Das Brandenburger Stadtderby (gelegentlich auch Brandenburg-Derby oder Havelstadt-Derby genannt) ist die sportliche Rivalität im Fußball zwischen den beiden traditionsreichsten Vereinen der Stadt Brandenburg an der Havel, der BSG Stahl Brandenburg und dem Brandenburger SC Süd 05.

Obwohl beide Vereine heute im Amateurfußball antreten, gilt das Aufeinandertreffen als eines der brisantesten und zuschauerstärksten Lokalderbys im Land Brandenburg. Die Rivalität speist sich historisch aus der Konkurrenz der beiden großen Trägerbetriebe zu DDR-Zeiten und zieht bis heute überregional das Interesse von Fußballfans auf sich.

Mit den Spielen in der Saison 2025/26 stellte man im Hinspiel bei der BSG Stahl Brandenburg mit 4.703 Gästen den absoluten Zuschauerrekord der Brandenburgliga auf und konnte im Rückspiel mit 3.052 Zuschauern auch Platz zwei sichern.

Das Hinspiel im Stadion am Quenz war zudem das zuschauerstärkste Spiel aller sechstklassigen Verbandsligen in Deutschland und zudem sogar besser besucht als alle Spiele der fünftklassigen Oberligen. Stahl Brandenburg eroberte dadurch nun sogar die Liste der Top 100 Klubs mit den meisten Zuschauern in Deutschland.

Letzte Begegnungen Amtierender Derbysieger ist seit dem 25. April 2026 der BSC Süd 05.

Von den bislang 14. Pflichtspiel-Derbys konnte die BSG Stahl Brandenburg ganze acht Partien für sich entscheiden. Der BSC Süd 05 konnte insgesamt vier Mal siegreich vom Platz gehen. In zwei Spielen trennten sich die beiden unentschieden. Somit ist die BSG Stahl Brandenburg aktueller Rekord-Derbysieger. DatumWettbewerbHeimGastStadionZuschauerErgebnis14.25. April 2026Brandenburgligax20px BSC Süd 05x20px BSG Stahl BrandenburgWerner-Seelenbinder-Sportplatz30525:213.25. Okt. 2025Brandenburgligax20px BSG Stahl Brandenburgx20px BSC Süd 05Stadion am Quenz47031:012.24. Sep. 2022Landespokal Brandenburg (2. Runde)x20px BSG Stahl Brandenburgx20px BSC Süd 05Stadion am Quenz2.1862:011.12. Dez. 2009Landespokal Brandenburg (Achtelfinale)x20px FC Stahl Brandenburgx20px BSC Süd 05Stadion am Quenzk. A.5:6 n. E.10.8. Apr. 2006Brandenburgligax20px BSC Süd 05x20px FC Stahl BrandenburgWerner-Seelenbinder-Sportplatzk. A.2:19.1. Okt. 2005Brandenburgligax20px FC Stahl Brandenburgx20px BSC Süd 05Stadion am Quenz13100:08.4. Jun. 2005Brandenburgligax20px BSC Süd 05x20px FC Stahl BrandenburgWerner-Seelenbinder-Sportplatzk. A.1:27.4. Dez. 2004Brandenburgligax20px FC Stahl Brandenburgx20px BSC Süd 05Stadion am Quenzk. A.0:06.26. Februar 1984DDR Ligax20px BSG Motor Süd Brandenburgx20px BSG Stahl BrandenburgWerner-Seelenbinder-Sportplatzk. A.2:15.25. Sep. 1983DDR Ligax20px BSG Stahl Brandenburgx20px BSG Motor Süd BrandenburgStadion am Quenzk. A.4:04.1. März 1981DDR Ligax20px BSG Motor Süd Brandenburgx20px BSG Stahl BrandenburgWerner-Seelenbinder-Sportplatzk. A.0:43.21. Sep. 1980DDR Ligax20px BSG Stahl Brandenburgx20px BSG Motor Süd BrandenburgStadion am Quenzk. A.4:12.8. April 1979DDR Ligax20px BSG Motor Süd Brandenburgx20px BSG Stahl BrandenburgWerner-Seelenbinder-Sportplatzk. A.1:21.29. Okt. 1978DDR Ligax20px BSG Stahl Brandenburgx20px BSG Motor Süd BrandenburgStadion am Quenzk. A.2:0 Anmerkung: In der Saison 1991/1992 traf der BSC Süd 05 in der Brandenburgliga auf die zweite Mannschaft der BSG Stahl Brandenburg. Am 7. September 1991 trennten sich die beiden Mannschaften unentschieden. Das Spiel am 14. März 1992 konnten die 05er mit 3:0 für sich entscheiden. Die zweiten Mannschaft von Stahl stieg nach der Saison wieder ab. Diese beiden Spiele werden daher nicht als offizielle Derbys gewertet.

