Melita ist eine zwischen 1922 und 1926 in Malta verausgabte Briefmarkenserie mit Fiskalgültigkeit. Die als „Postage & Revenue“ beschrifteten Werte waren sowohl als Briefmarken als auch als Stempelmarken verwendbar. Die Serie entstand anlässlich der neuen Verfassung von 1921 und war zugleich als längerfristig verwendete Dauermarkenserie gedacht.
Die Entwürfe stammen von den maltesischen Künstlern Edward Caruana Dingli und Gianni Vella. Caruana Dinglis Gestaltung wurde für die Pence-Werte sowie den Höchstwert zu £1 verwendet, Vellas Entwurf für die Shilling-Werte. Die Serie wurde bei ihrem Erscheinen vielfach kritisch aufgenommen; heute gilt sie jedoch als eine der bekanntesten klassischen Briefmarkenserien Maltas.
Hintergrund mini|hochkant|Melita-Marke von 1899
Die Personifikation Melita ist seit dem späten Mittelalter belegt und entwickelte sich vermutlich aus allegorischen Darstellungen des Johanniterordens, der Malta zwischen 1530 und 1798 beherrschte.Derk Kinnane-Roelofsma: Britannia and Melita: Pseudomorphic Sisters. In: Journal of the Warburg and Courtauld Institutes. Band 59, 1996, S. 130–147.
Auf Briefmarken erschien Melita erstmals 1899. Der Wert zu 2/6 in olivgrau zeigte sie mit Schwert und Schild; letzterer trug ein Malteserkreuz. Im Hintergrund waren die Flaggen Maltas und des Johanniterordens zu sehen. Diese Marke wurde 1919 mit verändertem Wasserzeichen erneut aufgelegt und blieb bis zur Einführung der Melita-Serie in Gebrauch. Auch für fiskalische Zwecke wurden Varianten mit Überdrucken verwendet.
1921 erhielt Malta nach der Amery-Milner-Verfassung eine begrenzte Selbstverwaltung innerhalb des Britischen Empires. Die Regierungsgewalt wurde zwischen einer maltesischen Regierung und einer imperialen Regierung aufgeteilt. Erstere umfasste eine Zweikammer-Legislative mit Senat und Legislative Assembly, während die imperiale Regierung unter Leitung des Gouverneurs von Malta weiterhin für vorbehaltene Bereiche wie Verteidigung und öffentliche Ordnung zuständig blieb.Carmel Cassar: A Concise History of Malta. Mireva Publications, Msida 2000, ISBN 1870579526, S. 204.
Am 17. Juni 1921 wurde ein Wettbewerb zur Gestaltung eines neuen Briefmarkensatzes ausgeschrieben, der Maltas neue verfassungsrechtliche Stellung würdigen sollte. Die Marken waren damit zugleich als politisch motivierte Gedenkausgabe und als Dauermarken für den längerfristigen täglichen Gebrauch vorgesehen.
Die Einführung der neuen Marken verzögerte sich jedoch, da die Druckerei De La Rue stark ausgelastet war. Um die neue Verfassung dennoch zeitnah philatelistisch zu würdigen, wurden bestehende Freimarken mit dem diagonalen Aufdruck „SELF-GOVERNMENT“ versehen und zwischen Januar und April 1922 ausgegeben. Erst im August 1922 erschien die eigentliche Melita-Serie.
Entwurf mini|Die Leuchte bei Fort St. Elmo mini|Ein Gozo-Boot; beide Motive erscheinen im Hintergrund von Caruana Dinglis Entwurf
Aus dem Wettbewerb wurden zwei Entwürfe ausgewählt: einer von Edward Caruana Dingli und einer von Gianni Vella. Caruana Dinglis Entwurf gewann den ersten Preis. Er wurde für zehn Wertstufen verwendet, nämlich für die Pence-Werte von ¼d bis 6d sowie für den Höchstwert zu £1. Vellas Entwurf kam bei den fünf Shilling-Werten von 1/- bis 10/- zur Anwendung.
Caruana Dinglis Entwurf zeigt Melita als gewandete und behelmte Figur mit einem Ruder, das Malta als Herrin seines eigenen Schicksals symbolisieren soll. Im Hintergrund erscheint eine Meereslandschaft mit der Leuchte bei Fort St. Elmo und einem Gozo-Boot. Unten befinden sich ein Schild mit dem Union Jack und ein Kolonialabzeichen Maltas.
Vellas Entwurf zeigt Melita zusammen mit Britannia als allegorische Darstellung der Beziehung zwischen Malta und dem Vereinigten Königreich. Melita hält einen Olivenzweig und umarmt Britannia, die einen Helm und einen Schild mit dem Union Jack trägt. Die Komposition wurde unterschiedlich interpretiert, etwa als Darstellung von Schwestern oder einer Mutter-Tochter-Beziehung, und sollte Schutz, Fürsorge und politische Verbundenheit versinnbildlichen.
