Heimwärts (englischer Originaltitel Homecoming) ist ein Jugendroman der US-amerikanischen Schriftstellerin Cynthia Voigt, der 1981 mit den Illustrationen von Sharon Scotland beim Verlag Atheneum Books veröffentlicht wurde. Die deutsche Erstausgabe in einer Übersetzung von Matthias Duderstadt erschien 1986 beim Verlag Sauerländer. Das Buch ist der erste Band des siebenteiligen Tillerman-Zyklus.
Inhalt Die vier Tillerman-Kinder Dicey, James, Maybeth und Sammy befinden sich mit ihrer Mutter Liza gerade auf dem Weg von ihrer Heimatstadt Provincetown zu ihrer Großtante Cilla, als sie auf einem Parkplatz eines Supermarktes von der Mutter im Auto allein zurückgelassen werden. Sie verabschiedet sich von ihnen mit den Worten «Tut, was Dicey sagt» und kehrt daraufhin nicht mehr zurück.
Da sie ihr Vater verlassen hat, als Sammy noch nicht einmal geboren war, beschließt die dreizehnjährige Dicey daraufhin, den begonnenen Weg zur Großtante zu Fuß fortzusetzen. Für eine Fahrt mit dem Bus haben sie zu wenig Geld. Mit Sammy, der erst sechs Jahre alt ist und Maybeth, die auf Grund ihrer Schüchternheit und Langsamkeit geistig zurückgeblieben wirkt, zieht sich der Fußmarsch extrem in die Länge. Obwohl sie meist im Freien übernachten und sehr sparsam sind, geht das Geld rasch zur Neige.
Um nicht Hunger leiden zu müssen, übernehmen sie immer wieder kleinere Jobs und sie angeln sich Fische oder sammeln am Strand Krebse, die sie auf einem Lagerfeuer rösten. Um gewisse Personen und die Polizei machen die vier einen großen Bogen, denn Diceys größte Sorge ist, dass die Kinder voneinander getrennt werden. Doch immer wieder stoßen sie auch auf Menschen, die ihnen behilflich sind, so wie der Student Windy und dessen Wohnungskollege Stewart, der sie den letzten Rest ihrer Reise mit dem Auto nach Bridgeport bringt, wo ihre Großtante lebt.
Wie sich dort herausstellt, ist diese allerdings bereits tot und sie war keinesfalls so reich, wie man es aus ihren Briefen hätte deuten können. In ihrem Haus wohnt ihre Tochter Eunice, deren Lebensplan durch das plötzliche Auftauchen der vier Kinder gehörig durcheinander kommt: Eigentlich stand sie kurz davor, Nonne zu werden, doch nun sieht sie sich dazu verpflichtet, sich um die Kinder zu kümmern. Von Eunice erfahren die Kinder, dass diese in Crisfield eine Großmutter mütterlicherseits haben, von der sie zuvor noch nie gehört hatten. Und sie erfahren durch die Recherche eines Sherrifs, warum sie ihre Mutter verlassen hat: Sie ist an Katatonie erkrankt und lebt seither in einer Nervenheilanstalt.
Während James, der für seine zehn Jahre sehr reif und intelligent ist, in der neuen Schule glücklich ist, haben der oftmals äußerst sture Sammy und die geistig eingeschränkte Maybeth im Kindergarten bzw. in der Schule große Probleme, sich zu integrieren. In der Zeit, in der die die jüngeren Geschwister außer Haus sind, hält Dicey die Wohnung von Kusine Eunice sauber und nutzt die restliche Zeit, um sich mit Fensterputzen in diversen Geschäften von Bridgeport ein Taschengeld zu verdienen. Als sie eine ausreichende Summe angespart hat, beschließt sie, allein mit dem Bus zu ihrer Großmutter zu fahren, um zu sondieren, ob sie dort willkommener sind als bei Kusine Eunice.
