mini|Das sanierte Gutshaus des Ritterguts Oberulbersdorf (2016) mini|Colorierte Lithografie des Rittergutes Ulbersdorfes aus Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Rechts zu sehen ist das Herrenhaus (Schloss) in seinem baulichen Zustand vor dem historistischen Umbau von 1896, der Turm ist noch nicht da. Das Rittergut Ulbersdorf (umgangssprachlich auch Schloss Ulbersdorf) befindet sich im gleichnamigen Ortsteil Ulbersdorf und gehört zur Stadtgemeinde Hohnstein im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge in Sachsen.

Geschichte

15. bis 16. Jahrhundert: Die Ursprünge unter der Familie von Hermsdorf Das Rittergut wurde erstmals um 1433 oder 1443 urkundlich erwähnt. Es befand sich von Beginn an und fast zwei Jahrhunderte lang durchgehend im Besitz der alteingesessenen Adelsfamilie von Hermsdorf. Im nächsten Jahrhundert wurde erst Wolf von Hermsdorf 1534 und dann Hans von Hermsdorf 1560 als Besitzer in den Aufzeichnungen jener Zeit genannt. Als die Familie von Hermsdorf dort herrschte, wurde vermutlich der ursprüngliche Schlossbau (das Herrenhaus) des Ritterguts errichtet.

17. Jahrhundert: Spaltung, Brände und Wiedervereinigung Nach dem Tod von Haugk von Hermsdorf zerspalteten seine Erben 1609 das Gut in zwei separate Teile: Oberulbersdorf, das an Caspar von Hermsdorf fiel, und Unterulbersdorf, das auch Niederulbersdorf genannt wurde. Zwei Jahre später wurde das ursprüngliche Schloss in Oberulbersdorf Opfer eines verheerenden Brandes und musste auf den Kellerresten neu aufgebaut werden. Ebenfalls im Jahr 1611 hinterließ Heinrich von Hermsdorf seine Spuren im Untergut. Bis heute prangt an der massiven Hofscheune sein Name und der seiner Frau Elisabeth mit der Jahreszahl 1611. 1622 verkaufte Caspar von Hermsdorf das Gut Oberulbersdorf an Christoph von der Sahla. Dessen Familie hielt den Besitz bis 1647, als es in den Besitz von Hans von Liebenau überging. 1659 erwarb Siegfried von Lüttichau Oberulbersdorf. Dieser Zeitpunkt markierte den Beginn einer über 200-jährigen Ära der Familie von Lüttichau. Sein Sohn, der kurfürstliche Landrat Hannibal von Lüttichau, kaufte auch das Rittergut Niederulbersdorf hinzu. Damit waren beide Gutsteile nach über 80 Jahren wieder unter einem Herrn vereint.

18. bis 19. Jahrhundert: Kulturelle Blüte und Umbauten In den Jahren von 1716 bis 1748 betätigte sich Hannibal von Lüttichau als großer Wohltäter der örtlichen Gemeinde. Er stiftete der Kirche 1716 einen silbernen Kelch samt Hostienschachtel und richtete ab 1739 mehrere großzügige finanzielle Legate für Predigten und die Armenversorgung ein. 1820 fanden am Schlossgebäude umfassende architektonische Umbauten statt. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (Vormärz) befand sich das Gut im Besitz des Geheimrats Wolf Adolf August von Lüttichau, dem Generaldirektor des Königlichen Hoftheaters in Dresden. Er und vor allem seine Frau, Ida von Lüttichau (1798–1856), nutzten das Gut als Rückzugsort. Ida von Lüttichau war eine bedeutende Figur des Dresdner Kulturlebens und stand im engen Austausch mit Künstlern wie Richard Wagner und Ludwig Tieck. Der Ulbersdorfer Zweig der Familie Lüttichau starb 1889/1890 aus, da es keine Nachkommen gab. Danach ging das Gut 1893 in den Besitz von Alexander von Gontard über. Während das Gut dieser Familie gehörte, wurde dem Schlossgebäude 1896 der markante Turm hinzugefügt, der bis heute sein Aussehen prägt.

