mini|Logo des Forschungsverbunds Leistung macht Schule (LemaS) Der Forschungsverbund Leistung macht Schule (LemaS) und der seit 2023 tätige Forschungsverbund Leistung macht Schule – Transfer in die Schullandschaft (LemaS-Transfer) sind interdisziplinäre Zusammenschlüsse von Universitäten und Hochschulen zur wissenschaftlichen Begleitung der Bund-Länder-Initiative „Leistung macht Schule“. Ziel der Verbünde ist die Entwicklung, Evaluation und Implementierung von Konzepten zur begabungs- und leistungsfördernden Schul- und Unterrichtsentwicklung in Deutschland.

Während der Forschungsverbund LemaS in der ersten Phase der Initiative (2018–06/2023) mit einem Schwerpunkt auf Entwicklung und Erprobung von Strategien, Konzepten und Maßnahmen zur begabungs- und leistungsfördernden Schul- und Unterrichtsentwicklung direkt mit den Schulen zusammenarbeitete, ist LemaS-Transfer seit Juli 2023 für die wissenschaftliche Begleitung der Transfer- und Implementierungsprozesse der Ergebnisse auf bis zu 1000 Schulen in der zweiten Phase verantwortlich.

Initiative „Leistung macht Schule“ Die Initiative Leistung macht Schule ist eine gemeinsame Initiative von Bund und Ländern zur Förderung leistungsstarker und potenziell besonders leistungsfähiger Schülerinnen und Schüler. Sie wurde 2016 vom damaligen Bundesministerium für Bildung und Forschung gemeinsam mit der Kultusministerkonferenz beschlossen und ist auf zehn Jahre angelegt.

Ziel der Initiative ist es, Bildungschancen zu verbessern und die Potenziale aller Schülerinnen und Schüler unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder sozialem Status systematisch zu erkennen und zu fördern. Dabei wird ausdrücklich auch ein Fokus auf sehr leistungsstarke Kinder und Jugendliche sowie solche mit bislang unentdeckten Potenzialen gelegt.

Die Initiative folgt dem Leitgedanken, Begabungen und Stärken im Unterricht frühzeitig zu erkennen und durch geeignete Lernangebote zu fördern. Gleichzeitig wird durch die Gestaltung entsprechender Lernumgebungen Wert darauf gelegt, dass Potenziale sich im Lauf der gesamten Schulzeit – und grundsätzlich in einem breiten Bildungsspektrum – erkannt und entfaltet werden können. Damit verbindet die Initiative individuelle Förderung mit dem Anspruch auf Bildungsgerechtigkeit. Zudem wird der Förderung von Leistung auch eine gesellschaftliche Bedeutung zugeschrieben, etwa im Hinblick auf die Entwicklung von Fachkompetenz, Innovationskraft, Kreativität, Verantwortungsbereitschaft und Teilhabe.

Die Initiative reagiert unter anderem auf Befunde internationaler Vergleichsstudien wie PISA oder TIMSS, die darauf hinweisen, dass in Deutschland vergleichsweise wenige Schülerinnen und Schüler Spitzenleistungen erreichen. Ziel ist es daher, Potenziale breiter zu erschließen und (Spitzen-)Leistungen in der Breite gezielter zu fördern.

Förderphasen und Rolle des Forschungsverbunds Die Initiative ist in zwei aufeinander aufbauende Förderphasen gegliedert, die jeweils durch einen Forschungsverbund wissenschaftlich begleitet werden.

Forschungsverbund LemaS (2018–06/2023) In der ersten Phase lag der Schwerpunkt auf der gemeinsamen Entwicklung, Erprobung und Evaluierung begabungs- und leistungsfördernder Ansätze für Schule und Unterricht. Der Forschungsverbund bestand aus 16 Universitäten und Hochschulen. Er arbeitete in 22 Teilprojekten mit rund 300 Schulen aller Schulformen zusammen an der Schul- und Unterrichtskultur. Zentrale Ergebnisse dieser Phase sind die „LemaS-P³rodukte“. Diese umfassen nicht nur Materialien oder Konzepte, sondern sollen Produkt, Prozess und Person (P³) systematisch miteinander verbinden. Damit soll die Adaptierbarkeit und Weiterentwicklung in unterschiedlichen schulischen Kontexten ermöglicht werden.

