Wabern ist ein Ortsteil der politischen Gemeinde Köniz (BE), am südlichen Stadtrand von Bern zwischen Aare und Gurten.
Geographie mini|Luftbild von Wabern zwischen Aare (links) und Gurten (rechts) von Werner Friedli 1967 Wabern grenzt direkt an die Stadt Bern und ist vom Bahnhof Bern aus in rund zehn Minuten mit dem Tram 9 von Bernmobil erreichbar. Der Ort liegt am Fuss des Gurtens, des Berner Hausbergs. Bei der Talstation der Gurtenbahn liegt das ehemalige Brauereigebäude von Gurtenbier. Seit 1899 führt eine Standseilbahn von Wabern auf den Gurten. Vom Berg hat man einen Überblick in die Alpen und über die Stadt Bern. Als Naherholungsgebiet ebenfalls beliebt sind der Fluss Aare und der Campingplatz Eichholz.
Geschichte Name Funde von Steinbeilen, Feuersteinpfeilspitzen oder Armreifen aus Bronze aus verschiedenen Zeiträumen lassen auf frühe Besiedelung der Gegend schliessen. Der Name Wabern wird auf die Kelten zurückgeführt. Das keltische «voberna» bedeutet «laufendes Gewässer im Wald». Das germanische «wavra» oder «wabra» bedeutet «Morast». In den frühen Schriftdokumenten finden sich folgende Varianten: Wawra, Wavre, Wabron, Wabren, Waberen und schliesslich Wabern. Die älteste Urkunde, die Wabern nennt, ist in Latein geschrieben und stammt von 1232Frieda Hurni: Aus Waberns Vergangenheit. 2., erw. Auflage. Kulturelle Vereinigung, Wabern 1980. Print.. mini|hochkant|Wappen von Wabern
Wappen Der Name Waberns ist in der frühen Geschichte Berns nicht durch den Ort, sondern durch das Geschlecht der Herren von Wabern berühmt geworden. Wie bei den von Diesbach, Wattenwyl und Graffenried handelte es sich vorerst nicht um Adelige, sondern um freie Landleute. Es wird vermutet, dass ein Spross dieses Geschlechtes von Wabern in die neu erbaute Stadt Bern zog und Burger wurde. Am bekanntesten unter seinen Nachfahren sind die vier Peter von Wabern, die beiden letzten wurden auch Petermann genannt. Der letzte von ihnen starb 1492 ohne Nachkommen. Das Wappen der Herren von Wabern, ein goldenes Andreas-Kreuz mit vier goldenen Sternen auf rotem Feld, ist noch heute das Wappen Waberns.
Entwicklung Die mittelalterlichen Siedlungen Gross- und Kleinwabern (auch Chly-Wabere) weit draussen vor der Stadt Bern waren Teil der Kilchhöri (Kirchgemeinde) Köniz, ab 1834 gehörten sie auch zur politischen Gemeinde Köniz. Die Bevölkerung betrieb Ackerbau in zwei Zelgsystemen und Viehwirtschaft mit Weiden am Gurten und im Belpmoos. Trotz guter Verkehrslage an der Landstrasse nach Thun konnte sich das Gewerbe bis zur Gewerbefreiheit des 19. Jahrhunderts kaum entwickeln, weil die Stadtmeister mit einer Bannmeile das Landhandwerk behinderten.
Im 18. Jahrhundert ging das rein bäuerliche Leben in Wabern zu Ende. Berner Patrizierfamilien und andere Burger hatten als Geldanlage immer wieder Wabernboden erworben und bauten darauf Höfe und Sommersitze (Campagnen). Diese wurden später zum Teil als private Ausbildungsstätten umgenutzt. Erhalten ist unter anderem die 1830–1832 erbaute Villa des Morillonguts.
1880 erfolgte eine Grenzbereinigung zwischen den Gemeinden Bern und Köniz. Dabei wurde das auf beiden Gemeinden liegende Obere Sandraingut ganz Bern zugeschlagen und nun Aarbühl genannt. Ebenso wurde die Grenze beim Kirchbühl zugunsten Berns verschoben. Die schmale und staubige Seftigenstrasse wurde nach und nach verbreitert für die fünfspännige Eilpostkutsche von Bern über Blumenstein nach Thun (Gurnigelpost) und das Rösslitram, welches die Strecke Bern, Mattenhof, Wabern bis zur Pension Montandon in Kleinwabern bediente. Von 1894 an verkehrte ein Dampftram, und per 1. Januar 1900 übernahm die Stadt Bern den Betrieb des Tramverkehrs nach Wabern. Von 1902 an fuhren alle Wagen elektrisch. Die Gürbetalbahn wurde 1901 eingeweiht. Sie fuhr zuerst nur auf der Strecke Weissenbühl–Burgistein–Wattenwil. Erst im darauffolgenden Jahr erfolgte der Anschluss nach Thun. Die Station im Weissenbühl bekam den Namen Bern–Südbahnhof.Werner Juker: Wie Wabern dem Verkehr erschlossen wurde. Artikel in: Wabern Post, Nr. 3, 1948. Archiv und Ortsgeschichtliche Sammlung der Gemeinde Köniz.
