Töpfer und Tiger ist ein bengalisches Märchen.Heinz Mode, Arun Ray (Hrsg.): Bengalische Märchen, Insel-Verlag, Leipzig 1984, S. 320–327, 463–464.
Handlung Vor langer Zeit lebte eine alte Frau alleine nahe eines Waldes in einer Hütte, da ihr Mann durch einen Tiger ums Leben gekommen war. Gewitterte es, regnete es in die Hütte hinein, weil sie nicht mehr im Stande war, auf das Dach zu steigen, um es zu flicken. Als wieder einmal Blitze und Donner durch die Luft fuhren und es in Strömen regnete, sodass das Wasser tripp-platsch, tripp-platsch, platsch in die Hütte hineintropfte, zog die Alte, auf der Suche nach einem trockenen Plätzchen, in ihrer Hütte umher und rief dabei, dass dieser Tripp-platsch-platsch, Tripp-platsch-platsch sie noch umbringen werde. Dies hörte ein Tiger, der an der Hütte Schutz vor dem Gewitter gesucht hatte und der sich über die merkwürdigen Geräusche wunderte.
In der Nähe des Waldes lag ein Dorf, in dem ein Töpfer lebte, dem während des Gewitters ein Esel abhandengekommen war. Sodann begab er sich auf die Suche nach dem Ausreißer und entdeckte an der Hütte der Alten eine Gestalt, die er in der Dunkelheit für diesen hielt. Wutentbrannt stürzte er sich auf den Tiger, zerrte ihm am Ohr und schlug auf das vermeintlich undankbare Vieh ein, was der Tiger schweigend erduldete; dachte er doch, dass dies bestimmt jener schreckliche Tripp-platsch-platsch sei und eine Gegenwehr keinen Sinn hätte. So sprang der zornige Töpfer auf den Rücken des Tigers und schlug auf ihn ein, bis sie an seiner Hütte angelangt waren, wo der Tiger angebunden und gefesselt wurde. Am nächsten Morgen schauten die Dorfbewohner erstaunt auf das Werk des Töpfers, woraufhin auch der König von der Tat erfuhr und so wurde dem kühnen Töpfer das Kommando über dreitausend Soldaten erteilt.
Es begab sich dann, dass Krieg aufkam und der Töpfer zum Oberbefehlshaber ernannt wurde. Ängstlich suchte er nach einem Plan dem ganzen zu entkommen, also bot er sich an, die feindliche Armee allein auszukundschaften. Der König gab ihm daraufhin sein schnellstes Ross, jedoch konnte der Töpfer nicht reiten, also ließ er sich von seiner Frau darauf festbinden. In der Folge ging das Pferd durch und galoppierte auf das feindliche Heer zu. Um nicht gefangen und ausgelacht zu werden, griff er nach einem jungen Baum, an dem er sich festhalten wollte. Da die Erde aber durchnässt war, riss er den Baum samt Wurzelwerk aus dem Boden und galoppierte wild weiter auf den Feind zu. In dessen Lager hatte man schon von dem tapferen Töpfer gehört und als sie diesen nun so auf sich zustürmen sahen, erschraken sie zutiefst und flüchteten sie in Panik davon. Von da an brauchten sich der reich beschenkte Töpfer und seine Frau keine Sorgen mehr zu machen.
Hintergrund Das Märchen wurde von Frau Tārā Sarkar erzählt und erhielt in Heinz Modes und Arun Rays Bengalische Märchen (Leipzig 1984) den deutschen Titel Töpfer und Tiger. Eine sehr ähnliche indische Variante findet sich als Der tapfere Töpfer in Mary Frères Werk Old Deccan Days (London 1889, Nr. 16). Stith Thompsons und Warren E. Roberts’ Types of Indic Oral Tales (Helsinki 1960) verzeichnet unter diesem Typ 177 etwa 25 Varianten. Nach Laurits Bødkers Indian Animal Tales (Helsinki 1957) bekamen die Tierfassungen dieser Art den Typ 965. Verglichen werden kann Das tapfere Schneiderlein und Bin der Hüpfer, töte Tausend jeden Tag!.
Literatur Heinz Mode, Arun Ray (Hrsg.): Bengalische Märchen, Insel-Verlag, Leipzig 1984, S. 320–327, 463–464.
Einzelnachweise
Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Bengalisch) Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Märchen Kategorie:Tiger in der Kultur