Forschungsverbund LemaS-Transfer (seit 07/2023) In der zweiten Phase steht der Transfer der entwickelten P³rodukte und Erkenntnisse in die Breite des Schulsystems im Fokus. Schulen der ersten Phase (Multiplikatorschulen) übernehmen dabei mit Unterstützung der Länder eine Multiplikatorenfunktion und arbeiten in Schulnetzwerken mit weiteren Schulen (Transferschulen) zusammen.

Die wissenschaftliche Begleitung durch den Forschungsverbund LemaS-Transfer umfasst insbesondere folgende Arbeitsbereiche:

Netzwerkbegleitung und Forschung Professionalisierung und Professionalisierungsforschung Transfer- und Implementationsforschung Entwicklung und Bereitstellung digitaler Kurse und Workspaces auf einer LemaS-Plattform

Transfer wird dabei als ko-konstruktiver und kontextbezogener Entwicklungsprozess verstanden, in dem Konzepte durch die beteiligten Akteure adaptiert und weiterentwickelt sowie auch in Schulen bereits bestehende Konzepte integriert werden.

Zentrale Struktur der zweiten Phase sind bundesweite Schulnetzwerke, in denen Multipliaktor- und Transferschulen gemeinsam arbeiten. Diese Zusammenarbeit ist als gemeinsamer Lern- und Entwicklungsprozess angelegt. Multiplikatoren aus den Schulen übernehmen dabei eine zentrale Rolle in der Gestaltung und Begleitung von Transferprozessen. Die wissenschaftliche Begleitung erfolgt unter anderem durch Regionalzentren, die Netzwerkprozesse unterstützen, Professionalisierungsangebote im Bereich Schulentwicklung und Kooperativen Netzwerken bereitstellen und die Transferprozesse forschend begleiten. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Professionalisierung von Lehrpersonen und Multiplikatoren in den Inhaltsclustern selbstreguliertes forschendes Lernen, MINT und Sprachen, die als mehrstufiger und langfristiger Entwicklungsprozess verstanden wird. Dabei werden Unterrichtsentwicklung, Qualifizierung und schulische Entwicklungsprozesse systematisch miteinander verzahnt, um eine nachhaltige Verankerung begabungs- und leistungsfördernder Praxis zu unterstützen.

Arbeitsweise und Kooperation Ein zentrales Merkmal von LemaS und LemaS-Transfer ist die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und Schulpraxis, die als Wissenschaft-Praxis-Brücke beschrieben wird. Wissenschaftler und Lehrer entwickeln gemeinsam Konzepte, erproben diese im Schulalltag und evaluieren sie. Wissenschaftliches Erkenntnisse werden vorgestellt, diskutiert und ggf. adaptiert. Diese Zusammenarbeit ist dialogisch und ko-konstruktiv angelegt. Forschung und Praxis werden als zwei unterschiedliche Bereiche verstanden, die aufgrund ihrer wechselseitig aufeinander bezogenen Perspektiven gemeinsam zur Weiterentwicklung von Unterricht und Schule beitragen.

Darüber hinaus ist die Zusammenarbeit im Rahmen von LemaS und LemaS-Transfer Kooperation von Wissenschaft, Praxis und Politik angelegt. Neben Forschung und Schulpraxis sind auch Bildungsverwaltung und Bildungspolitik aus Ländern und Bund eingebunden. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse, praktische Erfahrungen und bildungspolitische Rahmenbedingungen kontinuierlich zu abzusprechen, zu verzahnen und so nachhaltige Entwicklungsprozesse im Bildungssystem zu ermöglichen. Der Austausch erfolgt unter anderem über Workshops, Fortbildungen, Schulbesuche, digitale Formate sowie Jahrestagungen.

Ziele Ziel von LemaS und LemaS-Transfer ist es, Begabungs- und Begabtenförderung als Kern von Schule und Unterricht zu verankern, um die Potenziale aller Schüler unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder sozialem Status bestmöglich zu erkennen und zu fördern.

Dies wird in diesem Rahmen als Personorientierung bezeichnet. Der Bildungs- und Begabungsprozess wird konsequent vom einzelnen Schüler aus mit der Zielperspektive gedacht, „Autor“ des eigenen Lebens zu werden, als verantwortliches Mitglied einer demokratischen Gesellschaft das Gemeinwohl im Blick zu behalten und an einer positiven Zukunftsgestaltung mitzuwirken. Im Mittelpunkt stehen die individuellen Voraussetzungen, Interessen, Potenziale und Entwicklungsverläufe der Schüler in ihrem jeweiligen sozialen Kontext. Begabung wird dabei als mehrdimensionales und entwicklungsfähiges Potenzial verstanden, das sich in fachlichen, sozialen, kreativen und personalen Bereichen zeigt und durch geeignete Lerngelegenheiten entfaltet werden kann. Aus dieser Perspektive ergibt sich ein Verständnis von Schule, das die Anerkennung individueller Vielfalt, die aktive Beteiligung der Schüler an ihren Lern- und Entwicklungsprozessen sowie eine auf Gemeinwohl orientierte Bildungskultur in den Mittelpunkt stellt. Begabungsförderung wird dabei als durchgängiges Prinzip über die gesamte Bildungsbiografie hinweg verstanden.

