Das Pascal-Gymnasium Grevenbroich ist ein städtisches Gymnasium in Grevenbroich im Rhein-Kreis Neuss (Nordrhein-Westfalen). Die Schule wurde 1971 gegründet und ist nach dem französischen Mathematiker, Physiker und Philosophen Blaise Pascal (1623–1662) benannt.
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Geschichte
Entstehung und Gründung Die Entstehung des späteren Pascal-Gymnasiums geht auf die zunehmenden Schülerzahlen am damaligen Kreisgymnasium in Grevenbroich zurück. Dieses Kreisgymnasium, das heute als Erasmus-Gymnasium Erasmus-Gymnasium bezeichnet wird, konnte die wachsende Zahl der Schülerinnen und Schüler langfristig nicht mehr aufnehmen. Bereits Mitte der 1960er Jahre zeichnete sich deshalb ein zusätzlicher Bedarf an Gymnasialplätzen ab.
Den Ausgangspunkt der Planungen bildet ein Schreiben der Stadt Grevenbroich an den Oberkreisdirektor des damaligen Landkreises Grevenbroich vom 31. August 1966. Darin wurde auf die zunehmenden Schülerzahlen hingewiesen und angeregt, Konsequenzen für den weiteren Ausbau des Schulwesens zu ziehen. In den folgenden Jahren befassten sich die politischen und schulaufsichtlichen Stellen mit der Frage, wie auf die Überlastung des bestehenden Kreisgymnasiums reagiert werden sollte. Zunächst war dabei noch nicht entschieden, ob ein zweites Gymnasium tatsächlich gegründet werden sollte.
Eine Möglichkeit bestand darin, das bestehende Kreisgymnasium zu vergrößern. In diesem Zusammenhang wurde bereits frühzeitig ein Standort in Betracht gezogen, an dem später das Pascal-Gymnasium errichtet wurde. Daneben wurde die Neugründung eines eigenständigen Gymnasiums diskutiert.
Die Entscheidung wurde zusätzlich durch die Frage der Trägerschaft erschwert. Die Stadt Grevenbroich erklärte sich aufgrund ihrer finanziellen Situation nicht bereit, das neue Gymnasium auf eigene Kosten zu errichten, und strebte stattdessen eine Trägerschaft durch den damaligen Kreis an. Auch die Schulaufsicht verzögerte die Entscheidung zunächst.
Schließlich erklärte sich der Kreis bereit, ein weiteres Gymnasium in Grevenbroich zu errichten, sofern die Stadt ein geeignetes Grundstück unentgeltlich zur Verfügung stellte. Damit war die grundlegende Voraussetzung für die Neugründung geschaffen. Der Kreistag beschloss am 5. März 1970, zum 1. August 1971 ein vierzügiges neusprachliches Gymnasium mit Frauenoberschule als Ganztagsschule zu errichten. Nach Gesprächen mit der Bezirksregierung wurde dieser Beschluss am 16. Dezember 1970 geändert. Vorgesehen war nun ein vierzügiges neusprachliches und mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium für Jungen und Mädchen mit Gymnasium für Frauenbildung als Ganztagsschule.
Die Schule sollte zunächst provisorisch untergebracht werden. Nach den damaligen Planungen sollte das neue Schulgebäude bereits bis 1973 fertiggestellt sein. Die tatsächliche Entwicklung verlief jedoch deutlich langsamer. Bereits im April 1970 waren vier Architekten aufgefordert worden, einen Vorentwurf für das neue Schulgebäude zu erstellen. Die ursprünglich vorgesehene Ganztagsschule wurde vom Kultusminister zunächst nicht genehmigt; über diesen Teil des Konzepts sollte zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden.
In den Jahren 1972 bis 1974 kam es zu weiteren Abstimmungen zwischen den zuständigen Behörden über Raumprogramm, Bauplanung und Finanzierung. Im August 1972 entschied sich der Kreisschulausschuss für einen der beteiligten Architekten. Anfang 1973 wurden die Planungsunterlagen eingereicht; für den ersten Bauabschnitt wurden Baukosten von etwa 16 Millionen Deutsche Mark veranschlagt. Der Bewilligungsbescheid des Regierungspräsidenten traf schließlich am 9. April 1974 ein. Damit waren die finanziellen Voraussetzungen für den Baubeginn geschaffen. Der eigentliche Baubeginn erfolgte am 3. Juni 1975.
