mini|Steinar Schjøtt (1844–1920), Foto von Ludwik Szaciński († 1894) Steinar Schjøtt, getauft als Stener Johannes Stenersen Schjøtt, (* 13. November 1844 in Porsgrunn; † 10. Januar 1920 in Kristiania (Oslo)) war ein norwegischer Pädagoge, Philologe, Redakteur, Übersetzer, Lehrbuchautor und Lexikograf. Neben seiner Berufstätigkeit als Gymnasiallehrer schrieb er Artikel für eine Reihe kurzlebiger Zeitschriften, die sich für die Verbreitung des (damals Landsmål genannten) Nynorsk einsetzten. Die von ihm auf der Grundlage des Dialekts von Telemark entwickelte Sprachnorm verbesserte den von Ivar Aasen aufgestellten Standard in Richtung besserer Verständlichkeit. Sie war unter den Landsmål-Anhängern (den „Maalmannen“) zunächst umstritten, wurde jedoch später allgemein anerkannt und zur Dichtersprache Arne Garborgs, der mit Schjøtt seit ihrer gemeinsamen Arbeit als Redakteure der Zeitschrift Fedraheimen eng befreundet war.

Ab den 1870er Jahren bereicherte Steinar Schjøtt die in Landsmål vorhandene Literatur durch die Übersetzung der Heimskringla Snorri Sturlusons und durch selbstverfasste Lehrbücher der Geschichte Norwegens bzw. der Weltgeschichte seit 1789. Danach schuf er mit dem Dansk-norsk ordbog (1909) das erste umfassende Wörterbuch zur Übersetzung dänischer Wörter in ihre Landsmål-Entsprechungen und danach ein Norsk ordbog (1914) für die Übertragung in die Gegenrichtung.

Leben

Familie Steinar Schjøtts Vorfahren auf der Vaterseite stammen aus dem dänischen Jütland. Der Urgroßvater war 1722 Augenzeuge der öffentlichen Hinrichtung von Graf Struensee vor den Toren Kopenhagens. Der Großvater, Kapitän Niels Madsen Schjøtt, wanderte 1808 mit seiner Familie nach Norig bei Kristiansand aus. Der Vater wurde nach dem Theologiestudium Pfarrer in Hægebostad, in Dypvåg (heute Tvedestrand), Porsgrunn und zuletzt in Skien.

Von den vier Kindern des Pfarrers Ole Herstad Schjøtt (1805–1848) und der Anne Jacobine Olrog (1801–1882) wurden drei in Dypvåg geboren: Peter Olrog Schjøtt (1833–1926) wurde Professor für Klassische Philologie und Minister in der Regierung Sverdrup. (Er heiratete die Schriftstellerin Mathilde Schjøtt und wurde Vater zweier Töchter, die Norwegens erste Richterin bzw. erste Beamtin wurden.) Josefine Schjøtt (1837–1914) heiratete den Theologen und Philosophen Erik Frederik Barth Horn. (Ihre Tochter Marie Moestue wurde als Komponistin und Musikkritikerin bekannt.) Zu Claudine Schjøtt (* 1840) hatte der vier Jahre jüngere Steinar während seiner Kindheit einen besonders engen Kontakt.

Der jüngste Sohn wurde in Porsgrunn geboren und am 25. Dezember 1844 auf den Namen Stener Johannes Stenersen getauft, nach dem Professor für Theologie an der Universität Kristiania, bei dem Vater Ole studiert hatte und den er sehr verehrte. Als sich Stener als junger Mann für die norwegische Sprache und Kultur zu begeistern begann, änderte er seinen dänischen Vornamen in die norwegische Form Steinar. In seinen späteren Jahren schrieb er sich zudem nur noch S. Schjøtt.

Kindheit und Jugend mini|Steinar Schjøtt, in jüngeren Jahren Stener war ein Jahr alt, als sein Vater 1845 versetzt wurde und mit der Familie nach Skien umzog. Hier verbrachte Stener Kindheit und Jugend als Halbwaise; Vater Ole starb bereits 1848. Noch 1865, als Steinar bereits als Student in Vestre Aker wohnte, war er in Skien amtlich gemeldet.

Steinar Schjøtt schloss 1862 die Lateinschule in Skien mit dem Examen artium und der Note med Laud (mit Lob) ab. Im folgenden Jahr wurde er vom Kommandanten F. D. Werenskiold in Kongsvinger als Hauslehrer angestellt. Anschließend begann er ein Philologiestudium an der Universität Kristiana. Im Juni 1870 beendete er das Studium durch die Ablegung der sprachlich-historischen Staatsprüfung (Embetseksamen) med Laud und erhielt den akademischen Titel Cand. philol. (Kandidat der Philologie; entspricht dem Master).