Mit Blick auf diese übergeordneten schulischen und gesellschaftlichen Ziele arbeiten die beiden Forschungsverbünde neben der Generierung von Forschungserkenntnissen insbesondere an der Weiterentwicklung von Unterricht, der Gestaltung von Schulentwicklungsprozessen sowie an der langfristigen Professionalisierung von Lehrern und Landesmultiplikatoren.

Begabungs- und Leistungsverständnis Der Forschungsverbund arbeitet mit einem breiten Begabungsverständnis: „Als Begabung wird allgemein das Leistungsvermögen insgesamt bezeichnet. Spezieller ist mit Begabung der jeweils individuelle Entwicklungsstand der leistungsbezogenen Potenziale gemeint, also jener Voraussetzungen, die bei entsprechender Disposition und langfristiger systematischer Anregung, Begleitung und Förderung das Individuum in die Lage versetzen, sinnorientiert und verantwortungsvoll zu handeln und auf Gebieten, die in der jeweiligen Kultur als wertvoll erachtet werden, anspruchsvolle Tätigkeiten auszuführen“. Das Begabungsverständnis ist zum einen horizontal angelegt im Sinne der Förderung der Potenziale aller Kinder und Jugendlichen, zum anderen auch vertikal, wenn es um die den Ausbau von Kenntnissen bis hin zur Exzellenz in bestimmten Gebieten geht.

Leistung bedeutet in LemaS weit mehr als gemessene Leistung (z. B. Noten oder Prüfungen). Unter Leistung wird sowohl die Handlung und die dabei mitschwingenden Komponenten wie Engagement und Investition, aber auch Kreativität und Innovationskraft als auch das erzielte Ergebnis verstanden, und zwar auf unterschiedlichen Gebieten und in verschiedener Weise. Welche Bereiche als besonders relevante Leistungsbereiche gelten, ist vielfach kulturell und sozial geprägt. Leistungsbereiche und Leistungsbewertungen sind historisch, gesellschaftlich und kulturell geprägt. Insgesamt wird Leistung als Teil der Persönlichkeitsbildung verstanden und umfasst beispielsweise auch die gestaltende Teilhabe an der Schulgemeinschaft und der außerschulischen Gesellschaft.

Begabungsförderung und Begabtenförderung Im Rahmen von LemaS bzw. LemaS-Transfer wird zwischen Begabungsförderung und Begabtenförderung unterschieden.

Begabungsförderung zielt auf die Förderung der Potenziale aller Schülerinnen und Schüler Begabtenförderung richtet sich spezifisch an besonders leistungsstarke oder talentierte Lernende

Beide Ansätze werden im Projekt miteinander verbunden.

Forschungsschwerpunkte Die Forschung im Rahmen von LemaS bzw. LemaS-Transfer konzentriert sich insbesondere auf:

Schul- und Unterrichtsentwicklung Begabungs- und Leistungsförderung Professionalisierung von Lehrpersonen Netzwerkstrukturen im Bildungssystem Transfer- und Implementationsforschung

Die Forschung ist anwendungsorientiert und partizipativ angelegt und verbindet qualitative und quantitative Methoden, darunter Panelstudien, Fokusgruppen und Fallstudien. Ziel ist es, Bedingungen für erfolgreiche Schul- und Unterrichtsentwicklungs- sowie Transferprozesse zu identifizieren und wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse für das Bildungssystem bereitzustellen. Genutzt werden hierfür quantitative und qualitative Methoden, etwa Panelstudien, Fokusgruppen und Fallstudien, um die laufenden Prozesse innerhalb der Schul- und Unterrichtsentwicklung – sowie der Transferprozesse insgesamt zu beforschen.

Beteiligte Forschungseinrichtungen Am Forschungsverbund sind zahlreiche Universitäten und Hochschulen beteiligt. Die Zusammensetzung variiert je nach Förderphase.

Phasenübergreifend beteiligte Einrichtungen Humboldt-Universität zu Berlin