Kurt Adolf Ludwig Eggers (* 10. November 1905 in Schöneberg (bei Berlin)Geburtsurkunde Nr. 2679/1905 StA Schöneberg I ; † 12. August 1943 in Klenowoje bei Belgorod) war ein deutscher nationalsozialistischer Schriftsteller und Kulturpolitiker.

Leben Kurt Eggers wurde als Sohn eines Bankbeamten geboren. 1917 verweigerte ihm sein Vater die Erlaubnis zum Eintritt in eine Kadettenschule und schickte ihn stattdessen auf ein Schulschiff. Eigenen Angaben zufolge brachte Eggers dem Schiffskommandanten große Bewunderung entgegen und übernahm dessen antisemitische Ansichten.Julia Liebich: Kurt Eggers – der intellektuelle Schläger. In: Rolf Düsterberg (Hrsg.): Dichter für das „Dritte Reich“. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Bielefeld: Aisthesis 2009, S. 75f. Der Kommandant schloss sich im Januar 1919 mit einigen Kadetten, darunter Eggers, der Garde-Kavallerie-Schützen-Division an, die sich an der Niederschlagung des kommunistischen Spartakusaufstandes beteiligte und die Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg durchführte.Kurt Eggers: Der Tanz aus der Reihe. Volkschaft-Verlag, 1943, S. 245. Danach trat er dem Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund bei und beteiligte sich 1920 zusammen mit seinem ehemaligen Schiffskommandanten am Kapp-Lüttwitz-Putsch.Jürgen Hillesheim, Elisabeth Michael: Lexikon nationalsozialistischer Dichter. S. 151. 1921 gehörte er dem Freikorps Schwarze Schar Bergerhoff an, das an der Erstürmung des St. Annabergs teilnahm. Eggers hohe Gewaltbereitschaft vor allem Juden gegenüber brachte ihm in der Schule den Beinamen „Eggers, der Judentöter“ ein.Kurt Eggers: Der Tanz aus der Reihe, Dortmund: Volkschaft 1939, zitiert nach Liebich (2009), S. 77.

Wegen seiner Teilnahme an der Abwehr der Aufstände in Oberschlesien wurde er wegen „Bummelei“ der Schule verwiesen und wurde kurzzeitig Gutsarbeiter. 1924 diente er im 3. Artillerie-Regiment der Reichswehr in Frankfurt (Oder), bevor er in Berlin das Abitur nachholte. Danach studierte er Sanskrit, Archäologie, Philosophie und Evangelische Theologie an der Universität Rostock,Siehe dazu den Eintrag der Immatrikulation von Kurt Eggers im Rostocker Matrikelportal Berlin und Göttingen. 1927 wurde er Mitglied des Corps Vandalia Rostock.Kösener Corpslisten 1960, 119/527. Nach dem theologischen Examen wirkte er als Vikar in Neustrelitz und als Hilfspfarrer in Berlin; er trat jedoch 1931 aus der evangelischen Kirche aus und widmete sich dem Schreiben.Jürgen Hillesheim, Elisabeth Michael: Lexikon nationalsozialistischer Dichter. S. 151. Durch den leidenschaftlichen Nationalismus in seinen frühen Werken kam er bald mit nationalsozialistischen Kreisen in Berührung, die ihn zum Mitglied im Goebbelsschen Dichterkreis machten. 1933 leitete Eggers den „Reichssender Leipzig“, und 1936 die Abteilung „Feiergestaltung“ im Rasse- und Siedlungshauptamt der SS. In dieser Eigenschaft war Eggers Autor zahlreicher Dramen, Hör- und Singspiele, völkischer Geschichten, Wander- und Soldatenlieder sowie Sprechchöre für kultische Feiern. Besonders Ulrich von Hutten inspirierte zahlreiche seiner Bücher. Viele seiner Werke erschienen im SS-eigenen Nordland-Verlag. Eggers Texte offenbaren die rassistische und antisemitische Einstellung des Autors:Julia Liebich: Kurt Eggers – der intellektuelle Schläger. In: Rolf Düsterberg (Hrsg.): Dichter für das „Dritte Reich“. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Bielefeld: Aisthesis 2009, S. 86f., 94. „Jede wertvolle Rasse trägt das Bewußtsein ihres Herrentums in der Brust, und nichts ist natürlicher, als daß die wahren Herrenrassen zur Entfaltung der ihnen gemäßen Macht drängen wie die Blume zum Lichte. Daß bei dem Werdeprozeß dieser Entfaltung Minderwertiges aus dem Wege gestoßen wird, ist nur natürlich und darum berechtigt. Die Schuld liegt nicht in der vermeintlichen Brutalität des Wachsenden, sondern in der Schwäche und Widerstandslosigkeit des Vergehenden.“Kurt Eggers: Die Heimat der Starken. Dortmund: Volkschaft 1938, S. 133, zitiert nach Liebich (2009), S. 87.