Beide Entwürfe tragen die Inschrift „POSTAGE [&] REVENUE“ und waren damit sowohl postalisch als auch fiskalisch gültig.
mini|Postalisch verwendete 1d-Marken mit Stempeln von Sliema sowie fiskalisch verwendete Einzelmarke mit Entwertung der Anglo-Egyptian Bank
Technische Merkmale mini|Das Wasserzeichen „Multiple Script CA“
Die Herstellung erfolgte durch De La Rue im Mehrfarbendruck mittels zweier Druckplatten, nämlich Schlüsselplatte und Wertplatte. Die meisten Werte wurden im Buchdruck hergestellt, während der £1-Wert im Stichtiefdruck ausgeführt wurde.
Die Marken wurden auf kreidegestrichenem Papier gedruckt; der £1-Wert erschien auf gewöhnlichem weißem Papier. Als Wasserzeichen kam das sogenannte „Multiple Script CA“ zur Anwendung, bestehend aus den Buchstaben „CA“ für die Crown Agents unter einer stilisierten Tudor-Krone, mehrfach wiederholt.
Die Ausrichtung des Wasserzeichens variiert je nach Wertstufe. Bei den Pence-Werten liegt es seitlich, bei den Shilling-Werten aufrecht. Der £1-Wert existiert in beiden Varianten, da er 1925 mit aufrechtem Wasserzeichen erneut verausgabt wurde.
Die Marken wurden in unterschiedlichen Bogengrößen hergestellt: Pence-Werte: 160 Marken in zwei Teilbogen Shilling-Werte: 80 Marken £1-Wert: 40 Marken
Die Zähnung erfolgte im Kammverfahren mit einem Maß von 14,2.
Von der Serie sind zahlreiche Andrucke und Plattenproben bekannt, teils in nicht verausgabten Farben, auf Papier mit oder ohne Wasserzeichen, gezähnt oder ungezähnt sowie mit oder ohne Specimen-Aufdruck.The John A. Trory Specialised Catalogue of Malta. 6. Auflage, 1990, S. 20.
Ausgaben mini|2½d auf 3d
Die ersten Werte der Serie erschienen am 1. August 1922 mit den Nennwerten ½d, 1d, 6d, 1/- und 2/-. Es folgten ¼d am 22. August sowie 2d, 3d, 4d, 2/6, 5/-, 10/- und £1 am 28. August. Ein Wert zu 1½d wurde am 1. Oktober 1923 ergänzt. Am 25. April 1924 wurde der 1d-Wert in neuer Farbe, außerdem ¼d und 3d in leicht veränderten Farbtönen neu aufgelegt.Joseph Buttigieg: The JB Catalogue of Malta Stamps and Postal History. 22. Auflage, Sliema Stamp Shop, Sliema 2014, S. 10–11. Der £1-Wert erschien am 14. Mai 1925 mit verändertem Farbton und anderer Wasserzeichenlage erneut.
Ein Bedarf nach einem 2½d-Wert ergab sich 1925 infolge einer Senkung des Auslandsbriefportos.Mark Anthony Poulton: The Gozo Boat on Malta Stamps. In: Gozo Philatelic Society Newsletter. Nr. 74, 2018, S. 6–13. Vorräte des 3d-Wertes wurden daher in der staatlichen Druckerei mit „Two pence halfpenny“ überdruckt und am 3. Dezember 1925 ausgegeben. Ein regulärer 2½d-Wert sowie ein 3d-Wert in neuer Farbe folgten am 16. Februar 1926.
Werte und Farbvarianten Nennwert Farbe(n) Papier Wasserzeichenlage Ausgabedatum ¼d braun weiß, kreidegestrichen seitlich 22. August 1922 ¼d schokoladenbraun weiß, kreidegestrichen seitlich 25. April 1924 ½d grün weiß, kreidegestrichen seitlich 1. August 1922 1d orange und violett weiß, kreidegestrichen seitlich 1. August 1922 1d leuchtend violett weiß, kreidegestrichen seitlich 25. April 1924 1½d braunrot weiß, kreidegestrichen seitlich 1. Oktober 1923 2d bisterbraun und türkis weiß, kreidegestrichen seitlich 28. August 1922 2½d auf 3d kobaltblau weiß, kreidegestrichen seitlich 3. Dezember 1925 2½d auf 3d leuchtendes Ultramarin weiß, kreidegestrichen seitlich 9. Dezember 1925 2½d Ultramarin weiß, kreidegestrichen seitlich 16. Februar 1926 3d Kobaltblau weiß, kreidegestrichen seitlich 28. August 1922 3d leuchtendes Ultramarin weiß, kreidegestrichen seitlich 25. April 1924 3d schwarz und gelb weiß, kreidegestrichen seitlich 16. Februar 1926 4d gelb und leuchtend blau weiß, kreidegestrichen seitlich 28. August 1922 6d olivgrün und rötlich violett weiß, kreidegestrichen seitlich 1. August 1922 1/- Indigo und Sepia weiß, kreidegestrichen aufrecht 1. August 1922 2/- braun und blau weiß, kreidegestrichen aufrecht 1. August 1922 2/6 leuchtend magenta und schwarz weiß, kreidegestrichen aufrecht 28. August 1922 5/- orangegelb und leuchtendes Ultramarin weiß, kreidegestrichen aufrecht 28. August 1922 10/- schiefergrau und braun weiß, kreidegestrichen aufrecht 28. August 1922 £1 schwarz und karminrot weiß seitlich 28. August 1922 £1 schwarz und leuchtendes Karmin weiß aufrecht 14. Mai 1925
Einige Werte kommen mit kopfstehendem Wasserzeichen vor; außerdem sind auf den Werten zu 1d und 3d Druckfehler bekannt.