Berufsleben Steinar Schjøtt war als Gymnasiallehrer an verschiedenen Schulen tätig, ab 1870 an Heltbergs studentfabrikk in Kristiania, ab 1871 an einer Privatschule in Levanger, ab 1873 als Klasselærer an der Kristiansand katedralskole. Am 19. August 1874 wurde er Adjunkt an der offentlige højere Skole in Fredrikshald (heute Halden) und am 12. September 1893 zum Overlærer an Skiens højere Skole ernannt.

Oberlehrer mit Zuordnung zum Gymnasium in Skien blieb er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1909. Allerdings war er ab 1899 vom Unterricht freigestellt, um in Kristiania an seinem Wörterbuchprojekt arbeiten zu können. Die staatliche Unterstützung erfolgte also nicht durch die direkte Auszahlung eines Staatsstipendiums an Schjøtt, sondern durch die Bezahlung eines Vikars, der an seiner Stelle den Unterricht erteilte.

Steinar Schjøtt war gerne Lehrer. Er unterrichtete Griechisch, Latein, Englisch, Dänisch-Norwegisch (Riksmål) und Geschichte. „Streng und konsequent in seinen Anforderungen an die Schüler, hatte er zugleich ein besonderes Gespür dafür, sie für sich zu gewinnen.“ „Er war ein wahrer Meister darin, die alten Sprachen zum Leben zu erwecken, sodass die Schüler sowohl für den Lehrer als auch für das Fach Begeisterung entwickelten. Er war voller Witz und hatte die Gabe, Worten mehr Saft und Kraft zu verleihen.“

Eine lebhafte Ausdrucksweise zeichnet auch Schjøtts Lehrbücher aus. Er selbst berichtete gelegentlich, dass er Lehrer in sieben Sprachen gewesen sei und Bücher in der achten geschrieben habe. Die achte Sprache war natürlich Landsmål; zu den sieben anderen Sprachen zählten neben den vier schon genannten noch Altnorwegisch, Deutsch und Französisch.

Ehemann und Vater mini|Steinar Schjøtt, Foto vor 1894 Als Lehrer in Levanger lernte Steinar Schjøtt seine Lebensgefährtin kennen, die er am 2. August 1873 in der Kirche von Byen heiratete. Olivia Christiane Sophie Nissen (* 4. November 1849 in Ullensaker; † 13. Februar 1948 in Drøbak) war die Tochter des Oberarztes Michael Carl Christian Nissen (* 1811) und der Sophie Margrethe Knoff (* 1821).

Das Ehepaar hatte vier Kinder, die Söhne Arne (* 1875) und Finn (* 1886) und die Töchter Helga (* 1878) und Anne Jakobine (* 1888), die alle während seiner Zeit als Lehrer in Fredrikshald (1874–1893) geboren wurden. Sohn Arne wurde nach einer Offiziersausbildung Zollbeamter; Helga arbeitete als „Stenograf“ bei einer Versicherungsgesellschaft; Finn studierte Forstwirtschaft und wurde Förster in Kongsvinger.

Fredrikshald, Skien, Kristiania Während dieser 19 Jahre in Fredrikshald mit „magerem Lehrersalär“ (Garborg) erwarb sich Schjøtt einen nachhaltigen Ruf als Pädagoge und er engagierte sich auch öffentlich. Der Storting wählte ihn 1881 zum Stellvertretenden Leiter der örtlichen Zweigstelle von Norges Bank. 1884 wurde er Leiter, als solcher 1890 wiedergewählt und er blieb es bis 1893. 1881 kandidierte er als Wahlmann für die Venstre. Über dies und über seine Wahl in die Norges Bank geriet er in eine heftige Polemik mit dem Herausgeber der lokalen Zeitung Smaalenenes Amtstidende, O. A. Dietz.

In der nahegelegenen Gemeinde Berg (1967 nach Fredrikshald eingemeindet) kaufte Schjøtt den Bauernhof Haldi in Nordli (Grønnerød) und beschäftigte zwei schwedische Dienstmädchen (vermutlich Schwestern). Als er 1893 auf die Stelle eines Oberlehrers nach Skien wechselte, der Stadt seiner Kindheit, erwarb er erneut ein Haus, mit einem Garten, in dem er sich gerne betätigte. Er hatte „offenbar ernsthaft vor, sich zur Ruhe zu setzen.“

Aber die Arbeit am Wörterbuch, die seine Anwesenheit in den gelehrten Kreisen der Hauptstadt erforderlich machte, hatte Vorrang. Nach seiner Freistellung 1899 mietete Schjøtt für die Familie ein kleines Haus in Kristiania kjøpstad, gelegen in einem Wäldchen („Fuglehaugen“) an der Professor Dahls gade 48. Später (spätestens 1910) zogen die Schjøtts um in die Eilert Sundts gate 11.

