Die Geschichte vom Schoß ist ein indisches Märchen und ein buddhistisches Jataka (67: Ucchanga-Jātaka).Johannes Mehlig (Hrsg.): Buddhistische Märchen, Drei Lilien Verlag, Wiesbaden 1982, S. 135–136, 509–510. Aus dem Pāli übertragen und kommentiert von Johannes Mehlig.

Handlung Einst hatten in einem Wald im Land Kosala Räuber Leute ausgeplündert und waren danach geflüchtet. Die Häscher fanden daraufhin am Rand des Waldes drei Bauern, die ihr Feld bewirtschafteten, hielten diese für die Räuber und brachten sie zu ihrem König. Da erschien eine Frau, die um den Palast herumlief und dabei klagte: „Gebt mit eine Bedeckung!“ Der König hörte dies und wies seine Untertanen an, ihr ein Gewand zu bringen. Die Frau aber hatte die Bedeckung durch einen Gatten gemeint, also ließ der König sie zu sich rufen. Sie erzählte ihm, dass eine Frau ohne einen Gatten nackt sei, worüber der König erfreut war, und als sie ihm mitteilte, dass die drei Bauern ihr Gatte, ihr Bruder und ihr Sohn seien, gewährte er ihr, einen von ihnen mitzunehmen. Die Frau wählte daraufhin ihren Bruder aus und erklärte dem nachfragenden König, dass sie noch einen Gatten finden, einen Sohn bekommen, aber nicht noch einen Bruder erhalten könne, da ihre Eltern bereits tot seien, worüber der König so hocherfreut war, dass er die drei Bauern freiließ.

Hintergrund Das Märchen entspricht dem Jataka 67 (Ucchanga-Jātaka) und erhielt in Johannes Mehligs Buddhistische Märchen (Wiesbaden 1982) den deutschen Titel Die Geschichte vom Schoß. Ähnlicher Stoff findet sich bei Herodot III, 19, wo Darius den Intaphernes samt allen Verwandten festnimmt und auf das Klagen der Frau des Intaphernes hin ihr freistellt, einen Verwandten vor dem Tod zu bewahren. Wie hier erwählt sie mit derselben Begründung ihren Bruder. Die Verse 905–913 des Werks Antigone von Sophokles seien nach Mehlig unzweifelhaft auf Herodot zurückzuführen. In Else Lüders’ Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien (Düsseldorf / Köln 1961) bekam das Märchen den Titel Der Wert eines Bruders.Else Lüders (Ausw. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1961, S. 305–307.

Literatur Johannes Mehlig (Hrsg.): Buddhistische Märchen, Drei Lilien Verlag, Wiesbaden 1982, S. 135–136, 509–510. Aus dem Pāli übertragen und kommentiert von Johannes Mehlig. Else Lüders (Ausw. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1961, S. 305–307.

Einzelnachweise

Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Indische Literatur Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Märchen Kategorie:Jātaka