mini|Ausschnitt aus dem Plan des Jacopo de’ Barbari mit dem Äußeren der Kirche und dem freistehenden Glockenturm (um 1500) mini|Beschilderung des Campo San Vio mini|Das etwas versteckte Oratorium am Rio de San Vio mini|Die Fassade des Oratoriums San Vio, auch San Vitale e Modesto, war eine Kirche im Osten des venezianischen Sestiere Dorsoduro am gleichnamigen Campo, der sich in dem Winkel erstreckt, den dort der Canal Grande und der Rio di San Vio bilden. Letzterer verbindet den Canal Grande mit dem Canale della Giudecca. Die Kirche wurde nach der im Jahr 1808 erfolgten Schließung unter den Franzosen Napoleons im Jahr 1813 abgerissen. Heute befindet sich dort ein Oratorium.
Geschichte Errichtet wurde die Kirche im Jahr 912, doch widersprechen sich die Chroniken bei der Frage, auf wessen Initiative der Bau zurückging. Wie Flaminio Corner konstatiert, so glaubte Jacopo Sansovino, das Bauwerk gehe auf die Familie Magno zurück, während Marin Sanudo neben dieser Familie die Vido als Initiatoren sehe. Eine Chronik eines anonymen Verfassers schreibe dies wiederum den Vido und Balbi zu, wobei letztere Familie kurz zuvor aus Aquileia gekommen sei.Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 428.
Als die Kirche 1312 und 1314 umgebaut wurde, soll der Senat wertvolle Säulen und Marmor aus den abgerissenen Häusern der Rebellen um Baiamonte Tiepolo beigesteuert haben.Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, n. 177, S. 108. Zur Feier des Patrons der Kirche sollte der Doge ab 1311 eine feierliche Prozession begehen; um das Anlegen des Staatsschiffs, des Bucintoro, zu erleichtern, wurden in Richtung Canal Grande einige Häuser abgerissen. 1315 erfolgten Zuwendungen für den Wiederaufbau des Campanile.
Im 15. Jahrhundert lebten bei der Kirche fromme Frauen, die als Pizzochere della Madonna di San Vio bekannt waren. Eine Patrizierin namens Maria Loredan wollte in ihrem Habit in der Kirche beigesetzt werden und überließ den Pizzochere testamentarisch zehn Golddukaten.
Früher war das Bauwerk eine Stiftskirche, doch im Jahr 1582 wurde sie von Lorenzo Campeggio und Agostino Vallerò, den Apostolischen Visitatoren, aufgrund ihrer geringen Einkünfte zu einer Pfarrkirche herabgestuft, die vom Pfarrer allein geleitet wurde. In der Gemeinde soll niemand an der Pest von 1630, wegen der Santa Maria della Salute gebaut worden ist, gestorben sein.
Unter Napoleon wurde das Bauwerk, wie zahlreiche andere Kirchen, geschlossen und im Jahr 1813 abgerissen. An seiner Stelle entstand 1864/1865Lina Urban: L’„andata“ dogale a San Vio : rituali, un quadro, una „beata“, una chiesa, in: Studi Veneziani 28 (1994) 191–202, hier: S. 191. eine Kapelle, die später ebenfalls entweiht und als private Wohnstatt umgenutzt wurde.
In der Kirche wurde 1288 die in Venedig als Selige verehrte Contessa Tagliapietra, mit deren Leben sich Flaminio Corner ausführlich beschäftigte, und 1757 die Malerin Rosalba Carriera begraben, die nicht weit entfernt gewohnt hatte.Cesare Zangirolami: Storia delle chiese dei monasteri delle scuole di Venezia rapinate e distrutte da Napoleone Bonaparte, Filippi, Venedig 1962; Studi Veneziani (1995), S. 200.
Literatur Lina Urban: L’„andata“ dogale a San Vio : rituali, un quadro, una „beata“, una chiesa, in: Studi Veneziani 28 (1994) 191–202 (im Mittelpunkt steht ein Gemälde von Matteo Ponzoni (1584–1664), das die Prozession unter dem Dogen darstellt). Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, n. 177, S. 108. Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 428–431 (ab S. 429 zum Leben der Beata Contessa Tagliapietra) (Digitalisat) Johann C. Maier: Beschreibung von Venedig, Teil I, Christian Gottlieb Hertel, Frankfurt/Leipzig 1787, S. 459 f., n. z („S. Vio, Parrochie“). (Digitalisat).
Weblinks
Chiesa dei Santi Vito e Modesto vulgo San Vio, conoscerevenezia.it
Fußnoten
Kategorie:Weltkulturerbe Venedig und seine Lagune Vio Kategorie:Kirchengebäude im Patriarchat von Venedig Venedig Venedig Kategorie:Zerstört in den 1810er Jahren Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Venetien