Geschichte alt=Wappen der BSG Motor-Süd Brandenburg|mini|200x200px|Wappen der BSG Motor-Süd Brandenburg

Ursprünge und die Zeit der DDR (1950–1990) Die Wurzeln des Derbys liegen in der Frühphase der DDR. Der Brandenburger SC Süd 05, dessen historische Ursprünge bis ins Jahr 1905 zurückreichen, wurde 1952 in die BSG Motor Süd Brandenburg umgewandelt. Im Jahr 1950 entstand auf der anderen Seite die BSG Stahl Brandenburg, die massiv vom örtlichen Stahl- und Walzwerk Brandenburg gefördert wurde.

Während Motor Süd in den frühen Jahren oftmals die sportliche Nummer eins der Stadt war, wendete sich das Blatt mit dem rasanten Aufstieg der BSG Stahl. In den Spielzeiten 1978/79, 1980/81 und 1983/84 trafen beide Mannschaften regelmäßig in der zweitklassigen DDR-Liga aufeinander. Mitte der 1980er Jahre enteilte Stahl dem Lokalrivalen endgültig, stieg in die DDR-Oberliga auf und qualifizierte sich in der Saison 1986/87 sogar für den UEFA-Pokal.

Nachwendezeit und seltene Begegnungen (1990–2022) Nach der Wiedervereinigung Deutschlands und der Umstrukturierung des Ligasystems trennten sich die Wege beider Vereine immer weiter. Der BSC Süd 05 konnte sich über viele Jahre in der überregionalen NOFV-Oberliga etablieren, während die BSG Stahl nach einigen Insolvenzen und Neugründungen sportlich in tiefere Ligen abrutschte.

Über zwei Jahrzehnte lang fanden Ligaspiele der ersten Männermannschaften gegeneinander fast überhaupt nicht mehr statt. Bemerkenswerte Aufeinandertreffen in der Liga gab es in den Brandenburgliga-Saisons 2004/05 und 2005/06. In den darauffolgenden Jahren flammte das Derby meist nur in Pokalspielen auf:

Dezember 2009 (Landespokal): Der BSC Süd 05 gewann das Spiel mit 6:5 im Elfmeterschießen. September 2022 (Landespokal): Der Landesligist BSG Stahl Brandenburg warf den höherklassigen BSC Süd 05 (frisch aus der Oberliga abgestiegen) vor rund 2200 Zuschauern im Stadion am Quenz überraschend mit 2:0 aus dem Wettbewerb.

Rückkehr in den Liga-Alltag und Rekordkulissen (seit 2025) Nach dem Aufstieg der BSG Stahl Brandenburg in die sechstklassige Brandenburgliga kam es in der Saison 2025/26 erstmals seit 20 Jahren wieder zu regulären Punktspielen zwischen beiden Mannschaften, was in der gesamten Region eine enorme Euphorie auslöste.

Das Hinspiel am 25. Oktober 2025 schrieb Amateurfußball-Geschichte: Im Stadion am Quenz besiegte die BSG Stahl den Rivalen durch ein Tor von Benjamin Nwatu (16. Minute) knapp mit 1:0. Das Spiel wurde vor 4703 Zuschauern ausgetragen – ein sensationeller Zuschauerrekord für die sechstklassige Brandenburgliga, der ein Vielfaches des ligaweiten Schnitts von etwa 200 Zuschauern darstellte. alt=Choreografie der BSC Süd 05 (25. April 2026)|mini|Choreografie der BSC Süd 05 (25. April 2026) Das Rückspiel am 25. April 2026 auf dem Werner-Seelenbinder-Sportplatz, weckte als sportliches Topspiel (Dritter gegen Vierter) bereits im Vorfeld erneut immenses regionales Interesse. Vor 3052 Zuschauern erwischte die BSG Stahl Brandenburg den besseren Start, mit einem Treffer von Nils Müller in der 4. Minute zum 0:1. Doch der Brandenburger SC Süd 05 antwortete. Pedro Guilherme Souza Rocha glich in der 16. Minute aus, Leon Schrobsdorff drehte die Partie dann bereits in der 38. Minute. Nach der Pause legte Justin Flint in der 55. Minute das 3:1 nach. Jean-Pierre Dellerue brachte Stahl per Foulelfmeter in der 81. Minute dann noch einmal heran, doch in der Schlussphase entschied BSC Süd 05 die Partie: Abdelkarim Koussi traf in der 86. Minute, Justin Flint setzte in der 90. Minute den Schlusspunkt.

Fankultur und Rivalität Das Brandenburger Stadtderby ist stark durch die lebendige und für diese Spielklasse ungewöhnlich große Fanszene beider Lager geprägt. Die Spiele sind regelmäßig von großen Fanmärschen, organisierten Choreografien und intensivem Support begleitet. Aufgrund der Brisanz gelten die Partien oft als Hochsicherheitsspiele mit Fantrennung und starker Polizeipräsenz.