Die ersten Schuljahre Noch bevor das eigene Schulgebäude zur Verfügung stand, nahm die neue Schule zum Schuljahr 1971/72 ihren Betrieb auf. Die Schülerzahl war zu diesem Zeitpunkt zunächst gering: Von 49 angemeldeten Schülerinnen und Schülern konnten 41 in einer Klasse zusammengefasst werden. Diese erste Klasse blieb zunächst als eigene Abteilung im alten Kreisgymnasium an der Schanze untergebracht. Die neue Schule war damit in ihrer Anfangsphase organisatorisch und räumlich noch eng mit dem bestehenden Kreisgymnasium verbunden.
Bereits im folgenden Schuljahr entwickelte sich die Situation deutlich weiter. Der erste Schulleiter, Dr. Franz Schotten, nahm 106 neue Schülerinnen und Schüler in drei Klassen auf. Die drei Klassen der Jahrgangsstufe 5 sowie eine Klasse der Jahrgangsstufe 6 mussten vorübergehend im benachbarten Berufsbildungszentrum untergebracht werden. Die provisorische Unterbringung dauerte länger als ursprünglich vorgesehen. Mit dem Wachstum der Schule wurden weitere Ausweichlösungen notwendig. Zum Schuljahr 1975/76 reichten auch die vorhandenen Räume des Berufsbildungszentrums nicht mehr aus. Sechs Klassen der Jahrgangsstufen 7 und 8 wurden deshalb vorübergehend in das frei werdende Schulgebäude in Deelen verlegt.
Parallel dazu verzögerte sich die Fertigstellung des Neubaus. Erst am 1. September 1976, nach einer Bauzeit von knapp fünfzehn Monaten, konnte das neue Schulgebäude bezogen werden. Zu diesem Zeitpunkt waren noch Restarbeiten auszuführen. Die offizielle Einweihung des Gebäudes erfolgte am 27. September 1977.
Bei seinem Bezug verfügte das neue Schulgebäude bereits über eine Schülerschaft von mehr als 570 Schülerinnen und Schülern sowie etwa 30 Lehrkräften. Die Entwicklung der Schülerzahlen setzte sich anschließend schnell fort. Zum Schuljahr 1977/78 meldeten sich 170 Schülerinnen und Schüler für die Klasse 5 an. In den folgenden Jahren mussten mehrfach fünf Eingangsklassen gebildet werden. Bis 1982 stieg die Schülerzahl auf 1.025.
Vom „Kreisgymnasium II“ zum Pascal-Gymnasium Während der Entstehungs- und Bauphase wurde die Schule als „Kreisgymnasium II“ bezeichnet. Diese Bezeichnung verweist auf ihre ursprüngliche Funktion als zweites Gymnasium des damaligen Kreises in Grevenbroich und verdeutlicht zugleich ihre Entstehung aus der Kapazitätsproblematik des bereits bestehenden Kreisgymnasiums.
Die Namensgebung erfolgte erst einige Jahre nach der Gründung. Bereits 1975, ein Jahr vor dem Einzug in das neue Gebäude, unternahm der damalige Schulleiter Dr. Franz Schotten erste Versuche, der Schule einen eigenen Namen zu geben. Von Anfang an war dabei der Name Pascal vorgesehen. Als Namensgeber wurde der französische Gelehrte Blaise Pascal (1623–1662) gewählt, dessen Tätigkeitsbereiche Mathematik, Physik, Philosophie und Theologie dem damaligen Verständnis nach eine Verbindung verschiedener wissenschaftlicher Gebiete darstellten.
Die Umbenennung zog sich jedoch noch einige Jahre hin. Erst 1981 wurde die Bezeichnung Pascal-Gymnasium mit Zustimmung des Schulträgers offiziell. Damit erhielt die seit 1971 bestehende Schule erstmals einen eigenen Namen und die Bezeichnung „Kreisgymnasium II“ verschwand aus dem offiziellen Schulnamen.
Die enge Verbindung zum ursprünglichen Kreisgymnasium zeigte sich auch bei der Entwicklung der Oberstufe. Die erste Klasse, die bereits im Gründungsjahr am neuen Gymnasium aufgenommen worden war, verbrachte ihre erste Schulzeit noch im Kreisgymnasium I. Für einen eigenen Oberstufenjahrgang war die Schülerzahl zunächst zu gering, sodass diese Schülerinnen und Schüler für die Oberstufe zunächst wieder dorthin zurückkehrten. Das erste Abitur am späteren Pascal-Gymnasium fand 1981 statt; 39 Schülerinnen und Schüler erwarben damals die Hochschulreife.
Damit vollzog sich innerhalb eines Jahrzehnts der Wandel von einer zunächst aus Kapazitätsgründen geplanten Erweiterung des Grevenbroicher Gymnasialangebots zu einem eigenständigen, zunächst vom Kreis getragenen Gymnasium mit eigenem Schulgebäude und eigenem Namen.