Doch James entdeckt Diceys heimlichen Plan und besteht darauf, dass sich alle vier gemeinsam auf den Weg nach Crissfield machen. Das Geld für den Bus reicht dadurch jedoch nur für einen Teil der Strecke und so setzen sie diese auf halbem Weg wieder zu Fuß fort. Sie entgehen nur knapp einem erbarmungslosen Farmer, bei dem sie sich als Erntehelfer etwas Geld verdienen wollen und der es offenbar auf Maybeth abgesehen hat. Die Zirkusbesitzer Will und Claire kommen den Kindern bei deren Rettung entscheidend zu Hilfe und kümmern sich eine Zeit lang liebevoll um die vier Geschwister.
Will bringt die Kinder schließlich mit seinem Wagen nach Crisfield, wo sich Dicey allein zum Haus ihrer Großmutter begibt. Diese lebt seit dem Tod ihres Mannes allein auf einer abgelegenen Farm, die sie weitestgehend verkümmern lässt und gilt in der Stadt als verrückt. Die Großmutter namens Abigail Tillerman ist aufgrund eines Briefes, den ihr Kusine Eunice geschrieben hat, bereits auf das mögliche Auftauchen ihrer Enkelkinder vorgewarnt. Einerseits abweisend, doch andererseits auch neugierig und gespannt, begegnet Abigail ihrer Enkelin. Sie lässt sich darauf ein, die vier Kinder für eine Nacht bei sich wohnen zu lassen.
Diceys Plan ist es, sich und ihre drei Geschwister Tag für Tag unersetzlich zu machen, indem sie auf der Farm ordentlich anpacken, und so ihre Großmutter doch noch dazu zu bringen, ihre Enkel bei sich aufzunehmen. Das Eis taut nur langsam auf und während es bereits den Anschein hat, als müssten sich die Kinder wieder auf den Weg zurück zu Kusine Eunice machen, willigt Abigail letztlich doch ein, die Obhut der Kinder zu übernehmen und die Überlegungen von James in die Tat umzusetzen, mit der Farm Geld zu verdienen.
Rezeption Ann Kay schreibt in ihrer Buchrezension: „Dicey Tillerman ist einer der großen Chraraktere der amerikanischen Jugendliteratur. […] Ihr Kampf, die Familie zusammenzuhalten und den Glauben am Leben zu erhalten, dass ihre Mutter sie geliebt hat, ist rührend. Aber die Geschichte ist auch spannend und lustig.“ In der Jurybegründung für den Deutschen Jugendliteraturpreis, auf dessen Auswahlliste Heimwärts 1987 stand, heißt es: „Die Kindercharaktere, die Landschaft, die sie durchwandern, die Begegnungen mit Menschen sind meisterhaft geschildert und reich an übertragbarer Bedeutung. Ein Stück weit vermittelt das Buch den amerikanischen Traum von der Stärke des Individuums, das auf sich gestellt, alle Schwierigkeiten überwindet. Das Buch wird begeisterte Leser finden.“
Hintergrund Die Idee zu dem Buch kam Cynthia Voigt, als sie auf einem Parkplatz eines Supermarktes ein Auto bemerkte, in dem vier Kinder allein zurückgelassen worden waren. Im Laden stellte sich die Autorin daraufhin die Frage, was passieren könnte, wenn die Fahrerin nicht mehr zurückkommen würde bzw. was der Grund dafür sein könnte, warum diese nicht zu den Kindern zurückkehrt. Diese Gedanken verwirklichte Voigt in dem Roman Homecoming, der den Start ihrer schriftstellerischen Laufbahn begründete.
Auszeichnungen Der Roman war 1981 unter den Finalisten für den National Book Award. Heimwärts stand 1987 auf der Auswahlliste für den Deutschen Jugendliteraturpreis.
Referenzen Heimwärts ist in dem literarischen Nachschlagewerk 1001 Kinder- und Jugendbücher – Lies uns, bevor Du erwachsen bist! für die Altersstufe 12+ Jahre enthalten.
Ausgaben
Adaptionen Der Roman wurde 1996 unter dem Titel Der lange Weg nach Hause verfilmt. Anne Bancroft spielt darin die Rolle der Großmutter Abigail Tillerman.
Weblinks
Informationen zum Buch auf der Homepage der Autorin
Einzelnachweise
Kategorie:Kinder- und Jugendliteratur Kategorie:Literatur (Englisch) Kategorie:Literatur (Vereinigte Staaten) Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literarisches Werk