POSTAGE-Überdrucke von 1926 mini|1½d mit dem Überdruck „POSTAGE“
1926 wurde die Doppelverwendung der Marken für Post- und Fiskalzwecke abgeschafft und durch getrennte Ausgaben ersetzt.Graham Smeed: Malta Revenue Stamps. Malta Study Circle, 1977, S. 5. Daher entschied man, die Werte der Melita-Serie mit dem Wort „POSTAGE“ zu überdrucken. Die Aufdruckform wurde von John Muscat Fenech und Carmelo Cacopardo vorbereitet; der Überdruck wurde in der letzten Märzwoche 1926 eilig in der staatlichen Druckerei ausgeführt.Albert Ganado: The Melita 3d. Postage Inverted: Politics embroil philately. In: Melita Historica. Band XIV, Nr. 4, 2007, S. 409–428.
Der Aufdruck wurde auf alle Werte von ¼d bis 10/- angewendet, ausgenommen jene, die bereits vorher durch neue Farbtypen ersetzt worden waren. Die Ausgabe erfolgte am 1. April 1926. Berichten zufolge wurde der Aufdruck auch auf eine kleine Zahl des £1-Wertes gesetzt, diese Stücke wurden jedoch nicht verausgabt und der Bestand vernichtet. Die verausgabten Aufdrucke waren nur etwa eine Woche im Verkauf; bereits am 6. April 1926 erschien eine neue Briefmarkenserie mit dem Aufdruck „POSTAGE“ im Markenbild selbst.Noel Davenhill: British Colonial and Protectorate Stamps – Part 19: Malta. In: Gibbons Stamp Monthly. Band 50, Nr. 7, 2019, S. 62–68.
Während des Drucks wurden einige fehlerhafte Stücke erkannt und vor der Vernichtung ausgesondert. Dennoch gelangten Marken mit Aufdruckfehlern in den Umlauf, darunter der 3d-Wert mit kopfstehendem Aufdruck sowie verschiedene Werte mit verrutschten Aufdrucken. Besonders bekannt ist eine Variante des 4d-Wertes, bei der der Aufdruck „AGE POST“ lautet.
3d mit kopfstehendem Aufdruck
mini|3d schwarz auf gelb mit kopfstehendem Überdruck
Die 3d schwarz auf gelb ist mit kopfstehendem Aufdruck bekannt und gehört zu den bekanntesten Fehlmarken Maltas. Es wird angenommen, dass nur zwei Bogen dieses Fehlers gedruckt wurden. Sie sollen am ersten Ausgabetag von dem Politiker Alfredo Caruana Gatto, damals Senator und ehemaliger Justizminister, erworben worden sein. Die genauen Umstände der Abgabe blieben jedoch ungeklärt.
1930 wurde die Frage nach der Herkunft dieser Stücke zum Gegenstand einer politischen Kampagne der Constitutional Party gegen die Nationalist Party, die als „Postage Stamps Scandal“ bekannt wurde. Das Thema wurde am 31. März 1930 in der Legislative Assembly aufgegriffen; anschließend wurde ein Untersuchungsausschuss eingesetzt.
In der Philatelie wird der kopfstehende Überdruck überwiegend als echte Fehlleistung angesehen, auch wenn seine genaue Entstehung bis heute ungeklärt ist.
Rezeption Die Serie wurde bei ihrem Erscheinen überwiegend kritisch aufgenommen. Selbst Caruana Dingli war mit der drucktechnischen Umsetzung unzufrieden. In der Zeitung Il Popolo di Malta schrieb er am 4. August 1922, das Ergebnis bleibe trotz seiner Korrekturen und künstlerischen Anmerkungen hinter seinen Erwartungen zurück; seine Vorlage sei von Hand kopiert und dadurch in ihrer Wirkung wesentlich verändert worden.
Besonders kritisierte er, dass die Leuchte im Hintergrund wie ein Bienenkorb oder wie die Rotunda von Mosta wirke. Auch die Farbauswahl missfiel ihm, und er beanstandete, dass er hierzu nicht konsultiert worden sei. Um die Unterschiede zu verdeutlichen, stellte er in der Nationalbibliothek in Valletta eine vergrößerte Fassung seines ursprünglichen Entwurfs aus.
mini|hochkant|Der 4d-Wert in gelb und blau wurde besonders kritisiert