Eine Punktverrechnungskarte (abgekürzt auch PVK) war eine besondere Form postalischer Formularsendungen in der Zeit des Zweiten Weltkriegs und der unmittelbaren Nachkriegszeit.

Die Karten verbanden Merkmale einer Drucksache mit solchen administrativer Verrechnungsformulare innerhalb der kriegswirtschaftlichen Textilbewirtschaftung. Sie standen im Zusammenhang mit dem sogenannten Punktverrechnungsverfahren der Reichskleiderkarte und anderer Bezugssysteme für bezugsbeschränkte Spinnstoffwaren.

Punktverrechnungskarten gelten als wenig erforschtes Spezialgebiet der Postgeschichte und Philatelie.

Geschichte und Funktion Punktverrechnungskarten verbanden Merkmale einer Drucksache mit solchen administrativer Verrechnungs- und Kontrollformulare innerhalb der kriegswirtschaftlichen Textilbewirtschaftung.

Im Unterschied zur Reichskleiderkarte, die als Bezugsberechtigung für Verbraucher diente, wurden Punktverrechnungskarten offenbar vor allem im Abrechnungs- und Verrechnungsverkehr zwischen Verkaufsstellen, Lieferanten und Punktverrechnungsstellen verwendet. Das zugrunde liegende Punktverrechnungsverfahren war Teil der nationalsozialistischen Kriegswirtschaft und der staatlichen Verbrauchsregelung für bezugsbeschränkte Spinnstoffwaren.

Nach zeitgenössischen Beschreibungen mussten Verkaufsstellen eingenommene Reichskleiderkartenabschnitte und Bezugsscheine bei Punktverrechnungsstellen abliefern. Diese führten für Geschäftsbetriebe sogenannte Punktguthaben, über die bezugsbeschränkte Waren mittels ausgestellter Schecks eingekauft werden konnten.

Eine Bekanntmachung in der Kattowitzer Zeitung vom 24. März 1940 erwähnt ebenfalls ein „Punktverrechnungsverfahren“ für Reichskleiderkartenabschnitte und Bezugsscheine. Zeitgenössische juristische Veröffentlichungen behandelten darüber hinaus Strafverfahren wegen der Abgabe bezugsbeschränkter Textilwaren „ohne Punktverrechnung“ oder ohne Nachweis der Bezugsberechtigung.

Bekannte Exemplare von Punktverrechnungskarten stammen überwiegend aus den Jahren 1944 und 1945. Die Karten besitzen vorgedruckte Formularfelder wie: „Punktverrechnungsstelle“ „Scheck-Nr.“ „Konto-Nr.“ „Ausstellungsdatum“ „Wert in Ziffern“

Viele Karten tragen den Aufdruck „Drucksache“ und wurden mit gewöhnlichen Briefmarken frankiert. Typisch sind außerdem roter oder violetter Druck auf rosafarbenem Papier sowie seitliche Durchstiche, die auf eine Herstellung in Formularstreifen hindeuten.

Nach einem Beitrag in den Infla-Berichten wurden Karten mit dem Aufdruck „Drucksache“ vermutlich als Auftragsbestätigungen von Lieferanten an Besteller verwendet. Karten ohne den Aufdruck „Drucksache“ weisen dagegen häufig zusätzliche Stempel von Verrechnungsstellen sowie Entwertungsvermerke auf.

Philatelistische Bedeutung und Forschung

Punktverrechnungskarten gelten als Spezialgebiet der Postgeschichte und Philatelie. Aufgrund ihrer vergleichsweise geringen Bekanntheit und der bislang nur fragmentarisch erforschten Hintergründe werden sie überwiegend von spezialisierten Sammlern deutscher Kriegs- und Nachkriegspost untersucht.

Bereits im Beitrag der Infla-Berichte wurde darauf hingewiesen, dass weder Bibliotheken noch bekannte Sammler oder Händler nähere Hintergrundinformationen liefern konnten.

Auch in der britischen Fachzeitschrift Germania wurden Punktverrechnungskarten als wenig bekannter Aspekt der Postgeschichte des Zweiten Weltkriegs beschrieben. Dort wurde erwähnt, dass bekannte Karten unter anderem von Bekleidungsherstellern versandt wurden und Warenlisten mit zugehörigen Punktwerten enthielten.

Seit den 2020er Jahren erschienen mehrere Spezialpublikationen zum Thema, darunter Beiträge in der Verbandszeitschrift philatelie des Bundes Deutscher Philatelisten sowie eine eigenständige Monografie von Achim Lange. Literatur

Wolfgang Brandt: „Punktverrechnungskarten“. In: philatelie. Heft 519, Bund Deutscher Philatelisten, 2020, S. 23. Achim Lange: Punktverrechnungskarten. Grundlagen, Entstehung und Verwendung, Dokumentation von post-, zeit- und wirtschaftsgeschichtlichen Aspekten. (= Sonderschrift 21 der Arbeitsgemeinschaft „Deutsche Notmaßnahmen ab 1945 e. V.“). Essen 2024. Peter C. Rickenback: „Punktverrechnungskarten“. In: Infla-Berichte.

Weblinks

Punktverrechnungskarten bei INFLA-Berlin Germania Magazine – Inhaltsverzeichnisse Jahresinhaltsverzeichnis „philatelie“ 2020

Einzelnachweise

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