Der Bhut vor Gericht (Bhuter Bichār) ist ein bengalisches Märchen.Heinz Mode, Arun Ray (Hrsg.): Bengalische Märchen, Insel-Verlag, Leipzig 1984, S. 280–282, 450–452.

Handlung Ein armer Brahmane begab sich einst auf Wanderschaft, um Almosen zu erbetteln. Also riet er seiner Frau auf sich acht zu geben und wanderte davon. Nahe dem Haus des Brahmanen lebte jedoch ein Bhut in einem Banyanbaum, der daraufhin die Gestalt des Brahmanen annahm, dessen Frau erzählte, er habe es sich anders überlegt und das Haus besetzte. Als dann der Brahmane von seiner Wanderschaft zurückkehrte, kam es zum Streit, denn der Bhut wollte das Haus nicht mehr verlassen und keiner wusste, wer der wahre Brahmane war.

Da gingen sie zum König, der ein Urteil fällen sollte, doch auch dieser wusste nicht weiter. Der Minister jedoch erklärte, dass derjenige das Haus und die Frau haben solle, der durch ein Bambusrohr kriechen könne. Der Brahmane versank in Kummer, während der Bhut große Freude empfand. Sogleich kroch der Bhut in das Rohr, woraufhin der Minister es verschloss, der von allen Seiten Beifall für dieses sonderbare Urteil erhielt. Der Brahmane kehrte glücklich heim. Das Bambusrohr aber wurde ins Meer geworfen.

Hintergrund Das Märchen stammt aus Ashutosh Mukhopādhyāyas Bhut-Petni (Calcutta 1903, Nr. 5) und erhielt in Heinz Modes und Arun Rays Bengalische Märchen (Leipzig 1984) den deutschen Titel Der Bhut vor Gericht. Variante finden sich in G. H. Damants Der Kaufmann und der Geist aus dem Werk Legends from Dinaijpore (Indian Antiquary, Bombay 1872, S. 345) und in Lal Bihari Days Der Geister-Brahmane aus dem Werk Folk Tales of Bengal (London 1883, Nr. 12). Das Märchen wurde nach Stith Thompsons und Warren E. Roberts’ Types of Indic Oral Tales (Helsinki 1960) dem Typ 926 A zugeordnet.

Literatur Heinz Mode, Arun Ray (Hrsg.): Bengalische Märchen, Insel-Verlag, Leipzig 1984, S. 280–282, 450–452.

Einzelnachweise

Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Bengalisch) Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Märchen