Die Geschichte vom verlogenen Kaufmann ist ein indisches Märchen und ein buddhistisches Jataka (218: Kūṭavāṇija-Jātaka).Johannes Mehlig (Hrsg.): Buddhistische Märchen, Drei Lilien Verlag, Wiesbaden 1982, S. 265–300, 520–521. Aus dem Pāli übertragen und kommentiert von Johannes Mehlig.

Handlung Als der Bodhisattva einmal in der Familie eines Ministers wiedergeboren und herangewachsen war, wurde er Richter. Damals waren zwei Kaufleute miteinander befreundet und der eine gab dem anderen fünfhundert Pflugscharen zur Aufbewahrung. Dieser verkaufte die Pflugscharen jedoch, behielt das Geld und erzählte dem einen, dass Mäuse sie aufgefressen hätten. Da nahm der eine den Sohn des anderen zum Baden mit, sperrte ihn ein und erzählte dem anderen, dass ein Habicht ihn ergriffen hätte, woraufhin sie zum Kadi gingen. Vor diesem meinte der andere, dass ein Habicht keine Knaben rauben könne und als der Bodhisattva den einen darüber befragte, entgegnete der, dass dies so sehr möglich wäre, wie Mäuse, die eiserne Pflugscharen auffressen. Da hieß der Bodhisattva die Kaufleute an, einander das ihre wiederzugeben.

Hintergrund Das Märchen entspricht dem Jataka 218 (Kūṭavāṇija-Jātaka) und erhielt in Johannes Mehligs Buddhistische Märchen (Wiesbaden 1982) den deutschen Titel Die Geschichte vom verlogenen Kaufmann. Varianten finden sich im Panchatantra (I. Buch, 21. Erzählung), in der Śukasaptati (38. Erzählung) und im Tuti-Nameh – Das Papageienbuch (I, 67, Rosen). In letzterem Werk in der Geschichte vom Goldschmied und dem Tischler wird ein Schatz geraubt und der Goldschmied zahlt dem Tischler seine Hälfte nicht vollständig aus, woraufhin dieser zwei junge Bären, mittels einer dem Goldschmied ähnelnden Figur, so abrichtet, dass sie den Goldschmied mit Nahrung in Verbindung bringen. In der Folge erkennt der Kadi in den bettelnden Bären die beiden entführten Söhne des Goldschmieds, sodass dieser den Tischler beiseite nimmt und ihm, im Tausch für seine Söhne, den Rest seiner Hälfte des Schatzes auszuzahlen verspricht.Georg Rosen: Tuti-Nameh – Das Papageienbuch, Insel-Verlag, Leipzig 1972, S. 50–59.

Weitere Varianten aus der arabischen Übersetzung finden sich in Philipp Wolffs Das Buch der Weisen des indischen Philosophen Bidpai (Stuttgart 1839, I, S. 98 ff.), Symeon Seths Stephanites kai Ichnēlatēs (1080, Berlin 1697, reprinted in Athen 1851, S. 33, Griechisch) und Johann von Capuas Directorium Humanae Vitae (Kapitel e, 4, Latein). In Else Lüders’ Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien (Düsseldorf / Köln 1961) bekam das Märchen den Titel Die von Mäusen gefressene Pflugschar.Else Lüders (Ausw. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1961, S. 307–309.

Literatur Johannes Mehlig (Hrsg.): Buddhistische Märchen, Drei Lilien Verlag, Wiesbaden 1982, S. 265–300, 520–521. Aus dem Pāli übertragen und kommentiert von Johannes Mehlig. Else Lüders (Ausw. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1961, S. 307–309. Georg Rosen: Tuti-Nameh – Das Papageienbuch, Insel-Verlag, Leipzig 1972, S. 50–59.

Einzelnachweise

Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Indische Literatur Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Märchen Kategorie:Jātaka