20. Jahrhundert: Enteignung und DDR-Zeit Im neuen Jahrhundert (1900) kaufte Fritz Heller das Rittergut und verpachtete es in den folgenden Jahren. Von 1930 bis 1945 verblieb das Rittergut im Besitz der Familie Gontard, nachdem die Nationalsozialisten den Eigentümer Fritz Heller erst verfolgt und dann enteignet hatten. 1939 kaufte die „Sächsische Bauernsiedlung GmbH“ das Anwesen, ließ es jedoch zunächst leer stehen. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges meldete der Zirkus Sarrasani Interesse an, das Gut als sichere Lagerstätte zu nutzen. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg (1945) nutzten verschiedene Firmen, darunter auch Siemens, das Schloss bis 1946 für ausgelagerte Betriebsteile. Im Zuge der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone wurde die Familie enteignet. Ein Teil der landwirtschaftlichen Gebäude des Ritterguts wurde dann abgerissen. In der Zeit der DDR blieb das Herrenhaus (Schloss) erhalten, wurde jedoch zweckentfremdet. Es entstanden Mietwohnungen; die Gemeindeverwaltung, eine Schulküche und eine Turnhalle zogen zusätzlich ein. Der historische Schlosspark wurde in private Kleingärten parzelliert. Es gab Wohnungen für Mieter und Zimmer für Feriengäste. Durch rustikale Umbauten ging der historische Glanz im Inneren jedoch zunehmend verloren. Zuletzt stand das Gebäude komplett leer und verfiel zusehends.

Seit 1990: Sanierung und neues Leben Nach der Wende erfolgten von 1992 bis 1993 umfassende Sanierungsarbeiten am Schloss. Auch der Schlosspark wurde wieder in seinen historischen Zustand versetzt. Im Jahr 2000 wurde die mächtige steinerne „Hofescheune“ aus dem Jahr 1611, das letzte verbliebene Gebäude des ursprünglichen Ritterguts Niederulbersdorf, aufwendig restauriert. Sie befindet sich heute im Besitz eines Bauunternehmens. 2020 begann eine erneute Umgestaltung von Schloss und Gutspark. Es entstanden Ausstellungsräume und ein Skulpturenpark. Ein besonderer Fokus liegt heute darauf, das Andenken an Ida von Lüttichau und die Werke des Bildhauers Horst Weiße zu ehren. Das Herrenhaus dient heute als Mehrzweckgebäude und ist lebendiger Mittelpunkt der Gemeinde; es beherbergt unter anderem eine Kindertagesstätte, Wohnungen und Räume der Gemeindeverwaltung.

Literatur Gustav Adolf Poenicke: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. II. Section: Meissener Kreis. Leipzig 1856. S. 182–183. Albert Schiffner: Handbuch der Geographie, Statistik und Topographie des Königreichs Sachsen. Leipzig 1839. S. 317. Alfred Meiche: Historisch-topographische Beschreibung der Amtshauptmannschaft Pirna. Dresden 1927. S. 356–358. Cornelius Gurlitt: Beschreibende Darstellung der Bau- und Kunstdenkmäler (1904). S. 289–291. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser: (Verschiedene Jahrgänge, bes. zur Familie von Lüttichau). Jean Mondot, Pascale Dumont (Hrsg.): Ida von Lüttichau. Eine Frau der Romantik. (Beiträge zur Geschichte des sächsischen Adels).S. 74–79. Ida von Lüttichau: Tagebücher. (Verschiedene Ausgaben, oft in Auszügen veröffentlicht). Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler: Sachsen I. Regierungsbezirk Dresden. Deutscher Kunstverlag, München 1996.

Weblinks

Rittergut Oberulbersdorf auf der Website Sachsens Schlösser. Bestand 10611: Grundherrschaft Ulbersdorf auf der Archivseite des Bundeslandes Sachsen.

Kategorie:Rittergut in Sachsen Kategorie:Bauwerk in Hohnstein (Sächsische Schweiz)