Eggers trat zum 1. Mai 1937 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 3.953.817).Bundesarchiv R 9361-VIII KARTEI/7601544 Nach dem Überfall auf Polen am 1. September 1939 meldete er sich seinem „kriegerischen Ideal“ folgend als Reserveoffizier an die Front und trat der Waffen-SS bei (SS-Nummer 273.203).Jürgen Hillesheim, Elisabeth Michael: Lexikon nationalsozialistischer Dichter. S. 152. Als Kompaniechef einer Panzerkompanie diente er in der 5. SS-Panzer-Division „Wiking“, bis er am 12. August 1943 während der Belgorod-Charkower Operation im Alter von 37 Jahren fiel. Am 31. Oktober 1943 wurde die Propaganda-Standarte, in der ihre Kriegsberichterstatter zusammengefasst waren, in SS-Standarte Kurt Eggers umbenannt. Bei der Gedenkfeier zu seinem Tod las Eggers’ Freund Heinrich George aus dessen Werken.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden zahlreiche von Eggers verfasste und herausgegebene Schriften in der Sowjetischen Besatzungszone und in der Deutschen Demokratischen Republik auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.Deutsche Verwaltung für Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone, Liste der auszusondernden Literaturhttp://www.polunbi.de/bibliothek/1953-nslit-e.html Eggers entfaltet noch heute Wirkung, da er gegenwärtigen Rechtsextremisten als Motivation für eine bedingungslos kämpferische Haltung dient.Elmar Vieregge: Rezeption eines historischen Gewalttäters. Die Bedeutung von Kurt Eggers als Freikorpskämpfer, NS-Dichter und SS-Soldat für den Rechtsextremismus, in: Armin Pfahl-Traughber (Hrsg.), Jahrbuch für Extremismus- und Terrorismusforschung 2013, Brühl/Rheinland 2013, S. 95–112.

Familie Seit 1933 war Kurt Eggers mit Traute Kaiser verheiratet. Der Ehe entsprangen die Söhne Wolf, Jens und Götz.Heiratsurkunde Nr. 275/1933 StA Charlottenburg I Der rechtsextreme DVU-Politiker, Autor und Journalist Sven Eggers ist sein Enkel.DGB-Jugend Hamburg, Avanti – Projekt undogmatische Linke: (PDF; 1,7 MB), Seite 6.

Schriften Annaberg, 1933 Vom mutigen Leben und tapferen Sterben, 1933 Das Spiel von Job dem Deutschen. Ein Mysterium, 1933 Hutten. Roman eines Deutschen, 1934 Deutsche Gedichte, 1934 Das große Wandern. Ein Spiel vom ewigen deutschen Schicksal, 1934 Rom gegen Reich. Ein Kapitel deutscher Geschichte um Bismarck, 1935 Tagebuch einer frohen Fahrt ..., 1935 Revolution um Luther (Musik von Fritz Büchtger), 1935 Von der Heimat und ihren Frauen, 1935 Herz im Osten. Der Roman Li Taipes, des Dichters, 1935 Schicksalsbrüder. Gedichte und Gesänge, 1935 Die Bauern vor Meißen. Ein Spiel um das Jahr 1790, 1936 Die Geburt des Jahrtausends, 1936 Sturmsignale. Revolutionäre Sprechchöre, 1936 Tausend Jahre Kakeldütt. Ein lustiger Roman, 1936 Der deutsche Dämon, 1937 Schüsse bei Krupp. Ein Spiel aus deutscher Dämmerung, 1937 Der Berg der Rebellen, 1937 Die Heimat der Starken, 1938 Der junge Hutten, 1938 Der Tanz aus der Reihe, 1939 Feuer über Deutschland. Eine Huttenballade, 1939 Kamerad. Gedichte eines Soldaten, 1940 Von der Freiheit des Kriegers, 1940 Der Freiheit wildes Lied. Ketzereien großer Männer, 1940 Die kriegerische Revolution. Zentralverlag der NSDAP (Franz Eher Nachf. GmbH), Berlin 1941 (Digitalisat). Von der Feindschaft. Deutsche Gedanken, 1941 Vater aller Dinge. Ein Buch des Krieges, 1942 Der Krieg des Kriegers. Gedanken im Felde, 1942

Literatur Julia Liebich: Kurt Eggers, der intellektuelle Schläger. In: Rolf Düsterberg (Hrsg.): Dichter für das »Dritte Reich«. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Aisthesis, Bielefeld 2009. ISBN 978-3-89528-719-0, S. 75–98.

Elmar Vieregge: Rezeption eines historischen Gewalttäters. Die Bedeutung von Kurt Eggers als Freikorpskämpfer, NS-Dichter und SS-Soldat für den Rechtsextremismus. In: Armin Pfahl-Traughber (Hrsg.), Jahrbuch für Extremismus- und Terrorismusforschung 2013, Brühl/Rheinland 2013, S. 95–112. ISBN 978-3-938407-62-2. Jay W. Baird: Hitler’s War Poets: Literature and Politics in the Third Reich. Cambridge : Cambridge University Press, 2008, S. 208–253

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Einzelnachweise

Kategorie:Autor Kategorie:Politiker (Deutsches Reich, 1933–1945) Kategorie:SS-Mitglied Kategorie:Angehöriger der Waffen-SS Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Evangelischer Geistlicher (20. Jahrhundert) Kategorie:Freikorps-Mitglied Kategorie:Mitglied im Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund Kategorie:Teilnehmer am Kapp-Putsch Kategorie:Mitglied der Reichsschrifttumskammer Kategorie:Rundfunk (Nationalsozialismus) Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Herausgeber Kategorie:Lyrik Kategorie:Erzählung Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Historischer Roman Kategorie:Drama Kategorie:Corpsstudent (20. Jahrhundert) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1905 Kategorie:Gestorben 1943 Kategorie:Mann