Leopoldo Brellinger SJ (; * 27. Juli 1893 in Ebelsberg bei Linz, Oberösterreich; † 18. September 1967 in Taoyuan, Republik China) war ein österreichischer Jesuit, Missionar und römisch-katholischer Bischof von Jingxian in China.

Leben Leopoldo Brellinger wurde als Sohn des Schrankenwärters Michael Brellinger und dessen Ehefrau Anna, geborene Hochreiter, geboren. 1902 starb sein Vater an Lungenentzündung und 1903 seine Mutter an Phosphorvergiftung. Er und seine drei Geschwister kamen zu Pflegefamilien. Dank der Unterstützung des Ehepaars Postl aus Ebelsberg, er war Apotheker und Bürgermeister, sowie des Seraphischen Liebeswerks konnte er das Kollegium Petrinum in Linz besuchen, wo er 1913 maturierte.

Am 14. August 1913 trat Brellinger in Lainz in das Noviziat der Gesellschaft Jesu ein. Während des Ersten Weltkriegs unterbrach er seine Ausbildung und pflegte 1915–1916 Soldaten im Garnisonsspital Nr. 10 in Innsbruck, wofür er 1915 mit der Bronzenen Ehrenmedaille des Roten Kreuzes ausgezeichnet wurde. Anschließend war er Präfekt am Jesuitengymnasium Kalksburg.

Ab 1918 studierte er Philosophie und später Theologie in Wien. Sein Theologiestudium setzte er 1922–1924 an der Georgetown University in Washington, D.C. fort. Am 28. Juni 1923 empfing er dort durch den Erzbischof von Baltimore, Michael Joseph Curley, die Priesterweihe. Das Terziat absolvierte er 1924–1925 in Poughkeepsie im US-Bundesstaat New York.

Mission in China Am Ostersonntag 1926 reiste Brellinger gemeinsam mit Pater Alfons Duschek SJ nach China. Die österreichische Jesuitenprovinz hatte einen Teil der Mission von Xianxian übernommen. Brellinger erlernte an der Hochschule der französischen Jesuiten in Tianjin die chinesische Sprache und wurde 1927 Studienpräfekt. Dort legte er 1929 auch die letzten Ordensgelübde ab.

1930 wurde er aus Tianjin abberufen und begann die Missionsarbeit in den Bezirken Qichun und Hsinho. 1934 wurde er Dekan in Chenzhou, 1935 Missionsoberer in Nangong und 1936 Rektor des Jesuitenscholastikats in Xujiahui bei Shanghai.

Im April 1939 wurde das Missionsgebiet Xianxian geteilt und der südliche Teil zur Apostolischen Präfektur Jingxian erhoben. Papst Pius XII. ernannte Brellinger im Mai 1939 zum ersten Apostolischen Präfekten. Trotz des Japanisch-Chinesischen Krieges und wiederholter Hungersnöte baute er die Missionsstation Jingxian aus, gründete ein Priesterseminar, ein Knabenseminar sowie Ausbildungsstätten für Missionshelferinnen.

Bischof von Jingxian Mit der Errichtung der kirchlichen Hierarchie in China wurde die Apostolische Präfektur Jingxian am 11. April 1946 zum Bistum erhoben. Brellinger wurde am 9. Januar 1947 zum ersten Bischof von Jingxian ernannt. Die Bischofsweihe empfing er am 20. April 1947 in Peking durch Francis Xavier Zhao Zhensheng SJ, Bischof von Xianxian. Mitkonsekratoren waren Jean de Vienne de Hautefeuille CM, Bischof von Tianjin, und Ignacy Krause CM, Bischof von Xingtai.

Der Chinesische Bürgerkrieg führte zu schweren Rückschlägen für die Mission. Bereits 1947 wurde Jingxian von kommunistischen Truppen besetzt, kirchlicher Besitz beschlagnahmt und Missionare vor Volksgerichte gestellt. Brellinger konnte nach seiner Bischofsweihe nicht mehr dauerhaft in seine Diözese zurückkehren.

1948 hielt er sich nach 22 Jahren im Ausland vorübergehend in Österreich auf und übernahm wegen der Erkrankung des Linzer Bischofs Joseph Calasanz Fließer mehrere bischöfliche Aufgaben. Er weihte 16 Priester im Linzer Dom. Nach seiner Rückkehr nach China lebte er sechs Jahre zurückgezogen in Xianxian.

Am 27. Juli 1954 wurde Brellinger von den kommunistischen Behörden aus China ausgewiesen und fand Zuflucht auf den Philippinen. Dort konnte er 1957 acht Priester aus dem Seminar von Jingxian im Exil weihen. 1961 übersiedelte er nach Taipeh in Taiwan zu chinesischen Weltpriestern seiner Diözese. Von 1961 bis 1967 war er Pfarrer der Pfarrei Heiliger Rosenkranz in Taipeh.

Wegen gesundheitlicher Probleme nahm Brellinger erst ab der zweiten Sitzungsperiode am Zweiten Vatikanischen Konzil teil.

Er starb am 18. September 1967 im St. Paul Hospital in Taoyuan und wurde auf dem Friedhof des Jesuitennoviziats in Changhua beigesetzt.

Veröffentlichungen Das katholische Schulwesen in China. In: Die Katholischen Missionen. 56. Jahrgang, 1928, Heft 3.

Literatur Ferdinand Platzer: Pionier. Bischof L. Brellinger SJ. In: Jahrbuch 1969 für die Katholiken des Bistums Linz. Linz 1968, S. 141–147. Alois Zehetner: Beiträge zu Leopold Brellinger. In: Neues Archiv für die Geschichte der Diözese Linz. Band 8, 1994, S. 155 ff. David Strong: A Call to Mission – A History of the Jesuits in China 1842–1954. Band 2, 2018.

Weblinks

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