Das Kollegium der Oberalten ist eine Vereinigung von jeweils drei Gemeindeältesten der Hamburger Hauptkirchen: mini|Wahl der Oberalten durch kirchliche Gliederungen St. Petri St. Nikolai (Harvestehude), früher St. Nikolai (Altstadt) St. Katharinen St. Jacobi St. Michaelis, bekannter als „Michel“ Das Kollegium existiert seit 1528.
Geschichte In den 1520er Jahren hielt die Reformation in Hamburg Einzug. Johannes Bugenhagens Schrift Vom christlichen Glauben und rechten guten Werken veranlasste zunächst das Nikolai-Kirchspiel, sich eine Gotteskastenordnung zur Versorgung der Armen zu geben. Die Spenden wurden von 12 aus der Gemeinde gewählten Diakonen verwaltet. Die anderen drei Kirchspiele (St. Michaelis gab es damals noch nicht) schlossen sich an. Im Langen Rezess von 1529 ernannte die Hamburgische Bürgerschaft die 48 Armenpfleger zu ständigen Vertretern der Bürger gegenüber dem Rat. In der Kirchenordnung von 1529 kam zu den vier Gemeindegotteskästen noch ein „Hauptkasten“ hinzu. Dazu kam die Verwaltung des Heilig-Geist-Spitals, des in ein Frauenwohnstift umgewandelten Franziskanerklosters und weiterer Stiftungen. Unter den Diakonen jedes Kirchspiels sollten in einem komplizierten Wahlverfahren vom Rat und dem Diakonenkollegium je 4 Oberalte gewählt werden, von denen jeweils drei die Schlüssel des Armenkastens der Gemeinde verwahrten, während die übrigen vier gemeinsam die Aufsicht über den Hauptkasten innehatten.Tim Lorentzen: Johannes Bugenhagen als Reformator der öffentlichen Fürsorge; Mohr Siebeck, 2008, S. 269. 512 Eine ähnliche Ordnung entwarf Bugenhagen auch für Lübeck, wo die Rolle der politischen Vertretung jedoch vom Bürgerausschuss der 64 übernommen werden sollte, während sich die Aufgabe der Oberalten auf die Armenfürsorge beschränkte. Das Scheitern des Bürgermeisters Jürgen Wullenwever führte aber dazu, dass dieses Modell nie in Anwendung kam.Tim Lorentzen: Johannes Bugenhagen als Reformator der öffentlichen Fürsorge; Mohr Siebeck, 2008, S. 272. In Hamburg dagegen wuchs der politische Einfluss der Oberalten in den folgenden Jahrhunderten.
Während die ersten Oberalten die Anführer der reformatorischen Bewegung in Hamburg gewesen waren, rekrutierte das Kollegium sich bereits eine Generation später aus denselben Kreisen wie der Rat. Die Diakone rekrutierten neue Mitglieder bald wie der Rat durch Selbstergänzung. Die Oberalten wurden nach dem Senioritätsprinzip aus dem Kreis der Diakone bestimmt, weshalb das Kollegium, dessen Mitglieder früher auf Lebenszeit gewählt wurden, bald vergreiste und als „Überalte“ verspottet wurde.M. H.: Oberalte. In: Franklin Kopitzsch, Daniel Tilgner (Hrsg.): Hamburg Lexikon. 4., aktualisierte und erweiterte Sonderausgabe. Ellert & Richter, Hamburg 2010, ISBN 978-3-8319-0373-3, S. 356.
Mit der Hamburgischen Verfassung von 1860 verlor das Kollegium der Oberalten seine politische Funktion. Heute bildet es das Kuratorium für das Hospital zum Heiligen Geist, eine große Hamburger Seniorenwohnanlage. Seine Mitglieder scheiden nach ihrem 75. Geburtstag aus.
