miniatur|Fritz Dierschke Fritz Dierschke (* 19. Oktober 1908 in Johnsdorf, Landkreis Brieg (heute Janów, Polen); † 4. März 1977 in Kassel) war ein deutscher Ornithologe und Pädagoge. Er wurde bekannt als Pionier der Siedlungsdichtenforschung an WaldvögelnJoachim Seitz: Die Vögel Niedersachsens und des Landes Bremen – Beiträge zur Geschichte der Ornithologie in Niedersachsen und Bremen, Schriftenreihe Naturschutz und Landschaftspflege in Niedersachsen, Sonderreihe B, Heft 1.1 (2012), S. 356–358 und gilt als einer der maßgeblichen Pioniere der Populationsökologie in Deutschland.Hans Oelke: Fritz Dierschke 1908–1977. In: Beiträge zur Naturkunde Niedersachsens. Band 30, Heft 2, 1977, S. 25–27 (Digitalisat auf zobodat.at).
Leben Fritz Dierschke wuchs in Schlesien auf. Nach dem Besuch der Volksschule wechselte er auf die „Piastenschule“ in Brieg, eine staatliche Aufbauschule. Er legte 1929 sein Abitur ab und absolvierte bis 1932 seine Ausbildung zum Lehrer an der Pädagogischen Akademie in Frankfurt (Oder).
Seine berufliche Laufbahn begann er an einer Privatschule in Zossen, bevor er 1935 in den Schuldienst nach Ostpreußen wechselte. Dort unterrichtete er in Maraunen (Kreis Heiligenbeil), Groß Ladtkeim und Kumehnen im Samland. Während dieser Zeit arbeitete er eng mit der Vogelwarte Rossitten zusammen und führte erste quantitative Bestandsaufnahmen durch, insbesondere zum Weißstorch.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, an dem er als Soldat teilnahm, siedelte er nach Niedersachsen über. Von 1946 bis 1957 wirkte er als Schulleiter in Altencelle. Nach einer fachlichen Weiterbildung an der PH Lüneburg trat er 1958 als Realschullehrer für Erdkunde und Biologie in die Christianschule in Hermannsburg ein. Aufgrund einer chronischen Leberzirrhose, die er sich 1960 durch einen Infekt zugezogen hatte, wurde er 1971 vorzeitig pensioniert. Er verstarb 1977 im Stadtkrankenhaus Kassel und wurde in Altencelle beigesetzt.
Dierschke war der Vater des Geobotanikers Hartmut Dierschke (1937–2022). Seine Enkel Volker Dierschke und Jochen Dierschke sind ebenfalls als Ornithologen und Fachautoren tätig.
Ein Vogelbeobachtungsturm im Naturschutzgebiet Meißendorfer Teiche/Bannetzer Moor wurde nach ihm benannt.Von Bannetze zum Dierschke-Turm an den Meißendorfer Teichen, GPS Wanderatlas
Wissenschaftliche Bedeutung Dierschke prägte die Forschungsrichtung der Populationsökologie (Siedlungsbiologie). Im Gegensatz zur klassischen Beobachtung von Einzelvögeln liegt der Fokus hier auf der quantitativen Erfassung. Dabei werden auf exakt vermessenen Probeflächen alle vorkommenden Vögel gezählt, um die Siedlungsdichte statistisch auszuwerten. Dierschke untersuchte dabei Flächen von teils über 190 Hektar und lieferte damit methodische Grundlagen für den deutsch-skandinavischen Vogel-Monitorindex.
Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehörten: Die Avifauna der Lüneburger Heide, des Samlandes und des Harzes. Siedlungsbiologische Analysen von Kiefernforsten und Erlenbruchwäldern. Dokumentation von Bestandsveränderungen nach Katastrophen wie dem Waldbrand in der Lüneburger Heide 1975.
Schriften (Auswahl) Die Vogelbestände einiger Erlenbruchwälder Ostpreußens und Niedersachsens. In: Ornithologische Abhandlungen. 1951 Bienenfresser (Merops apiaster) bei Celle. In: Ornithologische Mitteilungen: Monatsschrift für Vogelbeobachtung, 1955, online, Universitätsbibliothek Frankfurt Vogelbestandsaufnahmen in Buchenwäldern des Wesergebirges im Vergleich mit Ergebnissen aus Wäldern der Lüneburger Heide. In: Mitteilungen der Floristisch-Soziologischen Arbeitsgemeinschaft. 1968, online, UB Frankfurt Die Vogelbestände einiger Fichtenforsten und Fichtenwälder im Oberharz. In: Mitteilungen der Floristisch-Soziologischen Arbeitsgemeinschaft, Jg. 13 (1968), online, UB Frankfurt Der Vogelbestand eines Quell-Erlenwaldes am Südrande des Wesergebirges bei Todenmann (Rinteln). 1969, In: Mitteilungen der Floristisch-Soziologischen Arbeitsgemeinschaft, online, UB Frankfurt Die Sommervogelbestände nordwestdeutscher Kiefernforste. In: Die Vogelwelt. 1973. Auswirkungen der Waldbrandkatastrophe vom August 1975 auf die Vogelwelt. In: Vogelkundliche Berichte aus Niedersachsen. 1977. Die Piastenschule in Brieg. Festschrift, verfaßt und zusammengestellt von Fritz Dierschke, Hrsg. Stadt Goslar, Goslar 1979
Weblinks Dierschke, Fritz in der Datenbank Niedersächsische Personen Nachruf von Prof. Dr. Hans Oelke auf Zobodat.at (PDF mit Dierschkes Ornithologischen Veröffentlichungen von 1950 bis 1977)
Einzelnachweise
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