Die Bergische Gewerbeausstellung war eine Ausstellung in Düsseldorf, die im Jahr 1811 von bergischen Kaufleuten organisiert wurde, um Napoleon Bonaparte mit einer gewerblichen Leistungsschau des Großherzogtums Berg zu beeindrucken und ihn mit Blick auf den Merkantilismus Frankreichs und die wirtschaftlichen Verhältnisse nach der von Frankreich verhängten Kontinentalsperre für eine günstigere französische Zollpolitik oder gar eine Vereinigung Bergs mit Frankreich zu erwärmen.

Geschichte 1806 war als Satellitenstaat des Kaiserreichs Frankreich aus der Masse des Herzogtums Berg und Teilen von weiteren Staaten des Heiligen Römischen Reichs das Großherzogtum Berg geschaffen worden. In dessen Hauptstadt Düsseldorf regierte ab 1808 als kaiserlicher Kommissar Jacques Claude Beugnot. Durch das am 5. August 1810 erlassene Dekret von Trianon und eine in der Folge intensivierte Zollgrenze zwischen dem französischen Reich und seinen Nachbarländern war besonders die Wirtschaft des Großherzogtums Berg betroffen, denn der Rhein schnitt das Land als Grenze nunmehr durch einen 50-prozentigen Zoll von seinen traditionellen linksrheinischen und niederländischen Absatzgebieten ab. Unter dem Eindruck dieser Belastung sympathisierten bergische Kaufleute und Unternehmer mit dem Gedanken, das Großherzogtum Berg – wie kurz zuvor mit dem Königreich Holland und Teilen Norddeutschlands geschehen – mit dem französischen Kaiserreich zu vereinigen.

Maßgebliche Kraft bei der Organisation der Bergischen Gewerbeausstellung, die den französischen Kaiser, der gleichzeitig auch der Regent des Großherzogtums Berg war, mit der Bedeutung und den Interessen der bergischen Wirtschaft vertraut machen sollte, war ein in den 1780er Jahren in Düsseldorf gegründeter Handelsvorstand. Dieser war ein privater Zusammenschluss vornehmlich protestantischer Kaufleute und hatte sich bereits in verschiedenen Projekten, wozu die Schaffung eines Düsseldorfer Freihafens mit Lagerhaus, die Erweiterung des Zollhauses sowie der regionale Straßenbau zählten, für Belange von Wirtschaft, Handel und Verkehr eingesetzt.

Den förmlichen Anlass für die Ausstellung bot ein Staatsbesuch Napoleons in der Zeit vom 2. bis 5. November 1811 in Düsseldorf. Für die Ausstellung wurden Räume in der zwischen Theater und Rathaus am Marktplatz gelegenen Alten Kanzlei von 14 Firmen mit einer Präsentation bergischer Erzeugnisse ausgestattet. Dazu zählten Textilien, Stahl- und Metallwaren sowie Senf und Punsch. Als bergischer Innenminister führte Johann Franz Joseph von Nesselrode-Reichenstein den Kaiser am 4. November durch die Ausstellung.Otto R. Redlich: Die Anwesenheit Napoleons I. in Düsseldorf im Jahre 1811. Verlag von Ed. Lintz, Düsseldorf 1892, S. 45 ff. (Digitalisat) Überliefert ist, dass Napoleon mit der Bemerkung „L’exposition a l’air d’un grand pays!“ (Die Ausstellung zeigt ein großes Land!) höfliche Anerkennung zollte. Ein Elberfelder Kaufmann soll diese Bemerkung durch einen lakonischen und unverblümten Hinweis auf die wirtschaftlichen Probleme des Landes mit den Worten „Le pays n’est pas grand, mais l’industrie l’a été!“ (Das Land ist nicht groß, aber die Industrie war es!) quittiert haben.

Die Hoffnungen der bergischen Kaufleute und Fabrikanten, dass sich an den nachteiligen Zollverhältnissen etwas ändern würde, erfüllten sich nicht. Gleichwohl gilt die Ausstellung als „erste Düsseldorfer Gewerbeausstellung“1811: Die erste Düsseldorfer Gewerbe-Ausstellung. Webseite im Portal schaffendesvolk1937.de, abgerufen am 23. April 2026 und begründete als solche den Ruf Düsseldorfs als Messestadt.Clemens von Looz-Corswarem: Schifffahrt und Handel auf dem Rhein vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert. Beiträge zur Verkehrsgeschichte. Böhlau Verlag, Köln 2020, ISBN 978-3-4125-1771-7, S. 227 (Google Books)

Literatur Napoleon in Düsseldorf. In: Hugo Weidenhaupt: Aus Düsseldorfs Vergangenheit. Aufsätze aus 4 Jahrzehnten. Goethe Buchhandlung, Düsseldorf 1988, ISBN 978-3-924331-17-7, S. 130–149, hier S. 142 ff. Clemens von Looz-Corswarem: Der Besuch Napoleons in Düsseldorf im November 1811. In: Veit Veltzke (Hrsg.): Napoleon. Trikolore und Kaiseradler über Rhein und Weser. Böhlau Verlag, Köln 2007, ISBN 978-3-412-17606-8, S. 67–70. Clemens von Looz-Corswarem: Ein teurer Fürst. Anmerkungen zum Besuch Napoleons in Düsseldorf 1811. In: Rhein-Maas. Studien zur Geschichte, Sprache und Kultur. Band 3, Festschrift für Jörg Engelbrecht zum 60. Geburtstag, Oberhausen 2012, S. 125–145. Clemens von Looz-Corswarem: Der Besuch Napoleons in Düsseldorf im November 1811. In: Napoleon (…) Düsseldorf. Schriftenreihe Stadtmuseum Düsseldorf, Düsseldorf 2014, S. 12–39.

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