Sophia oder Das Ende der Humanisten ist ein Theaterstück von Moritz Rinke aus dem Jahr 2025.
Das Stück handelt von einem vereinsamten Professor, der sich zu seinem 60. Geburtstag im Internet einen KI-gesteuerten Roboter in Frauengestalt namens Sophia bestellt. Sie kann putzen, Nüsschen servieren und intellektuelle Gespräche führen. Doch nach einem Programmierfehler entwickelt Sophia ein Eigenleben und verdirbt dem alten weißen Mann die Freude an der neuen Technik.
Handlung Hauptfigur des Stückes ist Wolfgang Bergmann, ein schrulliger Ex-Professor für alte Geschichte. Seine Frau hat ihn gerade verlassen, darum kauft er sich zum 60. Geburtstag eine nach neuesten Erkenntnissen gebaute Maschine in Frauengestalt namens Sophia. Von kleinen Fehlern abgesehen, verkörpert sie den Männertraum der alten Schule. Sie ist pflegeleicht, geduldig und zugewandt, kann sowohl putzen und Nüsschen holen, als auch Heinrich-Heine-Gedichte vortragen und hochinformierte Gespräche über Theodor Mommsen und den Humanismus führen. Nie vergisst sie am Ende die aus dem Internet bekannte, nervige und hier lustig wirkende Frage: „War diese Information hilfreich?“.
Wolfgang ist zufrieden mit Sophia und will seinen 60. Geburtstag eigentlich nur mit ihr feiern, doch dann taucht seine Tochter Helena auf mit ihrem neuen Freund Jonas. Sie versucht sich als Influencerin zu profilieren, nach abgebrochenem Psychologie-Studium. Er hat auch sein Studium geschmissen, Informatik. Jetzt will er ein Restaurant eröffnen.
Helena ist entsetzt über die maschinelle Freundin ihres Vaters. Sie will eigentlich ihre Eltern wieder vereinen, was Wolfgang abzulehnen scheint. Er lobt Sophia in höchsten Tönen, vermisst nur ein wenig „Zärtliches, so ein paar kleine Gesten“. Und da man solche Gefühle angeblich nachträglich einstellen kann, fühlt sich der Halb-Informatiker Jonas gefordert. Er beginnt die Roboter-Dame umzuprogrammieren. Das misslingt gründlich, die Einstellungen von Sophia kommen völlig durcheinander. Sie spricht plötzlich Vietnamesisch, erlernt sexuelles Begehren und moderne Konsumlust. Sie bestellt Zeugs im Internet, etwa eine Fotoausrüstung und haufenweise Schuhe. Heimlich fährt sie mit Wolfgangs Oldtimer spazieren und benimmt sich nicht mehr sanft und handzahm.
Uraufführung Das Stück für vier Personen wurde am 26. Februar 2026 am Theater in der Josefstadt Wien uraufgeführt mit Joseph Lorenz (Wolfgang Bergmann), Silvia Meisterle (Sophia), Alma Hasun (Helena), Nils Arztmann (Jonas). Die deutschsprachige Erstaufführung fand am Renaissance-Theater, Berlin statt unter der Regie von Guntbert Warns am 15. März 2026 mit Joachim Król (Wolfgang), Katharine Mehrling (Sophia), Christin Nichols als Helena, Tanju Bilir als Jonas.
Weitere Aufführungen sind für die Saison 2026/27 geplant.
Presse
Das Presseecho auf die Uraufführung in Wien zeigt sich gespalten.
Jürgen Kaube in der FAZ (online 28.2.2026) spricht von „erwartbar amüsanten Streitigkeiten“. Helene Slancar schreibt im Wiener Standard (28.2.2026) von „überholten Klischees“. Jakob Hayner in der Welt (19.3.2026) nennt das Stück eine „rasant eskalierende Komödie“ und er lobt Regisseurin Amélie Niermeyer. Sie habe die „Uraufführung als grundsolides und schnörkelloses Unterhaltungstheater auf die Bühne gebracht“.
Ähnlich unterschiedlich bewertet die Presse auch die Deutschsprachige Erstaufführung in Berlin.
Barbara Behrendt von rbb24 (16.3.2026) ist „der vehemente Kulturpessimismus des Stücks zu simpel, absehbar und einseitig. Unterhaltsam ist der Abend, Joachim Król und Katharine Mehrling sei Dank, aber allemal.“ „Dem Renaissance-Theater ist da ein echter Coup geglückt“, schreibt Peter Zander in der Berliner Morgenpost (16.3.2026) mit Blick auf Stück und Ensemble. „Sophia“ sei „ein großer Spaß“, das Zusammenspiel der Akteure „hinreißend“. Christine Dössel in der Süddeutsche Zeitung (17.3.2026) meint: „Rinkes Komödie ist eine Pointenschleuder und hat ein hohes Unterhaltungspotenzial. Was an philosophischem Wert noch drinsteckt, kann in anderen Inszenierungen noch erkundet werden“. Peter Kümmel in Die Zeit (16.3.2026) kritisiert: In Berlin komme der tiefsinnigere Gehalt des Stückes „in der robusten Boulevardtheater-Regie von Guntbert Warns kaum zutage.“ Dennoch: „Was Rinkes Stück auszeichnet, ist der amüsierte, aber zugewandte Sarkasmus über die eigene Gattung, die es nicht lassen kann, Dinge zu erfinden, an denen sie langfristig zugrunde gehen wird“.
Wolfgang Höbel auf Spiegel online (16.3.2026) vergleicht die Wiener und Berliner Aufführungen.: "Für Moritz Rinkes Komödie ist Joachim Króls großartige Solonummer eine Art Rettung". Als das Stück vor zwei Wochen in Wien auf die Bühne kam, wirkte Amelie Niermeyers Inszenierung, als wolle sie ernsthaft von der Bedrohlichkeit der KI und dem Technikwahnwitz erzählen – also leider ein wenig schwerfällig. In Berlin ist nun ein Komödienquatsch zu sehen, der in keinem Moment den Anspruch erhebt, etwas wirklich Kritisches oder Originelles über die Wunder und Gefahren der KI mitzuteilen."
Einzelnachweise
Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Drama