MINT-Profil Das Pascal-Gymnasium verfügt über ein ausgeprägtes MINT-Profil (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik), das auf einer mehrstufigen Förderung der Schülerinnen und Schüler basiert. Im regulären Fachunterricht stehen modern ausgestattete Fachräume mit experimentellen Möglichkeiten, zeitgemäßer Messtechnik sowie ein Makerspace mit 3D-Druckern, 3D-Scannern, Lasercutter und CNC-Fräse zur Verfügung. Informatik wird durchgängig ab der Jahrgangsstufe 5 bis zum Abitur angeboten. Darüber hinaus können Schülerinnen und Schüler regelmäßig Grund- und Leistungskurse in Mathematik, Physik, Chemie, Biologie und Informatik belegen. Im Wahlpflichtbereich der Klassen 9 und 10 stehen unter anderem die Fächer Biologie/Chemie sowie Informatik zur Auswahl.
Ergänzt wird das Unterrichtsangebot durch verschiedene Arbeitsgemeinschaften im Rahmen der sogenannten Pascal-Stunden sowie durch außerunterrichtliche Aktivitäten. Dazu zählen unter anderem Angebote aus den Bereichen Robotik, Forscherlabor, 3D-Werkstatt, Physical Computing, Veranstaltungstechnik und Umweltbildung. Weitere Möglichkeiten zur praktischen Vertiefung bieten beispielsweise eine Makerspace-AG und eine Gartenbau-AG..
In der gymnasialen Oberstufe wird die MINT-Förderung durch besondere Begabungs- und Projektkurse fortgeführt. Dazu gehört der PasTeG-Kurs zur Förderung technischer Begabungen ab der Jahrgangsstufe 10. Projektkurse ermöglichen eigenständige naturwissenschaftliche und technische Arbeiten, etwa im Bereich Physik und Informatik unter Nutzung des Makerspaces.
Das Pascal-Gymnasium beteiligt sich zudem an schulischen und überregionalen Wettbewerben im MINT-Bereich. Hierzu zählen unter anderem die schuleigene Veranstaltung „Pascal-Physics“ sowie Wettbewerbe wie die Junior Science Olympiade, der Känguru-Wettbewerb, der Informatik-Biber und Freestyle Physics.
Zur Erweiterung des Angebots arbeitet die Schule mit externen Partnern zusammen. Dazu gehören das zdi-Netzwerk, die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf sowie die RWTH Aachen. Ergänzend werden Maßnahmen der Studien- und Berufsorientierung im MINT-Bereich angeboten.
UNESCO-Projektschule Das Pascal-Gymnasium in Grevenbroich ist seit 2020 Teil des Netzwerks der UNESCO-Projektschulen in Deutschland und richtet sein Schulprofil an den zentralen Aspekten der UNESCO aus, darunter Menschenrechtsbildung, interkulturelles Lernen und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Diese Themen werden durch Unterricht, Projektarbeit und außerunterrichtliche Aktivitäten in das Schulleben integriert. Mithilfe von diversen Projekten, Aktionen, Veranstaltungen und Kooperationen setzt sich das Pascal-Gymnasium durch die 6 Säulen der UNESCO für Demokratie, Weltoffenheit und Nachhaltigkeit ein.
Menschenrechtsbildung und Demokratieerziehung Das Pascal-Gymnasium ist seit 2019 eine „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Durch das Fach Lionsquest in den Jahrgangsstufen 5–6 werden kommunikative und soziale Fähigkeiten gefördert. Tutoren und Tutorinnen der Jahrgangsstufe 10 bis EF begleiten die neuen Fünftklässler und Fünftklässlerinnen, um den Schuleinstieg und Alltag zu erleichtern. Die jährliche Veranstaltung „Menorah-Abend“ gedenkt den Opfern der Reichspogromnacht und des Nationalsozialismus. Kooperationen mit dem Stadtarchiv, dem Geschichtsverein Grevenbroich und dem Verein für Luftschutzanlagen Rhein-Kreis Neuss übermitteln die Bedeutung von demokratischen Werten und einem Einstehen für Frieden.
Interkulturelles Lernen und Zusammenleben in Vielfalt Frei nach dem Schulmotto, „Wie alle sind verschieden, wir alle sind Pascal“: für eine friedliche, tolerante Schulgemeinschaft. Interkulturelle Klassen sorgen für eine Unterstützung von Kindern mit keinem bzw. sehr geringen Deutschkenntnissen, und eine gleichzeitige Teilintegration in die jeweiligen Regelklassen. Es besteht außerdem eine Kooperation mit dem Seniorenstift Haus St. Martinus, als AG „Begegnung der Generationen“, welche durch gemeinsame Aktivitäten Generationen enger verbindet.
Bildung für Nachhaltige Entwicklung