Die D.145 ist eine Baureihe von Diesellokomotiven der italienischen Staatseisenbahnen Ferrovie dello Stato für den schweren Rangier- und Streckendienst. Sie ist die Weiterentwicklung der vorher beschafften FS D.141 für dieses Aufgabenspektrum und wurde in zwei Untergruppen, der zweimotorigen D.145.10 sowie der einmotorigen D.145.20 in insgesamt 100 Exemplaren gefertigt. Die Lokomotiven wurden etwa je zur Hälfte durch die Infrastrukturgesellschaft Rete Ferroviaria Italiana sowie die Güterverkehrssparte Mercitalia eingesetzt.Thomas Estler, Loks der italienischen Staatsbahnen FS, Transpress Verlag Stuttgart, 2019, ISBN 978-3-613-71598-1, Seite 57 Sie tragen wegen ihrer ursprünglichen Lackierung in Orange die Spitznamen Aragosta (deutsch: Hummer).

Geschichte FS D.145.10 Um die Fortschritte in der Leistungselektronik für den Fahrdienst mit Drehstrom-Fahrmotoren zu nutzen, wurde bei den FS zum Ende der 1970er-/Anfang der der 1980er-Jahre eine neue Lokomotivgeneration für den schweren Rangierdienst entwickelt, bei der eine optimale Leistungssteuerung erzielt werden konnte.

Ein erster Auftrag ging im Jahr 1979 an Fiat zum Bau von zunächst 29 Lokomotiven. Dieser Auftrag wurde nach Bewährung der Reihe auf 38 Lokomotiven erhöht. Diese Lokomotivbauart war mit einer Doppelmaschinenanlage in jedem Vorbau ausgerüstet, dadurch konnte bei voller Leistung mit zwei Maschinenanlagen und vier Fahrmotoren, bei halber Leistung und maximaler Zugkraft mit einer Maschinenanlage und vier Motoren sowie bei halber Leistung und halber Zugkraft mit einer Maschinenanlage und zwei Motoren gefahren werden. Durch die elektrische Kraftübertragung war eine automatische Regulierung der Geschwindigkeit wie bei einem Tempomat möglich.Foto einer Lokomotive D.145.10 auf scalaenne.com

FS D.145.20 Ab 1983 wurde eine Variante der Baureihe von Tecnomasio Italiano Brown Boveri (TIBB) geliefert, die sich durch eine einmotorige Maschine und eine andere Vorderfront sowie durch asymmetrisch angeordnete Vorbauten in verschiedenen Höhen von der D.145.10 unterschied. Diese Umbauten resultierten aus dem Wunsch der Lokführer nach einer besseren Sicht auf die Strecke über den langen Vorbau.Foto von einer D.145.20 auf scalaenne.com Im vorderen Vorbau der Lok ist der Verbrennungsmotor und der Drehstromgenerator untergebracht, im hinteren Vorbau die elektrische Anlage. Die Lokomotiven der zweiten Serie hatten geringfügig andere Maße, sie wurden länger. Diese wurden in größerer Stückzahl produziert, insgesamt wurden Lokomotiven bis 1992 gebaut.

Einsatz Die Lokomotiven entwickelten eine maximale Zugkraft von 205 kN. Dies war ausreichend, um einen Zug, bestehend aus sechs vierachsigen Reisezugwagen in der Ebene mit 100 km/h zu befördern, auf einer Steigung von 10 ‰ konnten mit derselben Anhängelast noch 45 km/h erreicht werden.Bild einer D.145 mit einer Güterzugbespannung auf scalaenne.com Eingesetzt wurden die Lokomotiven landesweit etwa je zur Hälfte von der Rete Ferroviaria Italiana im Rangierdienst und der Mercitalia im Güterzugdienst.

In der Zwischenzeit wurden sie mit dem System Sistema di Controllo della Marcia del Treno für den freizügigen Einsatz auf Strecken ausgerüstet. Hauptsächlich werden die Lokomotiven für Rangierarbeiten in Bahnhöfen und Güterbahnhöfen eingesetzt, seltener sind Übergabezüge und reguläre Güterzüge.

Die D.145.2029 wird bei Rete Ferroviaria Italiana für Diagnosezüge verwendet.E. Barazzuol, F. Bloisi, F. Maria, A. Nascimbene e P. Visintini, 70 anni di manovre, in Tutto Treno, Nr. 287, 2014, S. 68–69

Von den Lokomotiven von FIAT wurden die 1005, 1007, 1011, 1013, 1022, 1029, 1034, 1036 sowie 1039 und von den Lokomotiven von TIBB waren die 2017, 2019, 2041 und 2059 bis zum Jahre 2020 ausgemustert.

Technik Die Lokomotiven besitzen zwei Vorbauten sowie einen mittleren Führerstand, in dem die Führerstände diagonal in Fahrtrichtung angeordnet sind. Bei der FS D.145.10 sind in beiden Vorbauten je eine Maschinenanlage mit Dieselmotor und Drehstromgenerator untergebracht, bei der D.145.20 existieren zwei unterschiedlich lange Vorbauten. Im längeren Vorbau befindet sich die Maschinen- mit der Kühlanlage, im kürzeren die elektrischen Steuerung. Die D.145.20 haben in der Höhe etwas abgesetzte Vorbautendächer, damit sollte die Sicht des Fahrpersonals nicht beeinträchtigt werden. Alle Lokomotiven besitzen seitliche Führerhausaufstiege und gesicherte Umläufe um die Vorbauten herum.

Die D.145.10 sind mit zwei Maschinenanlagen, bestehend aus je einem 12-Zylinder-Viertakt-Dieselmotor IVECO 8297.22 und dem Drehstromgenerator, ausgerüstet. Die D.145.20 besitzen nur eine Maschinenanlage, bestehend aus dem 12-Zylinder-Viertakt-Dieselmotor BRIF ID 36S 12V und dem Drehstromgenerator.

Mit der ersten Bauausführung konnten die beschriebenen Antriebsvariationen realisiert werden. Über den Umformer werden die sechspoligen Drehstromfahrmotoren des Typ FRA 3371 B gespeist. Diese Antriebskonfiguration ermöglicht eine stufenlose Drehzahlregelung der Fahrmotoren.

Gebremst werden die Lokomotiven elektrisch oder mit der indirekten- sowie direkten Bremse, als Feststellbremse besitzen die Loks die Federspeicherbremse.

Literatur Thomas Estler, Loks der italienischen Staatsbahnen FS, Transpress Verlag Stuttgart, 2019, ISBN 978-3-613-71598-1

Siehe auch Liste der italienischen Lokomotiven und Triebwagen

Weblinks

Internetseite über die Lokomotiven D.145 auf scalaenne.wordpress.com, 2021, italienisch Fotosammlung über die D.145 auf trainspo.com, 2011, englisch Fotosammlung über die D.145 im Fährverkehr auf www.hrohrer.ch, 1993, englisch

Einzelnachweise

D.145 Kategorie:Dieselelektrische Lokomotive Kategorie:Schienenfahrzeug (Fiat) Kategorie:Schienenfahrzeug (TIBB)