BSG Stahl Brandenburg Die Anhängerschaft der BSG Stahl ist tief in der Tradition des Arbeitervereins verwurzelt. Zu den Markenzeichen der Fans gehören der traditionelle Ruf „Stahl Feuer!“ sowie Zaunfahnen, die auf die Europapokal-Historie verweisen.„Von Dresden bis nach Coleraine – überall hat man unsere Farben gesehen.“In den 1990er und 2000er Jahren hatte die Fanszene von Stahl Brandenburg massive und gut dokumentierte Probleme mit rechtsextremen Tendenzen und einer gewaltbereiten Hooligan-Szene. Das Fanlager galt lange Zeit als politisch rechtsgerichtet, was sich bei Spielen immer wieder in entsprechenden Symboliken, Provokationen und Gesängen äußerte. Die Vereinsführung und einige Fans arbeiten heute daran, dieses Image abzuschütteln. Der Verein distanziert sich offiziell und klar von Rechtsextremismus, Rassismus und Diskriminierung jeglicher Art. Dennoch haftet der aktiven Fanszene das Stigma der rechten Vergangenheit bis heute an.

Aktionen und Banner Beim Stadtderby im Jahr 2005 präsentierten die Fans ein Spruchband mit der Aufschrift "Egal welche Liga, egal welcher Ort. - Lieber Selbstmord als nach Nord!!!".alt=BSG Stahl Brandenburg Spruchband (25. April 2026)|mini|BSG Stahl Brandenburg Spruchband (25. April 2026) Beim Ligaspiel am 25. April 2026 präsentierten die Stahl-Fans ein Banner mit der Aufschrift „Einst durch Faschismus zum Sportverein, hakt ihr euch heute bei Kommunisten ein.“ Das Spruchband weist auf die unrühmliche Vergangenheit des BSC Süd 05 während der Zeit des Nationalsozialismus hin und stellt dies in Kontrast zur heutigen politischen Ausrichtung der 05er Fanszene.

BSC Süd 05 Die Fanszene des BSC Süd wird stark durch die Ultra-Gruppierung Ultimo Branne geprägt. Der Support ist oft melodisch und durch den Einsatz großer rot-weißer Fahnen gekennzeichnet. „Wir singen rot, wir singen weiß, wir singen rot-weiß Motor Süd!“Die aktive Fanszene des BSC Süd 05 hat sich im Laufe der Jahre ganz bewusst als direkter politischer und kultureller Gegenpol zu Stahl Brandenburg entwickelt. Die Szene orientiert sich stark an modernen Ultra-Werten und gilt politisch als links, alternativ und vor allem progressiv. Im Fanblock der "Meckerecke" wird offen politisch agiert. Banner, Aufkleber und Gesänge gegen Rassismus, Faschismus und Homophobie gehören zum Standardrepertoire der Süd-Fans. Sie verstehen sich selbst als das weltoffene und tolerante Aushängeschild der Stadt.

Aktionen und Banner alt=Fans des BSC Süd 05 präsentieren eine Wäscheleine mit abgezogenen Fanartikeln der BSG Stahl Brandenburg.|mini|Fans des BSC Süd 05 präsentieren eine Wäscheleine mit abgezogenen Fanartikeln der BSG Stahl Brandenburg. Beim Stadtderby im Jahr 2005 hielten die Fans ein Spruchband mit der Aufschrift „Große Tradition am Quenz – X-mal Insolvenz! Und die Stadt pumpt immer rein – In diesen scheiß Verein!“ hoch, dass auf die schwierige finanzielle Lage der BSG Stahl Brandenburg anspielte.

Beim Spiel am 25. April 2026 präsentierten die 05er Fans mehrere abgezogene Fanartikel der BSG Stahl Brandenburg an einer Wäscheleine sowie ein Spruchband mit der Aufschrift "Spieglein Spieglein an der Wand - Wer traut sich nur mit Schlagstock in der Hand?". Hinzu kamen Gesänge gegen den Gegner wie "Stahl Schweine!".

Die Stadien Beide Vereine tragen ihre Heimspiele in geschichtsträchtigen Anlagen aus, die das jeweilige Vereinsleben seit Jahrzehnten prägen und den rustikalen Charme klassischer Fußballarchitektur bewahrt haben:.

Stadion am Quenz (BSG Stahl Brandenburg) → Hauptartikel: Stadion am Quenz

Das 1955 eröffnete Stadion im Westen der Stadt fasst heute rund 15.500 Zuschauer. Zu den Glanzzeiten in der DDR-Oberliga war das Stahlstadion regelmäßig bis auf den letzten Platz gefüllt; der offizielle Zuschauerrekord liegt bei 18.000 Besuchern während des UEFA-Pokal-Spiels gegen den IFK Göteborg im November 1986. Prägend für das weitläufige Rund waren lange Zeit vier markante Flutlichtmasten aus dem Jahr 1988. Obwohl diese 2017 abgebaut werden mussten, leben sie als Wahrzeichen auf den Fanutensilien des Vereins weiter. Eine weitere Besonderheit ist die alte Anzeigetafel: Ursprünglich mit sowjetischer Elektronik betrieben, wurde sie mangels Ersatzteilen in eine händisch bedienbare Anzeige umgebaut, die jedoch die historische Optik beibehält.

Werner-Seelenbinder-Sportplatz (Brandenburger SC Süd 05) → Hauptartikel: Werner-Seelenbinder-Sportplatz