Oberalte 1528 bis 2000
16. Jahrhundert 1528: Götke Möller, Hermann Soltow, Detlev Schuldorp, Joachim Möller, Joachim von der Fechte, Carsten Keding, Meino von Eitzen, Hinrick Davorde, Joachim Wullenweber,Wullenwever, der Bruder des Lübecker Bürgermeisters Jürgen Wullenwever, verlor sein Amt nach dessen Sturz und Hinrichtung 1536. Sein Verhältnis mit Agneta Willeken, der Geliebten des ebenfall1536 hingerichteten Marx Meyer förderte den Verdacht gegen ihn, Verrat an Hamburg zu üben. Hans Hartmann, Dierich Bödeker, Hans von Bergen 1529: Claus Rodenborg, Nikolaus Hartiges, Cord Goldener, Tolen Anckelmann, Michael Panning, Hinrich Schowenborg 1531: Hinrich Rademaker 1532: Johann Rentzel, Thomas Koppen, Friedrich Ostra, Peter Hesterberch 1533: Carsten Sander, Hans Hesterberch, Claus Hollmann 1534: Claus von der Hoye 1535: Jacob Shiphower, Hermann Verken 1536: Joachim Rentzel 1537: Herbert von der Hude 1540: Cordt Kruse, Werner Werneken, Lüdeke Rull 1543: Hermann Schele 1544: Hans Kalenberch 1546: Hinrich Rheder 1547: Hinrich Schütte 1548: Anton Ehlers, Dierk Berstenborstel, Hans Eggers 1549: Paul Gerckens 1551: Reineke Reineken, Joachim Amelinghusen 1552: Klaus Korvemaker 1555: Joachim Brand 1558: Christoph Kellinghusen 1559: Lucas Beckmann, Johann von Spreckelsen 1561: Johann Hartig 1562: Lorenz Witteneven 1563: Paul Vaghet, Hinrich Wittekop 1564: Jürgen Witte 1566: Hinrich Koep, Meino von Eitzen d. J., Cord Bestenborstel 1567: David Grote 1568: Reymer Tuusen 1569: Hinrich Tamme, Jakob von der Peltzen 1570: Jakob Prigge 1571: Hinrich Rode 1572: Antor Peters 1574: Barteldt Busch 1577: Wilhad Hartken 1578: Simon van Dulmen 1579: Hans Eggers, Johann Moller 1581: Franz Jügert 1582: Hans von Bergen, Jürgen vom Holte 1583: Claus Scharmbecke 1586: Daniel von Eitzen 1589: Hieronymus Reinstorp 1590: Eberhard Esich 1591: Lucas Beckmann, Joachim Langermann 1592: Albert Hackmann 1593: Peter Muhle 1595: Albert von der FechteBei Gustav Bolland, Die Bramfelder Brücke in Barmbek. In: Hamburgische Geschichts- und Heimatblätter. Jahrgang 1970, Heft 8, S. 217–277, wird er Albert van der Vechte genannt. 1596: Albert Willers, Claus Stemshorn 1597: Hans Scherrenberch, Paridom vom Kampe 1599: Erich Soltow
17. Jahrhundert mini|Ditmar Koel (auch Dithmar Kohl, Enkel von Bürgermeister Ditmar Koel), Oberalter 1619, gemalt 1606 von David Kindt mini|Paul Amsinck, Oberalter 1681 1600: Henning Heldt 1602: Johann Wetken, Albert Wittekop 1604: Jakob Eggers 1605: Otto Sillem 1606: Johann Koep, Johann Münden 1607: Johann Tunemann, Frederik Telemann 1608: Vincent von Spreckelsen 1609: Johann vom Kampe, Johann Langenbeck, Hans Schaffshausen 1610: Jeronymus Knakerügge 1611: Andreas Schröder 1612: Diederich Suermann, Hinrich Stampeel 1614: Jochim Busch, Peter Röver, Hinrich Bekendorp 1615: Meino von Eitzen, Wilhelm von Düten 1616: Johann Spitzenberch 1617: Jochim Mule 1618: Diederich Moller, Peter