mini|hochkant|Titelseite des Buches "Die Transvestiten"

Die Transvestiten: Eine Untersuchung über den Erotischen Verkleidungstrieb ist ein historisches Buch zu den trans-Themen Crossdressing und Transvestitismus des deutschen Sexualwissenschaftlers Magnus Hirschfeld aus dem Jahr 1910. Durch das Werk prägte Hirschfeld einerseits den Begriff Transvestit für Personen, die Kleidung eines anderen Geschlechts tragen, und machte andererseits Transgeschlechtlichkeit bekannter.

Hintergrund Hirschfeld war selbst schwul und kleidete sich gelegentlich als Frau; unter anderen Berliner Crossdressern war er als „Tante Magnesia“ bekannt. Die Transvestiten gilt als das bedeutendste und maßgebliche Werk zum Thema Transvestitismus seiner Zeit. Das Buch handelt zwar vom Crossdressing, befasst sich aber eindeutig auch mit Menschen, die transgeschlechtliche Gefühle haben und heute wahrscheinlich unter diesen Begriff fallen würden.

Inhalt Die Transvestiten beinhaltet Erfahrungsberichte von Transvestiten und trans Personen, Hirschfelds Kommentare zu diesen Fällen sowie theoretische Überlegungen auf der Grundlage dieser Beobachtungen. Insgesamt sind in dem Werk 17 Berichte enthalten, in denen Personen teilweise selbst erzählen, wie sie sich nicht ihrem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht entsprechend kleiden und leben. Von den Erfahrungsberichten stammen 16 von Personen, denen das männliche Geschlecht bei der Geburt zugewiesen wurde und ein Bericht einer Person, der das weibliche Geschlecht zugeschrieben wurde. In dem Buch wollte Hirschfeld Transvestismus und Transgeschlechtlichkeit von anderen Formen sexueller und/oder geschlechtlicher Vielfalt unterscheiden, wie Homosexualität und Paraphilien wie Fetischismus und Sadomasochismus.

Vermächtnis Die Originaldaten zu den in dem Buch beschriebenen Fällen wurden 1933 von den Nazis vernichtet, als sie Hirschfelds Institut für Sexualwissenschaft in Berlin niederbrannten. Das Werk selbst ist heutzutage sehr selten und Besitz weniger Bibliotheken, da vermutlich viele Exemplare im Nationalsozialismus zerstört wurden.

Hirschfeld war ein früher Unterstützer von trans Menschen, und sein Kollege Harry Benjamin wurde Mitte des 20. Jahrhunderts zu einem wichtigen Fürsprecher der trans Community. Benjamin führte die in Die Transvestiten vorgebrachten Argumente weiter, die darauf abzielten, Transgeschlechtlichkeit als eigenständiges Konzept zu etablieren, das sich von Homosexualität, Fetischismus oder Psychopathologie unterscheidet.

Auszüge aus dem Buch bilden das zweite Kapitel von The Transgender Studies Reader, einem 2006 erschienenen Sammelband, herausgegeben von Susan Stryker und Stephen Whittle. Die Sammlung war wegweisend auf dem Gebiet der Transgender-Studien und wurde 2007 mit dem Lambda Literary Award für Transgender-Literatur ausgezeichnet. Der Leser vergleicht Hirschfelds Schriften mit anderen frühen klinischen Werken zu Transgender-Themen, darunter die von Richard von Krafft-Ebing, Karl von Westphal, Max Marcuse und Havelock Ellis.

Einzelnachweise

Kategorie:Sachbuch (Medizin) Kategorie:Transgeschlechtlichkeit Kategorie:Crossdressing Kategorie:Magnus Hirschfeld Kategorie:1910 Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur im Deutschen Kaiserreich Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert)