Die Kastelle am Limberg bei Sasbach waren zwei römische Militärlager der Frühen Kaiserzeit auf dem Gebiet der baden-württembergischen Gemeinde Sasbach am Kaiserstuhl im Landkreis Emmendingen.
Lage und Forschungsgeschichte Die Fundstellen befinden sich am Limberg, einem nordwestlich von Sasbach gelegenen, 272 m NHN hohen Berg vulkanischen Ursprungs mit langgestrecktem Plateau unmittelbar am Rhein, der zum Kaiserstuhlmassiv gehört. Der Höhenunterschied zwischen dem Berg und der umgebenden Oberrheinischen Tiefebene beträgt knapp 100 Meter. Der Limberg ist – möglicherweise bedingt durch die Anwehungen fruchtbaren Lössbodens und die verkehrsgünstige Lage – schon seit der Jungsteinzeit besiedelt. Eine Befestigungsanlage der Michelsberger Kultur wurde im Süden des Plateaus, eine rund sieben Hektar große, befestigte Siedlung, ein mutmaßliches keltisches Oppidum aus der Hallstatt- und Latènezeit an seinem nördlichen Rand festgestellt.Gerhard Fingerlin: Ein neues römisches Lager am Oberrhein. Vorbericht über die Grabungen 1971-1972 in Sasbach. In: Dorothea Haupt, Heinz Günter Horn (Red.): Studien zu den Militärgrenzen Roms II. Vorträge des 10. Internationalen Limeskongresses in der Germania Inferior. Rheinland-Verlag, Köln 1977, ISBN 3-7927-0270-3, S. 131–138.
Die Entdeckung und bislang infolge mangelnder weiterer Bedrohung zurückhaltende archäologische Untersuchung der römischen Befunde begann im Winter 1971/1972 im Rahmen einer großflächigen Rebflurbereinigung, bei der jedoch der größte Teil des Versorgungslagerareals abgetragen wurde.
Archäologische Befunde Die römischen Befunde am Limberg werden als ein mögliches Versorgungslager auf dem Plateau und ein potentielles Legionslager am östlichen Fuß des Berges angesprochen.
Versorgungslager (?) Vom Versorgungslager ist nur noch das östliche Drittel unter alten Rebstöcken erhalten. Bei den Untersuchungen der Jahre 1971/1972 war es jedoch vor der Zerstörung der übrigen zwei Drittel gelungen, den Verlauf und die Struktur der im Wesentlichen oval verlaufenden, im Norden und Osten mit halbkreisförmigen Ausbuchtungen versehenen Lagerumwehrung weitestgehend zu klären. An seiner Nordseite überschneidet das Lager das keltische Oppidum. Die Positionierung war geschickt gewählt, reichte der Blick doch bei günstigen Witterungsbedingungen bis zum Legionslager Argentorate (Straßburg). Die Umwehrung umfasst eine rund 120 m mal 250 m messendes, rund drei Hektar bedeckende Fläche, die sich von Nordnorosten nach Südsüdwesten erstreckte. Als Annäherungshindernis diente ein 4,5 m breiter und 2,5 m tiefer Spitzgraben, hinter dem sich eine zweischalige Holz-Erde-Mauer erhob, deren Inneres mit dem Aushub des Grabens verfüllt war. Verstärkt war die Mauer im Abstand von durchschnittlich 50 Metern durch hölzerne Wehrtürme, deren Pfosten zum Teil tief bis in den anstehenden Fels eingebracht waren. Im Bereich der nördlichen Ausbuchtung war der Graben unterbrochen, dort konnte auch ein Tor mit wuchtigem Turm auf vier Pfosten nachgewiesen werden. Durch die Aubuchtung, die an ihren Enden durch weitere Türme gesichert war, ergab sich ein Bereich in der Form eines Zwingers, was die Verteidigunsfähigkeit deutlich erhöht haben muss.Gerhard Fingerlin: Die Toranlage des frührömischen Lagers auf dem Limberg bei Sasbach, Gde. Sasbach-Jechtingen, Kreis Emmendingen. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 1981. Theiss, Stuttgart 1982, ISBN 3-8062-0304-0, S. 96–100. Die Befunde im Innenbereich des Lagers waren frustran, wobei das Fehlen von Kellern und Gruben vom Ausgräber als Anhaltspunkt für die Existenz von Speichergebäuden interpretriert wurde. In diesem Fall könnte das Kastell primär als Versorgungsdepot gedient haben.
