhalten. Dieser Preis ist mit 100.000 Euro der höchstdotierte Preis des Festivals.

Wettbewerb CineVision CineVision ist der Wettbewerb um die Auszeichnung als bester internationaler Nachwuchsfilm. Internationale Regie-Talente konkurrieren in der Reihe mit ihren Debütfilmen um den CineVision Award. Eine dreiköpfige Experten-Jury kürt den Gewinner.

Wettbewerb CineRebels CineRebels ist der Wettbewerb für Produktionen beliebiger Herkunft, die die ausgetretenen Pfade des Üblichen verlassen. Sie sind überraschend, experimentell oder radikal und gegen den Mainstream angelegt.

Spotlight In der Reihe Spotlight werden seit 2012 Starkino und Filme mit großen Namen vor oder hinter der Kamera gezeigt. Von manchen Zeitungen wurde diese neue Reihe als Manifestation eines Strebens nach mehr Glanz und Glamour interpretiert.

International Independents In der Reihe International Independents gibt das Festival seit 2012 seinem Publikum die Gelegenheit, abseits des Mainstreams auf die Kinowelt zu schauen. Politische Stoffe, Indie-Komödien und andere cinephile Einzelstücke aus aller Welt sind zu sehen. In dieser Reihe gingen die American Independents auf, die jahrelang vielen US-Indie-Regisseuren ihre erste internationale Plattform boten – darunter Steven Soderbergh (Schizopolis), Jonathan Demme (Stop Making Sense), Ethan und Joel Coen (Blood Simple – Eine mörderische Nacht), Allison Anders (Border Radio), Tom DiCillo (Living in Oblivion) und Richard Linklater (Slacker) – und so zu einem Aushängeschild des Filmfests München geworden waren. Ziel war, der zunehmenden Globalisierung in der Filmbranche Rechnung zu tragen und den Produktions-Stil, nicht das -land ins Zentrum der Betrachtung zu rücken.

Neues Deutsches Kino mini|Filmteam Die Hände meiner Mutter bei der Uraufführung/Weltpremiere beim Filmfest München, Juni 2016. Zweiter von rechts: Regisseur Florian Eichinger

In der Reihe Neues Deutsches Kino werden ausschließlich Kinofilme in deutscher Erstaufführung gezeigt. Deutsche Regisseure wie Florian Eichinger (Die Hände meiner Mutter), Sönke Wortmann (Allein unter Frauen), Rainer Kaufmann (Stadtgespräch), Oskar Roehler (Silvester Countdown) und Marcus H. Rosenmüller (Wer früher stirbt ist länger tot) präsentierten hier ihre Filme zum ersten Mal. Auch die Oscar-nominierten Filme Jenseits der Stille von Caroline Link und Die Geschichte vom weinenden Kamel von Byambasuren Davaa und Luigi Falorni hatten ihre Uraufführung in der Reihe. Verliehen wird in dieser Reihe der Förderpreis Neues Deutsches Kino.

Neues Deutsches Fernsehen Uraufführungen ausgewählter Fernsehfilme und Streamingformate werden in der Reihe Neues Deutsches Fernsehen gezeigt. Serien und Fernseh-Spielfilme des kommenden Jahres sind hier auf der Leinwand, bevor sie im Fernsehen oder bei Streaminganbietern verfügbar sind.

Die Reihe ist 2000 aus der internationalen TV-Reihe Top TV hervorgegangen. Gezeigt wurden unter anderem Filme von Rainer Kaufmann (Blaubeerblau, Föhnlage. Ein Alpenkrimi), Tim Trachte (Davon willst du nichts wissen), Michael Verhoeven (Let’s Go!) und Dominik Graf (Polizeiruf 110 – Cassandras Warnung).

Der Bernd Burgemeister Fernsehpreis wird dem Produzenten des besten Fernsehfilms aus der Reihe Neues Deutsches Fernsehen verliehen. Entschieden wird von einer dreiköpfigen Jury. Der Preis wird gestiftet von der VFF Verwertungsgesellschaft der Film- und Fernsehproduzenten mbH und ist mit 25.000 Euro dotiert. Erstmals wurde der Preis 1996 verliehen. Seitdem konnten unter anderem Oliver Berben (2009, DER VERLORENE SOHN), David Evans (1998, OUR BOY) und Günter Rohrbach (2007, TEUFELSBRATEN) die Jury für sich gewinnen.