Diese neue Verkehrsinfrastruktur beschleunigte zuerst in Grosswabern und am Gurten die Bautätigkeit. Im stillen Gut Beauregard (ab 1919 unteres Gurtenbühl) entstanden erste Häuser, und die neue Siedlung vergrösserte sich gegen den Hang hinauf. 1919 wurde das erste Haus im Eichholz gebaut, die intensive Überbauung dieses Quartiers setzte 1930 ein. In den Zwanziger- und Dreissigerjahren entstanden Häuser am Rand des Sprengergutes, am Sprengerweg und im Gossetgut an der Park- und Gossetstrasse. Im obersten Teil des Weyergutes kam es nach 1930 zum Bau der Wohnhäuser am Pappelweg, Die ersten Einfamilienhäuser auf dem Land der Grünau wurden 1932/33 an der neu geschaffenen Alpenstrasse erstellt, die vorläufig bis zu den Feldern des Maygutes reichte. Am Mattenweg setzte sich nach und nach die Überbauung fort.
Durch die stetig steigende Besteuerung des Bodens, auf dem die Campagnen standen, wurde dieser zum begehrten Bauland. Die Güter wurden ab den 1930er bzw. 1950er Jahren parzelliert und deren Villen, Pächter- und Ökonomiebauten grösstenteils abgebrochen. Sie wichen unter anderem der Gartenstadt Gurtenbühl, der Grossüberbauung Bondeli-/Funkstrasse sowie dem Einkaufszentrum Maygut und der Schulanlage Lerbermatt. Gross- und Kleinwabern wuchsen zusammen, die Infrastruktur wurde ausgebaut. 2011 zählte Wabern drei Schulanlagen der Primar- und Oberstufe, zwei Kirchen (evangelisch-reformiert 1948, römisch-katholisch 1959) sowie Sprachheil- und Sonderschulen von überregionaler Bedeutung. Trotz Arbeitsplätzen in der Industrie (u. a. Druckereien) und im Dienstleistungssektor und trotz Ansiedlung der Bundesämter für Landestopografie (1941), Metrologie (1966) und Migration (2005) ist Wabern wirtschaftlich auf Bern ausgerichtet.
Historische Güter und Bauten Siehe auch Liste der Kulturgüter in Köniz.
Sprengergut Das älteste Landgut Waberns befand sich von Bern aus gesehen rechts beim Dorfeingang. Der erste bekannte Eigentümer war 1683 der Stiftschaffner Hans Rudolf Tribolet (1633–1694). Wann und von wem das Landhaus erstellt wurde, ist nicht bekannt. In seinem Testament vermachte Tribolet seinen Besitz zum Ärger seiner Angehörigen dem Vogt zu Yferten, Hans Rudolf von Luternau (1647–1707). Dessen Sohn, Hans Rudolf (1678–1746), verkaufte das Gut 1739 einem Waberer Bauern, welcher das Grundstück aufteilte. Das Wohnhaus mit der umliegenden Matte ging an den Insel-Chirurgen und Bernburger Emanuel Eyen (1704–1763). Später übernahm der Berner Buchdrucker Emanuel Hortin (1704–1777) das Gut und vergrösserte es durch Tausch- und Kaufgeschäfte wieder. Er hinterliess seinen Besitz zusammen mit einem kleineren Gut am Gurten seinen beiden Enkeln und deren Schwager Samuel Friedrich Lüthardt (1767–1823), der seinen Anteil dem Miterben Major Daniel Albrecht Emanuel Hortin (1765–1814) verkaufte. Alleinerbe geworden, bot dieser den Besitz 1807 an einer Versteigerung zum Kauf an. Zum Gut gehörte damals das grosse Wohnhaus, dahinter ein Brunnen und Weiher, ein Stöcklein mit Waschhaus, das Hühnerhaus, zwei Schweineställe, ein steinernes Kornhaus sowie ein Brunnen und Weiher bei einer Scheune mit Wohnung.
Neuer Besitzer wurde Gabriel Rudolf von Sinner (1764–1811), Oberamtmann von Aarberg. Fünf Jahre nach dem Tod ihres Ehemannes verkaufte seine Witwe, Maria Rosina von Sinner, geb. Wyttenbach (1768–1836), das Gut 1816 an den Zichorienfabrikanten Georg Franz Gabriel Combe. Dessen Sohn David Franz Combe liess darauf ein Fabrikgebäude für seine Leinenweberei und eine Remise mit grosser Werkstatt errichten und gestaltete das Kornhaus zu einem zweiten, kleineren Wohnhaus um. Den grössten Teil des Mattlandes verkaufte er 1826 dem Besitzer der Villa Morillon, Johann Rudolf von Frisching (1761–1838).
