mini|Militärische und zivile Besiedlung im Raum Offenburg des 1. Jahrhunderts Das Kastell Rammersweier war eines von insgesamt drei römischen Truppenlagern des ersten Jahrhunderts im Stadtgebiet von Offenburg im baden-württembergischen Ortenaukreis.
Lage und Forschungsgeschichte
Das ehemalige Kastell und heutige Bodendenkmal befindet sich in einem Gewerbegiet im nordöstlichen Bereich Offenburgs auf dem Gelände einer Firma für Maschinenbau und ist dort in weiten Teilen durch Bodenplatten versiegelt und geschützt.Kastell weitläufig um Oberirdisch ist nichts zu sehen. Das Gelände befindet an der Einmündung des Brücklesbünd in die Moltkestraße, unmittelbar südlich des Brücklesbünd und östlich der Moltkestraße, schräg gegenüber dem Menhir von Rammersweier. Die Entdeckung und Untersuchung erfolgte bei Ausgrabungen in den Jahren 1993 bis 1998. In antiker Zeit hatte das Militärlager zusammen mit dem Kastell Offenburg und dem Kastell Zunsweier die Aufgabe, die von Argentorate (Straßburg) über das Kastell Waldmössingen nach Arae Flaviae (Rottweil) und von dort aus weiter zum Kastell Tuttlingen an der Donau führende römische Kinzigtalstraße zu überwachen. Diese Verkürzung der Verbindung zwischen den gallischen und den Donauprovinzen wurde in den Jahren 73/74 von dem Legaten Gnaeus Pinarius Cornelius Clemens im Auftrag des Kaisers Vespasian (69–79) erbaut. Sie verkürzte den Weg von Argentorate nach Augusta Vindelicorum (Augsburg) um sieben Tagesmärsche (rund 160 km), war daher von militärischer und ökonomischer Bedeutung und führte letztlich zur römischen Okkupation des Dekumatlands.Gerhard Fingerlin: Ein neues Kastell flavischer Zeit bei Rammersweier, Stadt Offenburg, Ortenaukreis. In: Archäologische Ausgrabungen Baden-Württemberg, 1995, S. 161–164.Manuel Yupanqui: Offenburg-Rammersweier (OG). Kastell und Kastellbad. In: Dieter Planck (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg. Römerstätten und Museen von Aalen bis Zwiefalten. Konrad Theiss, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1555-3, S. 239 f.
Archäologische Befunde Kastell
Das rechteckige, dem typischen Spielkartenformat mit abgerundeten Ecken entsprechende Kastell umfasste eine Fläche von 0,36 Hektar. Als Annäherungshindernis diente ein doppelter Spitzgraben, hinter dem sich eine aus Rasensoden konstruiert Holz-Erde-Mauer erhob, die von einer Holzpalisade gekrönt war. An der Westseite befand sich das vermutlich einzige Tor der Anlage. Pfostenspuren in der nordöstlichen und südwestlichen Ecke legen die Existenz von Ecktürmen nahe. Erosion, Bodeneingriffe infolge landwirtschaftlicher Tätigkeiten und die Entnahme von Lehm hatten die Innenbebauung im Laufe der Jahrhunderte weitestgehend zerstört. Lediglich ein verfüllter Brunnen wurde noch identifiziert, konnte aber nicht mehr weiter erforscht werden. Über die in Rammsweier stationierte Einheit ist nichts bekannt, die geringen Größe des Kastells weist aber darauf hin, dass die Besatzung vermutlich aus einer kleineren Vexillation bestanden hat. Das spärliche Fundmaterial spricht für ein zeitgleiches Bestehen mit dem Kastell Zunsweiern. Bereits in den 80er oder 90er Jahren des 1. Jahrhunderts wurde das Kastell bereits wieder verlassen. Dies könnte im Kontext von Truppenverschiebungen im Zusammenhang mit den Chattenkriegen des Domitian in den Jahren 83 und 85 u. Z., mit der Gründung der Provinz Germania superior, mit dem Ausbau des Neckarlimes, mit den Daker- und Sarmateneinfällen (alle Ereignisse um 85 u. Z.), oder im Zusammenhang mit dem Saturninusaufstand (89 u. Z.) erfolgt sein. Die Auflassung wurde planmäßig unter Mitnahme aller noch verwendbaren Materialien durchgeführt.Gerhard Fingerlin: Offenburg-Rammersweier (OG). Kastell und Kastellbad. In: Dieter Planck (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg. Römerstätten und Museen von Aalen bis Zwiefalten. Konrad Theiss, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1555-3, S. 239.Johann Schrempp: Die römische Besiedlung in Offenburg. In: Archäologische Nachrichten aus Baden. Band 84, 2012, S. 15–21 (Digitalisat).Manuel Yupanqui Werner: „Iter de[rectum ab Arge]ntorate in R[aetiam]“. Die flavischen Kastelle Rammersweier und Zunsweier an der römischen Kinzigtalstrasse bei Offenburg. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg. Band 29, Nummer 2, 2000, S. 116–123 (Digitalisat).
