Wu Qing (; geboren am 9. November 1937 in Peking) ist eine chinesische Feministin, frühere Hochschullehrerin und Volksabgeordnete, die durch ihren Einsatz für Frauenrechte, ländliche Bildung und rechtsstaatliche Kontrolle staatlichen Handelns bekannt wurde. Im Jahr 2001 erhielt sie für ihre Arbeit zugunsten von Frauen und Rechtsstaatlichkeit in der Volksrepublik China den Ramon-Magsaysay-Preis.
Leben und Wirken Wu Qing wuchs als Tochter der Schriftstellerin Bing Xin und des Hochschullehrers Wu Wenzao in einer bekannten chinesischen Intellektuellenfamilie auf. Im Jahr 1957 begann sie, ermutigt durch Zhou Enlai, am Pekinger Fremdspracheninstitut zu studieren, aus dem später die Pekinger Fremdsprachenuniversität hervorging. Ab 1960 lehrte sie dort Englisch und später auch Amerikanistik, im Jahr 2000 zog sie sich aus der universitären Lehre zurück. In den späten 1970er-Jahren wurde sie als Fernsehdozentin für Englisch bekannt. Ein Programm zu Community Leadership am Massachusetts Institute of Technology führte sie in die politische und zivilgesellschaftliche Arbeit. 1984 wurde sie erstmals in den Volkskongress des Pekinger Bezirks Haidian gewählt, in dem sie die Universität vertrat. Sie übte mehrere Amtszeiten als gewählte Vertreterin in einem Bezirksvolkskongress in Peking aus. Neben ihren Bezirksmandaten gehörte sie dem Pekinger Volkskongress auf kommunaler Ebene an.
Wu Qing verstand ihr Mandat nicht als bloße Zustimmung zu staatlichen Vorgaben, sondern als Aufgabe zur Kontrolle von Regierungshandeln anhand von Gesetzen und Verfassung. Sie hielt wöchentliche Bürgersprechstunden ab, nahm Beschwerden aus ihrem Wahlkreis auf und nutzte dabei eine von ihr ständig mitgeführte Verfassung als Arbeitsgrundlage. Im Jahr 1988 gehörte sie zu den ersten Abgeordneten, die in einem Volkskongress mit Nein stimmten, was damals als seltenes öffentliches Zeichen der Ablehnung galt. Nach ihrer Unterstützung der Studentenbewegung von 1989 sollte sie nicht erneut kandidieren, wurde jedoch von Wählern nominiert und gewann ihr Mandat zurück. 1985 gründete sie das Forum für Frauenstudien, das zu den frühen nichtstaatlichen Organisationen Chinas gezählt wird. Über dieses Forum arbeitete sie zu Frauenfragen, förderte Gender-Bewusstsein und half 1989, einen der ersten universitären Kurse Chinas zu Feminismus aufzubauen. Mit Kolleginnen in Peking richtete sie zudem einen Telefondienst zu Familienplanung, Kinderbetreuung, sexueller Belästigung und Scheidung ein. Für Frauen aus ländlichen Regionen setzte sie auf Alphabetisierung, berufliche Qualifizierung, Rechtsbildung und Kleinkreditprojekte. 1999 half sie beim Aufbau eines Trainingszentrums, in dem Landfrauen und Mädchen ohne Schulabschluss Fähigkeiten zur wirtschaftlichen Selbstständigkeit erwerben sollten. Es gab einen Kurs an der Ausbildungsschule für ländliche Frauen in Peking, in dem Wu Qing Frauen aus zwölf Provinzen zugleich unternehmerisch und staatsbürgerlich unterrichtete. Teil ihrer Bildungsarbeit war der Aufruf an Frauen, lesen zu lernen, zu wählen und selbst bei Wahlen anzutreten. Würdigung erhielt sie 2001 mit dem Ramon-Magsaysay-Preis, dessen Stiftung ihre wegweisende Arbeit für Frauen und Rechtsstaatlichkeit hervorhob. Sie gilt als eine führende Persönlichkeit der chinesischen Frauenbewegung, die Fonds für die Bildung von Frauen in ländlichen Regionen eingerichtet hat. Sie war die erste chinesische Frau, die den Preis erhielt.
Einzelnachweise
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