Woiwodschaft Ruthenien Karte Wappen und Flagge 145px|Wappen des Woiwodschaft Ruthenien 145px|Flagge des Woiwodschaft Ruthenien Basisdaten Hauptstadt: Lemberg Größere Städte: Lemberg, Chełm, Przemyśl, Sanok, Halicz Einwohner: 1.495.000 (1770) Bevölkerungsdichte: 24 Einwohner / km² Geografie Fläche: 55.200 km² Ausdehnung: Nord-Süd: bis 480 kmWest-Ost: bis 300 km Höchster Punkt: 1346 m. ü. NN Tiefster Punkt: 138 m. ü. NN Verwaltungsgliederung Kreisfreie Städte: 21 Landkreise: 13 mini| Die Woiwodschaft Ruthenien, historisch auch Rothreußen (Rotrussland) oder Rotruthenien; , , , war eine Verwaltungseinheit in der Provinz Kleinpolen des Königreichs Polen (1434–1569) bzw. der Adelsrepublik Polen-Litauen (1569–1772).

Verwaltungseinteilung

Hauptstadt war Lwów (, deutsch Lemberg), Sitz des Landtags Sądowa Wisznia (). Für die Rechtsprechung, die nach deutschem Recht erfolgte, waren die Obergerichtshöfe auf folgenden Burgen zuständig: Biecz Frysztak Sandomierz Krakau Nowy Sącz Sanok

Die Woiwodschaft bestand aus fünf Ländern:

Chełmer Land (), Hauptstadt Chełm ()

Kreis Chełm (), Hauptort Chełm Kreis Krasnystaw (), Hauptort Krasnystaw () Kreis Ratno (), Hauptort Ratno ()

Halitscher Land (), Hauptstadt Halitsch (, )

Kreis Halitsch (), Hauptort Halitsch Kreis Kolomyja (), Hauptort Kolomyja () Kreis Trembowla (), Hauptort Trembowla ()

Lemberger Land (), Hauptstadt Lemberg (, )

Kreis Lemberg (), Hauptort Lemberg Kreis Żydaczów (), Hauptort Żydaczów ()

mini|Banner des Sanoker-Przemysler Landes in der Schlacht bei Tannenberg (1410)

Przemyśler Land (), Hauptstadt Przemyśl

Kreis Przemyśl (), Hauptort Przemyśl Kreis Sambor (), Hauptort Sambir () Kreis Drohobycz (), Hauptort Drohobycz () Kreis Stryj (), Hauptort Stryj ()

Sanoker Land (), Hauptstadt Sanok

Sanoker Kreis (), Hauptort Sanok

Woiwoden

Stanisław Chodecki de Chotcza, 1466–1474 Jakub Buczacki 1497–1501 Stanisław Kmita von Wisnicz, 1500– Jan Odrowąż, 1510– Jan Amor Tarnowski, (ab 2. April 1527–1535) Stanisław Odrowąż, 1542–1545 Piotr Firlej, 1545–1553 Mikołaj Sieniawski, 1553–1569 Jerzy Jazłowiecki, 1569–1575 Hieronim Jarosz Sieniawski, 1576 Jan Daniłowicz von Olesko, 1605 Stanisław Lubomirski (von 1628 bis 1638) Jakub Sobieski, 1641– Jeremi Wiśniowiecki, (von IV 1646–1651) Stefan Czarniecki –1664 Stanisław Jan Jabłonowski, 1664– Jan Stanisław Jabłonowski, 1697–1731 August Aleksander Czartoryski, (von 1731) Stanisław Szczęsny Potocki, (von 1782 bis 1789)

Geschichte Ursprünglich waren die Grenzen Rutheniens ähnlich dem Gebiet zwischen den Flüssen (Westlicher) Bug und Wieprz. Sein polnischer Name war ziemia czerwieńska, oder „Czerwiener Land“, benannt entweder nach Czerwień (rote Farbe in polnischer Sprache), Powiat Hrubieszowski oder nach dem Namen der Stadt Czerwonograd, 300 km östlich.

Dieses Gebiet wurde im Jahr 981 erstmals urkundlich erwähnt, als Wolodymyr der Große von der Kiewer Rus das Gebiet auf dem Weg nach Zentralpolen eroberte. 1018 gehörte es zu Polen, 1031 wieder zur Rus. Ab dem Jahr 1340 nahm der polnische König Kasimir III. der Große († 1370) schrittweise Teile Rotrutheniens ein. Seither ist der Name Ruś Czerwona, wörtlich übersetzt Rotruthenien, überliefert, das bis zum Dnister ausgedehnt worden ist. Unter dem polnisch-litauischen König Władysław Jagiełło wurde Przemyśl zum Sitz der Woiwodschaft, danach wurde er nach Lemberg verlegt.

mini|Woiwodschaft Ruthenien im Königreich Polen (rot) und österreichisches Kronland Galizien (blaue Linie)

Etwa 80 % der Woiwodschaft fielen bei der ersten Teilung Polens (1772) an das Haus Österreich. Lemberg wurde Hauptstadt des neu geschaffenen Königreichs Galizien und Lodomerien und war eine der größten Städte der k. k. Monarchie. Den Norden der Woiwodschaft annektierte bei der dritten Teilung Polens (1795) Russland.

In der Zwischenkriegszeit gehörte das Gebiet zunächst zur Westukrainischen Volksrepublik und bildete nach deren Ende einen Teil der Zweiten Polnischen Republik. Seit dem Hitler-Stalin-Pakt (1939), den massiven ethnischen Säuberungen während und nach dem Zweiten Weltkrieg sowie dem Ende der Sowjetunion 1991 gehört der Osten um die Stadt Lwiw, deren mehrheitlich polnische und jüdische Bevölkerung fast vollständig vertrieben bzw. ermordet wurde, zur Ukraine, der Westen ab Przemyśl zu Polen.

Rotreußen Der Name „Rotreußen“ (altslawisch, russisch oder ukrainisch: Chervona Rus, polnisch: Ruś Czerwona, Latein: Ruthenia Rubra oder Russland Rubra) wurde seit dem Mittelalter verwendet, das Gebiet war vor dem Ersten Weltkrieg bekannt als Ostgalizien. Die Stadt Halicz hat Galizien den Namen gegeben.

Einwohnerentwicklung

Die Einwohnerzahl stieg von 943.000 im Jahr 1629 auf 1.495.000 im Jahr 1770.

Siehe auch Verwaltungsgliederung der Polnischen Adelsrepublik Ruthenien Kleinpolen Tscherwenische Burgen Geschichte Galiziens

Literatur Aleksander Jabłonowski: Ziemie ruskie. Ruś Czerwona In Polska XVI wieku pod względem geograficzno-statystycznym, Warszawska drukarnia estetyczna, Warszawa 1902, T. VII. Cz. I. (polnisch) Aleksander Jabłonowski: Ziemie ruskie. Ruś Czerwona In Polska XVI wieku pod względem geograficzno-statystycznym, Warszawa 1903, T. VII. Cz. II (polnisch) Witalij Mychajlowskyj: Russke wojewodsstwo In Entsyklopedija isstoriji Ukrajiny, Naukowa dumka, Kiew 2012, T. 9 : Прил — С, ISBN 978-966-00-1290-5. S. 396. (ukrainisch)

Weblinks Województwo Ruskie. Ruś Czerwona – Russia rubra. (polnisch)

Kategorie:Historisches Territorium (Polen) Ruthenien Ruthenien Kategorie:Aufgelöst 1772