Unruhige Altersjahre mini|Hulda und Arne Garborg, mit Steinar Schjøtt über vier Jahrzehnte befreundet (Foto um 1890.) 1914 zog das Ehepaar in die „ruhige und gemütliche kleine Stadt“ Kongsvinger um, in der Steinar fünfzig Jahre zuvor als Hauslehrer gearbeitet hatte. Sie bezogen den alten Gutshof Tråstad, direkt am Tråstad-Sund gelegen, „mit einem baumreichen Garten vor dem Fenster“. Der siebzigjährige Steinar hatte bereits gesundheitliche Probleme, und litt u. a. an Grünem Star.

1915 zog das Ehepaar erneut um und mietete ein kleines, preiswertes Haus in Hvalstad in Asker. Sie wurden damit unmittelbare Nachbarn von Arne und Hulda Garborg, mit denen sie bereits seit Jahrzehnten eng befreundet waren. Arne Garborg widmete sein Werk „Knudaheibrev“ (1902) dem „Oberlehrer S. Schjøtt“ und die darin enthaltenen Briefe sind an „Du, Steinar“ adressiert. Garborg erklärte oft, dass Schjøtt großen Einfluss auf die Sprachform und den Stil in seinen Werken gehabt habe.

Er beschrieb auch seinen Freund Steinar als einen Gesprächspartner, der niveauvollen Humor besaß: „Er erzählte klar und klug und hatte wie üblich jede Menge Anekdoten und Aphorismen auf Lager, die besonders witzig wirkten, so wie er sie vortrug, mit einem verschmitzten Lächeln und einem verschmitzten Augenzwinkern, wenn es witzig wurde.“

In Asker half Schjøtt Garborg bei der Übersetzung der altgriechischen Odyssee ins Landsmål. Schjøtts profunde Kenntnis beider Sprachen war sehr hilfreich, und obwohl die Arbeit anstrengend und zeitraubend war, konnte die Übersetzung bereits 1918 erscheinen. Während Garborg im Vorwort behauptet, dass Schjøtt ihn zu dieser Arbeit ermutigt habe, meinte Schjøtt, es nur Garborg zuliebe getan zu haben: „Hätte nie gedacht, dass das ganze Werk fertiggestellt werden würde. Ich dachte vielleicht an ein paar Gesänge.“

Als der frisch verheiratete Sohn der Schjøtts in Asker ein Haus suchte, überließen ihm die Eltern das ihrige. 1917 kaufte Steinar Schjøtt (zum dritten Mal) ein Haus, „Granholt“, in Stabekk (Gemeinde Bærum). Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich und er musste sich ein paar Mal operieren lassen. An seinem 75. Geburtstag im November 1919 wurde er durch Besucher und Glückwünsche gefeiert; die der Studentenvereinigung nahm er mit besonderer Freude entgegen.

Im folgenden Januar musste er wieder einmal zu einer Operation ins Krankenhaus. Aus der Narkose sollte er nicht mehr erwachen. Am 16. Januar 1920 wurde er am Friedhof von Østre Bærum beigesetzt.

Werk Målmann mini|Ivaar Aasen, von dessen Landsmål-Norm Schjøtt ausging und sich entfernte Die von Ivar Aasen ab den 1830er Jahren angestoßene Bewegung für eine Erneuerung der norwegischen Schriftsprache war – wie die Kämpfe um Autonomie im Verhältnis zur Schwedischen Krone und um Kompetenzen für die parlamentarische Volksvertretung – ein Ausdruck des nationalen Patriotismus. Für Aasen und seine engen Gefolgsleute ging es darum, „eine Verbindung zwischen dem neuen und dem alten Norwegen herzustellen“. Die neue Sprache, das Landsmål, sollte sich an den norwegischen Dialekten orientieren, und zwar an jenen, die dem Altnordischen am ähnlichsten waren. Das waren die Dialekte von Hardanger, Voss und Sogn.

Für die jüngere Generation, deren Ansichten sich in der Folge durchsetzen sollten, stand dagegen die sprachliche Einheit des Landes im Mittelpunkt, „und für diese Vereinigungsarbeit war vor allem eine leichte, klare, natürliche, moderne norwegische Sprache erforderlich.“ Dies schloss die Verwendung archaischer Formen aus, die in den meisten Landesteilen nicht mehr verständlich waren. Vorbilder waren jetzt jene Regionen, deren Dialekte im ganzen Land am besten verstanden wurden, weil sie – geografisch zentral gelegen – auch sprachlich zwischen den randständigen Landesteilen vermittelten. Das wichtigste Midlandsmål (Mittellandsprache) war Telemål, der Dialekt von Telemark.