von Spreckelsen, Joachim Hartiges, Albert Bekendorp 1619: Joachim Wichmann, Hinrich Herinck, Dithmar Kohl 1621: Eler Esich, Joachim Bare 1622: Johann Frederichs 1623: Johann Rump 1625: Caspar von der Fechte 1626: Hinrich Schwelund, Joachim Twestreng, Jürgen Schrötteringk 1627: Jochim Elvers, Johann Garmers 1628: Matthäus Sillem, Johann Wetken 1629: Claus Schulte 1631: Andreas Tegge 1632: Peter Juncker 1633: Hermann Rentzel 1634: Johann Wichmann 1637: Jürgen vom Holte 1638: Johann Hanses, Hermann von Eitzen 1639: Friederich Hartken, Detleff Heldt 1641: Andreas Schroeder, Hans Landerhusen, Jakob Stenwick 1642: Hermann Langenbeck, Hein Sillem, Johann Lütkens 1643: Detleff Heldt 1644: Jochim Beckmann, Jürgen Stampeel 1645: Jürgen Möller 1647: Hinrich Wichmann 1648: Albert Schulte 1649: Magnus Hornmann 1650: Garleff Langenbeck, Diederich Schrötteringk, Johann Moller, Nikolaus Sillem 1652: Nikolaus von der Fechte, Jürgen vom Holte 1653: Peter von Spreckelsen, Heinrich Busch, Jürgen Schrötteringk 1655: Paulus Langermann, Hieronymus Meurer 1657: Diederich Basmer 1658: Basilius von dem Bostel 1660: Johann Bostelmann 1661: Hinrich Sillem 1662: Peter Kentzler, Hermann Rentzel 1663: Lorenz Wördenhoff, Jobst von Lengercke 1665: Joachim Anckelmann 1666: Otto Sillem, Georg Becceler 1667: Hinrich Grote, Diederich Hoppe, Hinrich Kentzler, Jobst Brandt, Nikolaus Krull 1668: Albert Wulff 1669: Jürgen Schrötteringk 1670: Cornelio Langermann, Diederich Schelhammer, Casten Busch, Johann Stael 1671: Johann Möllmann, Jürgen Kellinghusen 1673: Hinrich Matfeldt 1674: Cord Vegesack 1675: Johann Pape 1676: Hans Erlenkamp, Hans Bickel 1677: Marcus Peters 1678: Diederich Stael, Nikolaus Ludwig Rulant 1679: Detleff Brasche, Anton Wagener 1680: Zacharias Sökelandt, Johann Koch, Daniel Witte, Johann Rumpff, Jochim Stemann, Nikolaus von Beseler, Claus Dee, Hinrich Jacobsen 1681: Wilhelm Stadlander, Paul Amsinck 1682: Joachim von Spreckelsen, Hans Christoph Weissbach 1684: Wilcken Willer 1685: Hieronymus Lustig, Hans Christoph Mackh, Hans Jacobsen 1687: Christian Köthen, Jürgen Helmcke, Christopher Nootnagel 1688: Claus Wiegerss 1690: Caspar Anckelmann, Guilliam Vegesack, Johann Pell, Johann Kentzler, Hans Lambrecht 1691: Ludwig Becceler 1693: Johann Hering (Herinck), Johann Cordes, Albert Oldenburg, Johann Sellhoff 1694: Hartwig Stael, Albert Cohlbrant 1695: Roloff Knust, Hinrich Schlicht, Paulo Goldener 1696: Andreas Dathe 1697: Peter Carstens, Gerd Lente 1698: Hans Witte 1699: Hans Heydtmann
