Thiomorpholin ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der gesättigten Heterocyclen.

Gewinnung und Darstellung Die erste Thiomorpholin-Synthese wurde bereits 1896 beschrieben, wobei die Verbindung durch Reaktion von 1,2-Dibromethan mit Cysteamin gewonnen wurde. Als Ausgangsstoff kann auch Bis(2-chlorethyl)sulfid oder sein Fluoranalogon eingesetzt werden, die mit einer alkoholischer Ammoniaklösung, Aminen oder Aminosäuren Thiomorpholin beziehungsweise N-substituierte Thiomorpholine ergeben. Auch andere Verbindungen, die anstelle der Halogene an der Ausgangsverbindung andere aktive Gruppen enthalten, sind in der Lage, mit Ammoniak oder Aminen zu Thiomorpholin beziehungsweise dessen Derivaten zu reagieren.

Ein weiteres Verfahren zur Herstellung von Thiomorpholin ist die Umsetzung von Bis(2-chlorethyl)sulfid mit Kaliumphthalimid zu 8,8'-Diphthalimidodiethylsulfid, das beim Erhitzen mit konzentrierter Salzsäure Thiomorpholin liefert.

Auch die Reduktion von 3-Oxo- und 3,5-Dioxo-1,4-thiazan mit Lithiumaluminiumhydrid liefert Thiomorpholin.

Ein weiteres Verfahren ist die Umsetzung von Bis(2-chlorethyl)amin-Hydrochlorid beziehungsweise dessen N-substituierten Derivaten mit Natriumsulfid in alkoholischer Lösung, das Thiomorpholin beziehungsweise N-substituierte Thiomorpholine ergibt.

Andere Verfahren zur Herstellung von Thiomorpholin nutzen die thermische Spaltung von N-alkylierten Thiomorpholinen. Dabei werden Salze von N-Alkyl-, N-Cycloalkyl- und N-Aralkylthiomorpholinen als Ausgangsstoffe verwendet, die in Gegenwart eines Lösungsmittels wie Diethylenglykol oder Diphenylether auf Temperaturen über 180 °C erhitzt werden. Bei dieser Reaktion scheiden sich Thiomorpholinsalze ab, aus denen sich die freie Base mit konzentriertem wässrigem Alkalihydroxid freisetzen lässt.

Daneben sind noch weitere Verfahren bekannt.

Eigenschaften Thiomorpholin ist eine farblose bis gelbliche, klare Flüssigkeit, die mischbar mit Wasser ist.

Verwendung Thiomorpholin sowie dessen N-Alkyl- und C-Alkyl-Derivate können als Ausgangsstoff für Arzneistoffe, Vulkanisationsbeschleuniger, antikorrosive Schmierstoffadditive, Insektizide, Detergentien, Farb- und Bleichstoffe verwendet werden.

Einzelnachweise

Externe Links zu erwähnten Verbindungen

Kategorie:Azinan Kategorie:Schwefelhaltiger gesättigter Heterocyclus