Seit dem Jahr 2022 wird ein zweiter Bernd Burgemeister Fernsehpreis an die beste Serie aus der Reihe Neues Deutsches Fernsehen verliehen. Auch dieser ist mit 25.000 Euro dotiert und wird von der VFF Verwertungsgesellschaft der Film- und Fernsehproduzenten gestiftet.

Wettbewerb CineKindl Der Wettbewerb CineKindl bietet intelligente Unterhaltung. Er zeigt unterschiedliche filmische Genres und Themen, die sich an alle Altersgruppen ab 5 Jahre wenden.

Ehrungen Die Reihe Ehrungen vereint alle Filme, mit denen das Festival das Werk einzelner Künstler besonders hervorhebt. Hier findet man auch neue Dokumentarfilme, die sich dem Kino und seinen Machern widmen. Auch die vormals eigene Reihe Retrospektive wird seit 2012 als Bestandteil der Reihe Hommage weitergeführt. Zu den Hommagen bekannter Regisseure und Filmschaffender gehörten Sergio Leone (1986), Im Kwon-taek (1990), Lars von Trier (1991), Hal Hartley (1992), Nagisa Ōshima (1992), Stanley Donen (1992), Nanni Moretti (1994), Michael Haneke (1994, 2009), Nelson Pereira (1995), Nicolas Roeg (1995), Robert Wise (1996), Ron Bass (1996), Roman Polański (1999), Miloš Forman (2000), Aki & Mika Kaurismäki (2004), Alan Parker (2004), Barry Levinson (2006), Mike Figgis (2006), Richard Linklater (2007), Werner Herzog (2007), Herbert Achternbusch und Julie Christie (jeweils 2008), Stephen Frears (2009), Ulrich Seidl (2010), Roy Andersson und John Malkovich (jeweils 2011), Melanie Griffith (2012),. Alejandro Jodorowsky (2013), Walter Hill, Klaus Lemke, Willy Bogner und Udo Kier (alle 2014), Alexander Payne, Jean-Jacques Annaud und Rupert Everett (alle 2015), Christian Petzold, Bahman Ghobadi und Ellen Burstyn (alle 2016), Reinhard Hauff, Bryan Cranston und Sofia Coppola (alle 2017), Emma Thompson, Terry Gilliam, Lucrecia Martel und Philip Gröning (alle 2018), Antonio Banderas, Ralph Fiennes, Mads Brügger und Joon-ho Bong (alle 2019), Doris Dörrie und Alba Rohrwacher.. Pressemitteilung vom 27. Mai 2019, abgerufen am 30. Mai 2019.

Kinderfilmfest Das Kinderfilmfest ist eine Sektion des Filmfest München, die die Bezeichnung CineKindl trägt. Gezeigt werden Spielfilme und Kurzfilme, nach Möglichkeit auch Dokumentarfilme für Kinder ab vier Jahren. Es wird ein Kinderfilm-Publikumspreis und seit 2022 auch der CineKindl an den besten Film des Kinderfilmfests verliehen.

Open Air mini|Open-Air-Vorstellung von Rossini am Gasteig (2019)

Nachdem das Festival 2021 pandemiebedingt an vielen Spielstätten als Open-Air-Festival stattgefunden hatte, wird die Kooperation mit dem Kino, Mond und Sterne seit 2022 fortgesetzt. Dort läuft jeden Abend ein Festivalfilm unter freiem Himmel.

Die Reihen Internationales Programm (mit Regisseuren wie Lars von Trier, Quentin Tarantino, Stephen Frears oder Danny Boyle), Nouveau Cinéma Français (mit Filmen der ursprünglichen Nouvelle-Vague-Regisseure (Godard, Chabrol, Rivette, Rohmer) sowie von deren Nachfolgern (unter anderem Tavernier, Chéreau, Leconte, Desplechin); Autorenfilmen junger, noch unbekannter Regisseure; aber auch Beispielen des Polar, des französischen Polizei- und Gangsterfilms), Visiones Latinas (mit Regisseuren wie Pablo Trapero, Lucrecia Martel und Carlos Reygadas) und Fokus Fernost (mit Filmen von Apichatpong Weerasethakul, Brillante Mendoza, Joon-ho Bong) gingen von 2012 an in den neu geschaffenen, oben aufgeführten Reihen auf.

Veranstaltungen

Begegnung Filmfest