18. Jahrhundert 1700: Berend Krop, Christoffer Meyer 1702: Nikolaus Wunderlich, Johann Hökenkamp, Friedrich Wahn 1704: Georg Kopp 1706: Jakob Brommer 1707: Johann Prigge 1710: Matthias Mutzenbecher, Daniel Junker, Eibert Tieffbrunn, Conrad Ester 1711: Albert Schrötteringk 1712: Georg von der Meden, Johann Corfinius, Frans Bostelmann 1714: Christoff Darnedden, Andreas Meckenhäuser, Carl Peinhorst 1715: Johann Christoph Pfautzsch 1716: Patrik Bey 1719: Vincent Moller, Claus Stolley 1720: Peter Jacobsen, Jochim Steinkopff, Eberhard Pacher, David Geissmer 1721: Cord Rohde, Jochim Brüning 1722: Claes Makens, Joachim Persent 1723: Barthold Johann Bauch, Paridom vom Kampe, Hinrich Peter Kentzler 1726: Johann Caspar Weber 1727: Arnold Brüning, Hieronymus Lustig, Reinhold Brandt 1729: Johann Guhl, Johann Conrad Steckelmann, Cord Meyer, Samuel Klug, Philipp de Dobbeler, Matthias Böchmann, Nikolaus Jante 1734: Christoffer Lüttmann, Johann Behrmann 1735: David Doormann, Johann Friedrich Natorp 1738: Lucas Beckmann 1739: Christian Seyler 1740: Johannes Dresky, Daniel Schiebeler 1741: Johannes Dominicus Gaartz 1743: Johannes Diederich Cordes, Christian Brockes, Wilhelm Matfeldt 1744: Johann Hinrich Paulsen 1746: Eibert Tieffbrunn, Johann Stöver 1747: Philipp Hinrich Stenglin 1749: Jakob Singelmann, Andreas Jacobsen 1750: Ratje Richters 1751: Peter Neuhaus, Diederich von Spreckelsen 1752: Martin Gabriel Tielcke 1753: Johann Joachim Bühring, Hinrich Otto Seumnicht, Lorenz Poppe, Bernhard Hieronymus Luyders 1754: Hans Albers 1755: Christian Ludwig Fürstenau 1756: Raetcke Grotjan 1757: Diederich Heymann, Jürgen Schultz, Claus Dee 1758: Johann Philipp de Dobbeler 1759: Peter Johann Movers 1760: Joachim Kähler, Joachim von den Steenhoff, Johann Jürgen Berndes, Philipp Boetefeur 1761: Joachim Kellinghusen, Matthias Klefeker 1764: David Friedrich Klug, Christian Rohde, Johann Fleischmann 1766: Diederich Brandenburg, Martin Bernhard Printz, Hinrich Strunck, Bernhard Riecke, Hermann Christian Printz 1768: Walther Thode, Hinrich Reese, Johann Peter Trappe, Johann Koep, Daniel Poppe 1769: Lorenz Spieckerhoff 1770: Johann Christian Giese 1771: Peter Gülich 1772: Matthias von Döhren 1773: Andreas von Beseler 1774: Paul Hinrich Trummer, David Doormann 1776: Johann David Petzold, Vincent Cramer 1777: Lucas Hinrich Eding, Julius Peter Stampeel 1778: Albert Möller, Vincent Bulle, Nikolaus Adolph Schmidt, Johann Hinrich von Essen 1779: Johann Lustig, Johann Friedrich Schrader 1780: Johann Conrad Klinck 1781: Thomas Hoffmann, Johann Georg Feistkorn, Philipp Schlüter, Jacob Hinrich Hudtwalcker, Garlieb Amsinck, Johann Gottlieb Gerhard 1782: Johann Bostelmann 1783: Hinrich Jönsen, Franz Andreas Prale, Marcus Oldenburg, Friedrich Justus 1784: Detlof Nordthoff, Christian Reiners 1786: Adolph Schlüter, Joachim Friedrich Cunitz, Joachim Matthias Hasse, Johann Philipp Tietjens 1787: Peter Joachim Heymann, Moritz Nikolaus Hartung, Paridom Daniel Korn, Johann Nicolaus Kahrs 1789: Peter Wortmann, Peter Hinrich Jürgensen, Johann Christoph Carl Meyer, Rudolph Amsinck, Heino Christian Brandenburg 1790: Hans Jürgen Schröder, Simon Henning Brauer 1791: Balduin Balthasar Goedecken 1792: Friedrich Carstens, Johann Joachim Tecklenburg 1793: Johann Peter Seydler 1794: Michael Harmensen