mini|Abel Grimmer – Winterlandschaft mit Schlittschuhläufern vor dem Sankt-Georgs-Tor, Antwerpen (1615). Ex-Christie’s, London Abel Grimmer (* nach 1570, laut Roberts-Jones 1573 in Antwerpen; † vor September 1619 bzw. nach 1621 ebenda) war ein flämischer Maler und Zeichner. Möglicherweise war er auch als Architekt tätig. Er gilt als einer der bedeutendsten Landschaftsmaler der südlichen Niederlande um 1600 und ist bekannt für seine kleinformatigen Darstellungen der vier Jahreszeiten und der Monatsbilder, die im Geiste der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen flämischen Tradition entstanden sind.

Leben mini|Abel Grimmer – Eislaufen im Stadtgraben bei dem Sankt-Georgs-Tor, Antwerpen, 1602, Königliche Museen der Schönen Künste in Brüssel Abel Grimmer entstammte einer Antwerpener Malerfamilie; er war der Sohn des Malers Jacob Grimmer und der Bruder von Abraham Grimmer. Die in der älteren Literatur bisweilen genannte Jahreszahl 1575 als Geburtsjahr lässt sich anhand einer bereits 1588 datierten und signierten Zeichnung sowie weiterer zeitlich fixierbarer Belege ausschließen. Abel Grimmer verbrachte sein Leben in Antwerpen, wo er von seinem Vater in der Malerei ausgebildet wurde. Am 29. September 1591 heiratete er Catharina Lescornet. Im Jahr 1592 wurde er in der Rubrik der Meistersöhne als Maler in die Antwerpener Lukasgilde aufgenommen. Laut einem Eintrag derselben Gilde war seine Ehefrau bereits vor September 1619 Witwe. Dies steht jedoch im Widerspruch zu einigen in den frühen 1620er Jahren datierten und signierten Gemälden. Rund 220 gesicherte und 45 zugeschriebene Gemälde (nach Bertier de Sauvigny, 1991) zeugen von einem quantitativ erfolgreichen Künstlerleben, das jedoch nur in geringem Maß in öffentlichen Sammlungen vertreten ist.