Eine frühkaiserzeitliche Gründung des Lagers gilt als gesichert, aber mangels ausreichender, exakt zu datierender Funde (darunter ein Denar des Marcus Antonius mit Kriegsschiff und Feldzeichen der Legio XII) muss die exakte Zeitstellung des Lagers zunächst ungeklärt bleiben. Vermutet wird eine Gleichzeitigkeit zum augusteischen Römerlager Dangstetten. In diesem Fall hätte das Lager die Lücke zwischen Argentorate und Dangstetten geschlossen. Eine spätere Gründung, in claudisch-neronischer Zeit wurde zwar auch in Erwägung gezogen, aber als unwahrscheinlich zurückgewiesen. Vielmehr drängte sich dem Ausgräber eine Ähnlichkeit zu den Befunden auf dem Münsterhügel von Basel auf, wo ebenfalls ein augusteischer Stützpunkt auf einer zuvor keltischen, befestigten Siedlung errichtet worden war.Gerhard Fingerlin: Sasbach (EM). Versorgungslager (?). In: Dieter Planck (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg. Römerstätten und Museen von Aalen bis Zwiefalten. Konrad Theiss, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1555-3, S. 305 f.
Legionslager (?) Ein weiteres, römerzeitliches Lager wurde Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre am östlichen Fuß des Limbergs entdeckt. Insbesondere konnte ein langer, relativ schmaler und flacher Spitzgraben freigelegt werden, der offenbar die Südgrenze einer vermutlich rechteckigen Anlage bildete. Die exakten Maße des Areals konnten noch nicht ermittelt werden, aber aufgrund der sich bereits abzeichnenden Größe, ist die Ansprache als Legionslager durchaus wahrscheinlich. Eine Grube an der südlichen Ecke des Areals gehörte möglicherweise zu den Canabae legionis, der Zivilsiedlung des Lagers. Sie enthielt unverzierte Terra sigillata, Gefäße in der Tradition des Spätlatèns und bronzene Fibeln, die eine Datierung auf die claudische Zeit erlauben. Damit ist eine Interpretaion der Fortifikation als eines der großen Lager, die in der Regierungszeit des Claudius (54–68) als Basis zur Okkupation rechtsrheinischen Gebietes dienten, durchaus plausibel. Weitere Gräben in dem Areal deuten ebenfalls auf militärische Anlagen, lassen sich aber noch nicht genauer datieren oder zu einem Gesamtbild zusammensetzen.Rudolf Aßkamp: Das südliche Oberrheingebiet in frührömischer Zeit. (= Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg, Band 33). Theiss, Stuttgart 1989, ISBN 978-3-806-20795-8.Gerhard Fingerlin: Sasbach (EM). Legionslager (?). In: Dieter Planck (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg. Römerstätten und Museen von Aalen bis Zwiefalten. Konrad Theiss, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1555-3, S. 306 f.Rolf Dehn, Gerhard Fingerlin: Ausgrabungen der archäologischen Denkmalpflege Freiburg im Jahr 1979. In: Archäologische Nachrichten aus Baden, Band 24, 1980, S. 16 und 24 (Digitalisat).Rolf Dehn, Gerhard Fingerlin: Ausgrabungen der archäologischen Denkmalpflege Freiburg im Jahr 1980. In: Archäologische Nachrichten aus Baden, Band 26, 1981, S. 13 (Digitalisat).
Siehe auch Kastell Sasbach-Jechtingen (zur spätantiken römischen Präsenz im Raum Sasbach)
Literatur
Rudolf Aßkamp: Das südliche Oberrheingebiet in frührömischer Zeit. (= Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg, Band 33). Theiss, Stuttgart 1989, ISBN 978-3-806-20795-8. Rolf Dehn, Gerhard Fingerlin: Ausgrabungen der archäologischen Denkmalpflege Freiburg im Jahr 1979. In: Archäologische Nachrichten aus Baden, Band 24, 1980, S. 16 und 24 (Digitalisat). Rolf Dehn, Gerhard Fingerlin: Ausgrabungen der archäologischen Denkmalpflege Freiburg im Jahr 1980. In: Archäologische Nachrichten aus Baden, Band 26, 1981, S. 13 (Digitalisat). Gerhard Fingerlin: Ein neues römisches Lager am Oberrhein. Vorbericht über die Grabungen 1971–1972 in Sasbach. In: Dorothea Haupt, Heinz Günter Horn (Red.): Studien zu den Militärgrenzen Roms II. Vorträge des 10. Internationalen Limeskongresses in der Germania Inferior. Rheinland-Verlag, Köln 1977, ISBN 3-7927-0270-3, S. 131–138. Gerhard Fingerlin: Die Toranlage des frührömischen Lagers auf dem Limberg bei Sasbach, Gde. Sasbach-Jechtingen, Kreis Emmendingen. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 1981. Theiss, Stuttgart 1982, ISBN 3-8062-0304-0, S. 96–100. Gerhard Fingerlin: Sasbach (EM). Versorgungslager (?). In: Dieter Planck (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg. Römerstätten und Museen von Aalen bis Zwiefalten. Konrad Theiss, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1555-3, S. 305 f. Gerhard Fingerlin: Sasbach (EM). Legionslager (?). In: Dieter Planck (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg. Römerstätten und Museen von Aalen bis Zwiefalten. Konrad Theiss, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1555-3, S. 306 f.
Einzelnachweise
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