1834 begann ein neuer Abschnitt in der Geschichte dieses Landgutes. Der deutsche Erzieher Dr. Karl Wilhelm Bouterwek (1809–1868) eröffnete hier ein Knabeninstitut. Eine andere Quelle berichtet, dass David Combe seine Leinenweberei aufgab und in seinen Gebäuden eine Erziehungsanstalt für Knaben einrichtete. Der erste Vorsteher wurde 1834 Karl Wilhelm Bouterwek, der das Gut zwei Jahre später von Combe ersteigern konnte. Am 24. Februar 1840 zerstörte ein Grossbrand in Wabern verschiedene Institutsgebäude, die teilweise wieder aufgebaut und vergrössert wurden. 1846 wurde Bouterwek als Gymnasialdirektor nach Elberfeld berufen. Sein Nachfolger wurde Georg Gladbach (* 1811) aus Darmstadt. Er führte das Institut noch fünfzehn Jahre weiter, bevor er das Landgut an Aloys Sprenger (1813–1893), Honorarprofessor für orientalische Sprachen und Literatur an der Universität Bern, veräusserte. 1893 übernahm dessen Sohn Heinrich das inzwischen im Volksmund so genannte Sprengergut, welches er 1912 an den Glashändler und Stadtrat Fritz Böhme verkaufte.
Ab 1917 gehörte das Landgut Ernst Grindat. In dieser Zeit musste der charakteristische Zapfenzieherkamin auf dem OstdachFrieda Hurni: Artikel "Aus Waberns Vergangenheit", Anhang Tafeln 10 und 13, doi.org/10.5169/seals-244333, (e-periodica.ch, abgerufen am 12. März 2025) abgebrochen werden. Seine gewundene Form konnte nicht wieder aufgebaut werden. 1922 zeichnete der Sohn, Architekt Ernst Grindat (1892–1957), Pläne für die erste Überbauung des westlichen Areals. Dort entstanden 1923/24 zwei Zeilen mit eingeschossigen Reiheneinfamilienhäusern, die sich dem Landsitz als dominantem Gebäude gestalterisch unterordneten. Im Laufe der Jahre wurden die Nebengebäude des Sprengerguts an der Dorf- und Kirchstrasse durch moderne Wohngebäude ersetzt. Das Landhaus wurde 1957/58 abgebrochen und der noch vorhandene Boden mit Wohnblöcken überbaut. 2012 erhielt die Bauherrin eines der Reiheneinfamilienhäuser an der Sprengerweg für die sorgfältige Renovation den Denkmalpflegepreis des Kantons Bern.
Morillongut mini|Villa Morillon Die Villa Morillon ist eine Campagne im westlichen Teil von Wabern. 1995 wurde sie als Bauwerk von nationaler Bedeutung eingestuft. Ein Teil der Villa wird heute (2025) für kulturelle Anlässe zur Verfügung gestellt, die Parkanlage einer breiteren Nutzung zugeführt.
Bernau mini|Villa Bernau Der Landsitz Bernau, erbaut um 1760, hatte verschiedene Eigentümer, u. a. den Hauptmann und Geometer Friedrich Niklaus Lüthardt, den Sohn des Juristen Lüthardt. 1890 kaufte der Chemiker Georg Wander, Gründer der Firma Wander AG (Ovomaltine), das Gut. Sein Sohn, Dr. Albert Wander, machte sich als Unternehmer und Privatmann verdient um die Entwicklung von Wabern, stiftete den Kindergarten Gurtenbühl und das Ferienheim Weyermoos. Albert Wander baute die Campagne zur herrschaftlichen, ganzjährig bewohnten Villa aus. 1952 verkauften seine Erben Teile des grossflächigen Grundstückes, auf dem heute die Kirche St. Michael und das Primarschulhaus Wandermatte stehen, an die Gemeinde Köniz.
In den 1970er-Jahren zog sich die Familie Wander aus der Villa Bernau zurück, das Haus ging ebenfalls an die Gemeinde Köniz. Diese plante 1979/80, die alte Villa abzureissen und im Park eine Wohn- und Geschäftsüberbauung mit integriertem Dorfzentrum zu bauen. Das Vorhaben stiess bei der Waberer Bevölkerung auf breite Ablehnung. Dank deren Engagement wurde die Liegenschaft vom Abbruch verschont und stattdessen in die Liste der Kulturgüter in Köniz aufgenommen. Die Gemeinde Köniz unterstützte in der Folge die Bestrebungen zu einer öffentlichen Nutzung der Liegenschaft als Quartierzentrum und übergab die Villa Bernau 1983 einem Verein.
1985 begannen Renovationsarbeiten der Villa Bernau mit der Erneuerung sämtlicher elektrischer und sanitärer Installationen. Später erfolgte die Sanierung des Daches, der Fassaden und der Kanalisation sowie die Instandstellung der Gartenanlagen. 1988 wurde unter denkmalpflegerischen Auflagen auch der Innenraum umgestaltet. Am 16. Mai 1990 wurde sie in das Inventar der geschützten Kulturgüter aufgenommen.
Gossetgut