Werk Abel Grimmer bevorzugte kleinformatige Landschaften in für die Zeit typischen Rund- und Achteckformaten sowie das narrative Breitformat. Datierte Werke reichen von 1591 (Turmbau zu Babel) bis in die frühen 1620er Jahre (Zwölf Monatsbilder, 1621; Kircheninterieur; Winterlandschaft). Die Landschaften erscheinen sowohl als Einzelstudien als auch als mehrteilige Serien von Monats- und Jahreszeitenbildern, darunter Pendants und Einzelgemälde, deren Staffagefiguren jahreszeitentypische Tätigkeiten des Dorflebens zeigen oder auf biblische Themen rekurrieren. Grimmers Vorbilder waren vor allem die Werke seines Vaters, daneben Pieter Bruegel der Ältere und Hans Bol, deren Einfluss durch Druckgraphiken vermittelt wurde. Die zwölf Monatsbilder von 1592 basieren auf Kupferstichen von Adriaen Collaert nach Hans Bol, die Jahreszeitenbilder von 1607 auf Druckgraphiken von Pieter van der Heyden nach Pieter Bruegel dem Älteren. Darüber hinaus übertrug Abel Grimmer Elemente aus den Monatsbildern franko-flämischer Stundenbuchilluminationen des mittleren 15. Jahrhunderts in die moderne flämische Landschaftsmalerei. mini|Abel Grimmer – Zomer (Sommer), 1607. Koninklijk Museum voor Schone Kunsten, Antwerpen Für frühlingshafte und sommerliche Motive bevorzugte Abel Grimmer frische Grün- und Blautöne, während er für Herbst- und Winterszenen erdiges Braun und Ocker verwendete. Weite, an Weltlandschaften erinnernde Kompositionen wie die Kreuztragung Christi (Brügge, Groeningemuseum) gehen auf Joachim Patinir und Herri met de Bles zurück. Charakteristisch für Abel Grimmer sind eine einfache Zeichnung, eine schematisierte Komposition mit feiner Kolorierung und Lichtführung. Dadurch unterscheidet er sich von seinem großen Vorgänger Bruegel. Anders als dieser setzte er Figuren mehrheitlich in den Mittel- und Hintergrund und wiederholte erfolgreich eingeführte Einzelmotive wie Schweine treibende oder Heu erntende Bauern. Die Staffagefiguren wurden häufig von Malerkollegen wie Frans Francken der Jüngere, Pieter Balten, Sebastian Vrancx und Louis de Caullery eingefügt.mini|Abel Grimmer – Kircheninterieur Eine besondere Vorliebe zeigte Abel Grimmer für Architektur und bauliche Details. Sein Œuvre umfasst Innenräume mit Darstellungen festlicher Gesellschaften oder neutestamentlicher Sujets, Kircheninterieurs, Palast- und Stadtansichten sowie für die südlichen Niederlande typische Ansichten kultivierter Landschaften mit Schlössern. Die Interieurs zeichnen sich durch eine präzise Linienführung und eine charmante, dekorative Komposition aus. Die Anregungen hierfür gehen, wie bei nahezu allen Architekturmalern dieser Zeit, auf Druckgraphiken und Gemälde von Hans Vredeman de Vries zurück, insbesondere auf dessen Kupferstichserien Scenographiae von 1560 und Architectura ab 1602. Diese zeigen Entwürfe für Paläste, Innenräume, Gärten und Möbel in perspektivischer Konstruktion. Vergleichbar sind auch die Werke von Hendrick van Steenwyck der Ältere. Für Bilder im Bild zog Grimmer zudem Druckgrafiken von Bernard Salomon und Jan Sadeler nach Christoph Schwartz heran.

Aufgrund von Grimmers Beteiligung an Fassadenarbeiten an der Kathedrale und einer weiteren Kirche in Antwerpen sowie seiner ausgeprägten Vorliebe für Architekturdarstellungen wurde vermutet, dass er zumindest zeitweise als Architekt tätig war. Erhalten sind Architekturentwürfe, Antwerpener Ansichten – darunter Die Bucht vor Antwerpen im British Museum in London – sowie eine Landschaft in der Albertina in Wien.

Literatur D. Beaujean: Bilder in Bildern. Studien zur niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts. VDG, Weimar, 2001. D. Beaujean: Bulletin des Musées Royaux des Beaux-Arts de Belgique. 41/42, 1992/93. F. C. Legrand: Revue belge d’archéologie et d’histoire de l’art. 26, 1957. F. Roberts-Jones: Bulletin des Musées Royaux des Beaux-Arts de Belgique. 38–40, 1989–1991. J. de Maere, M. Wabbes: Illustrated Dictionary of 17th Century Flemish Painters. La Renaissance du Livre, Brüssel, 1994. M. Díaz Padrón: Boletín del Museo del Prado. 5, 1984. T. Ketelsen, T. von Stockhausen: Verzeichnis der verkauften Gemälde im deutschsprachigen Raum vor 1800., Band I, München, 2002.

E. Mai, H. Vlieghe (Hrsg.): Von Bruegel bis Rubens. Das goldene Jahrhundert der flämischen Malerei. Kunsthistorisches Museum / Wallraf-Richartz-Museum, Wien / Köln, 1993. Renilde de Bertier de Sauvigny: Jacob et Abel Grimmer. Catalogue raisonné. Brüssel, 1991. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 6: Gémignani – Herring. Paris, 2006. De Gruyter (Hrsg.): Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. De Gruyter, Berlin, 2009.

Weblinks

National Gallery of Art, Washington DC ArtUK

Einzelnachweise

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