Rose Scott-Moncrieff (* 19. April 1903 in London, England; † 30. Juli 1991 in Epson, England) war eine englische Biochemikerin. Sie gilt als Begründerin der Biochemischen Genetik, nachdem sie die Stoffwechselsequenz und die genetische Grundlage der Pigmentbiosynthese in Blüten ermittelt hatte.
Leben und Werk Scott-Moncrieff war eines von acht Kindern von Kenneth Alexander Scott-Moncrieff und Rose Josephine Lea. Nach ihrem Studienabschluss in Biologie am Imperial College London trat sie dem Biochemischen Institut in Cambridge bei. Sie wurde dort zunächst von Muriel Wheldale Onslow bei der Erforschung der genetischen Kontrolle der Pigmentierung in Antirrhinum majus betreut. Durch diese Arbeit erwarb sie Fachkenntnisse in der Isolierung und Charakterisierung von Anthocyanen, was damals eine aufwendige Methodik der Trennung und Interaktionstests zwischen verschiedenen chemischen Verbindungen erforderte. 1928 begann sie eine Zusammenarbeit mit der Universität Oxford mit Robert Robinson und seiner Ehefrau Gertrude Maud Robinson, die an der chemischen Synthese von Anthocyanen arbeiteten und später die Anthocyane in einer Vielzahl von Pflanzen untersuchten.https://media.dav-medien.de/sample/9783515135931_p.pdf In Oxford reinigte Scott-Moncrieff Delphin, ein Diglycosid des Delphinidins aus Salvia patens, das später auch in violetten und kastanienbraunen Formen von Verbena hybrida identifiziert wurde, sowie die kristalline Form von Primulin (3-Glycosid des Malvidins) aus Primula sinensis.
Scott-Moncrieff erhielt 1930 an ihrem Arbeitsplatz im Biochemischen Institut die Nachricht von ihrer Promotion von ihrem Laborassistenten. Da Scott-Moncrieff ihr Promotionsstudium an der Universität Cambridge aufnahm, konnte sie nur einen Ehrendoktortitel erwerben, denn die Universität Cambridge verlieh Frauen erst ab 1948 akademische Grade.
Sie wechselte 1933 an das John Innes Centre in Merton, wo sie ihre Forschung bis 1937 fortsetzte. J. B. S. Haldane leitete dort die genetischen Experimente.
1937 heiratete sie den Elektroingenieur Oswald Meares und reiste mit ihm nach Indien. Sie lebte dort bis zur Unabhängigkeit 1947. Neben der Erziehung ihrer beiden Töchter beteiligte sie sich an kriegsbedingten Untersuchungen zur Tarnung, war Bezirkskommissarin der Pfadfinderinnen in Kanpur und erwarb Einblicke in das indische Bildungswesen. Im Januar 1945 wurde sie Präsidentin der Frauensektion der Allindischen Bildungskonferenz.http://www.biochemist.org/bio/03802/0048/038020048.pdf
Nach ihrer Rückkehr nach England lebte sie mit ihrer Familie in Guildford, wo sie später im Hochschulwesen in Surrey tätig wurde. Sie starb 1991 in Surrey im Alter von 88 Jahren.
Biochemische Genetik Mit dem Ziel der gegenseitigen Zusammenarbeit gelang es, eines der ersten Forschungsteams im Bereich der biochemischen Genetik zu gründen, das weitreichende Ergebnisse erzielte. So wurden in den 1930er Jahren mehrere Artikel zu diesem Thema in Fachzeitschriften wie dem Biochemical Journal und Nature veröffentlicht. Diese Artikel beschrieben detailliert die Techniken zur chemischen Charakterisierung von Anthocyanen aus verschiedenen Pflanzen und enthielten gleichzeitig Hinweise auf die genetische Steuerung dieser Farben.
Das Verständnis der von Genen hervorgerufenen chemischen Veränderungen ermöglichte das Verständnis ihrer Wirkungsweise und bildete die Leitidee dieser Forschungskooperation zwischen Genetikern und Biochemikern, die den Grundstein für die neue Disziplin der biochemischen Genetik legte. Eindeutige Belege für diesen Fokus auf die Beziehung zwischen Genen und Enzymen liefert Scott-Moncrieffs Arbeit von 1931 in Nature mit dem Titel The chemical effect of a Mendelian factor for flower colour. Darin beschrieb sie erstmals die Wirkung eines Gens aus Pelargonien auf die Oxidation des B-Rings von Pelargonin zu Cyanin. Dieser Artikel etablierte das Konzept, dass Gene die Enzymaktivität bestimmen, und wurde durch umfangreiche weitere Forschungen zu den biochemischen und genetischen Determinanten der Blütenfarbe gestützt.
2017 rief das John Innes Centre, wo Scott-Moncrieff in den 1930er Jahren arbeitete, eine jährliche Rose Scott-Moncrieff-Vorlesung ins Leben.
Veröffentlichungen (Auswahl) LXXXV. Natural Anthocyanin Pigments. I. The magenta flower pigment of Antirrhinum majus. Biochem. J. 24, 1930, S. 753–766. Natural Anthocyanin Pigments. The magenta flower pigment of Antirrhinum majus. In: Biochemistry Jg. 1930, S. 748–766. mit V. C. Sturgess: Natural anthocyanin pigments 3. Flower pigments of Verbena hybrida. Biochem. J., 34, 1940, S. 268–271. doi:10.1042/bj0340268 Natural anthocyanin pigments: The magenta flower pigment of Primula polyanthus. Biochem J., 24, 1930, S. 767–778. The Chemical Effect of a Mendelian Factor for Flower Colour. Nature, 127, 1931, S. 974–975. A biochemical survey of some mendelian factors for flower colour. J. Genetics, 32, 1936, S. 117–170. The Classical Period in Chemical Genetics. Recollections of Muriel Wheldale Onslow, Robert and Gertrude Robinson and J. B. S. Haldane. Notes Rec. R. Soc. London. 36, 1981, S. 125–154.
Literatur Cathie Martin: Rose Scott-Moncrieff and the dawn of (Bio) Chemical Genetics. Biochemical Society, 2016, S. 48–53. Rose Scott-Moncrieff: The Classical Period in Chemical Genetics. Recollections of Muriel Wheldale Onslow, Robert and Gertrude Robinson and J. B. S. Haldane. Notes Rec. R. Soc. London. 36, 1981, S. 125–154 J. B. S. Haldane: The Biochemistry of Genetics. George Allen & Unwin, London, 1961. Marsha L. Richmond: Muriel Wheldale Onslow and Early Biochemical Genetics. J. Hist. Biol. 40, 2007, S. 389–426.
Einzelnachweise
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