Kastellthermen
Westlich der Moltkestraße, nur wenige Meter von der südwestlichen Kastellecke entfernt, konnte das Kastellbad ergraben werden, von dem nur noch die Hypokaustanlage erhalten ist. Von der ehemaligen Oberfläche und dem aufgehenden Mauerwerk fanden sich keine Spuren mehr. Die kleinen Thermen gehören zum sogenannten Reihentyp, bei dem das Apodyterium (Umkleideraum) und die Baderäume Frigidarium (Kaltbad), Tepidarium (Laubad) und Caldarium (Heißbad) dem Badeablauf entsprechend längs einer Achse angeordnet sind. In Rammersweier schließt westlich des Caldariums ein kreisförmiges, nur einen Meter durchmessendes Sudatorium (Schwitzbad) an den Gebäudekomplex an. Der Aufbau ähnelt dem der Thermen von Zunsweier, ist aber mit Seitenlängen von sechs mal 14 Metern deutlich kleiner. Die erhaltenen Mauerreste wurden konserviert, überdacht und mit einer Informationstafel versehen.Kastellthermen bei
Funde und Fundverbleib
Die spärlichen Fundmaterialien aus Kastell und Thermen weisen einheitlich auf die frühflavische Zeit. Ein großer Teil der Funde befindet sich heute im Museum im Ritterhaus in Offenburg.Offizielle Webpräsenz des Museums im Ritterhaus, abgerufen am 5. Mai 2026.
Literatur
Gerhard Fingerlin: Ein neues Kastell flavischer Zeit bei Rammersweier, Stadt Offenburg, Ortenaukreis. In: Archäologische Ausgrabungen Baden-Württemberg, 1995, S. 161–164. Gerhard Fingerlin: Offenburg-Rammersweier (OG). Kastell und Kastellbad. In: Dieter Planck (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg. Römerstätten und Museen von Aalen bis Zwiefalten. Konrad Theiss, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1555-3, S. 239. Johann Schrempp: Die römische Besiedlung in Offenburg. In: Archäologische Nachrichten aus Baden. Band 84, 2012, S. 15–21 (Digitalisat). Manuel Yupanqui Werner: „Iter de[rectum ab Arge]ntorate in R[aetiam]“. Die flavischen Kastelle Rammersweier und Zunsweier an der römischen Kinzigtalstrasse bei Offenburg. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg. Band 29, Nummer 2, 2000, S. 116–123 (Digitalisat). Manuel Yupanqui: Offenburg-Rammersweier (OG). Kastell und Kastellbad. In: Dieter Planck (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg. Römerstätten und Museen von Aalen bis Zwiefalten. Konrad Theiss, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1555-3, S. 239 f.
Weblinks
Die Römische Kinzigtal Straße und ihre Kastelle auf alaturka.info Kastellbad in Offenburg-Rammertsweier (OG) auf limesseiten.de
Einzelnachweise
Kategorie:Römische Befestigungsanlage (Germania superior) Kategorie:Römisches Bad in Deutschland Kategorie:Römisches Bauwerk in Baden-Württemberg Kategorie:Archäologischer Fundplatz im Ortenaukreis Kategorie:Archäologischer Fundplatz in Europa Kategorie:Bauwerk in Offenburg Kategorie:Erbaut im 1. Jahrhundert Kategorie:Zerstört im 1. Jahrhundert