alternativtext=Tor des Ritterguts Krüssau|mini|Tor des Ritterguts Krüssau Das Rittergut Krüssau (historisch auch Schloss Krüssau oder Haus Krussow genannt) war ein historischer Adelssitz im Dorf Krüssau, das heute ein Ortsteil der Stadt Möckern im Landkreis Jerichower Land in Sachsen-Anhalt ist. Das Herrenhaus und das dazugehörige Rittergut bildeten über Jahrhunderte den Mittelpunkt der Landwirtschaft und des Lebens im Ort und waren eng mit den Adelsfamilien von Arnim und von der Schulenburg verbunden.

Geschichte

Frühe Erwähnungen Das Rittergut und das Dorf Krüssau gehörten im Spätmittelalter zum Erzstift Magdeburg. Erste Veräußerungen und Belehnungen sind ab dem 14. Jahrhundert dokumentiert. Im Jahr 1364 wurde das Gut an Fritz von Bandow verkauft. Nur wenige Jahre später, im Jahr 1370, erscheint Krüssau urkundlich bereits als Lehen des magdeburgischen Oberhauptmanns Meinhard von Schierstedt. Das Lehnbuch des Erzbischofs Albrecht IV. verzeichnet schließlich für den Zeitraum von 1382 bis 1403 einen „Wernerus Kracht“ als Lehnsnehmer einer „curiam dictam Krossow“ (eines Hofes genannt Krüssau).

Im Jahr 1446 erhielt der Adlige Achim von Kracht das Haus Krussow, halb Gladau, Theeßen, Güsen, Detershagen, Nieplitz und Portez als Lehen vom Erzbischof Friedrich III.

Die Nachfahren der Familie von Kracht besaßen das Gut in der Folge über mehrere Generationen, bis es ihnen im Jahr 1475 nach einer Fehde durch den Erzbischof wieder entzogen wurde. Nach einem kurzzeitigen Besitz durch den kursächsischen Adligen Heinrich Löser wechselte das Gut im frühen 16. Jahrhundert erneut den Besitzer.

Hauptsitz der Familie von Arnim Eine herausragende Rolle für die Entwicklung des Schlosses und Gutes spielte das märkische Uradelsgeschlecht derer von Arnim. Im Frühjahr 1507 entschied sich Lippold I. von Arnim (* 1486; † 1525), den bisherigen Stammsitz seiner Familie im brandenburgischen Zehdenick aufzugeben. Stattdessen erwarb er am 29. Mai 1507 als Lehen das Rittergut Krüssau mitsamt den dazugehörigen Dörfern Krüssau, Theeßen, Gladau und Hohenseeden im damaligen Erzbistum Magdeburg.

Das Rittergut Krüssau wurde für Lippold I. zum Hauptsitz seiner Familie und bildete das Zentrum seiner neu erworbenen Herrschaft in dieser Region. Im Jahr 1519 erweiterte er den Familienbesitz durch einen Gütertausch um die benachbarte Feldmark Brandenstein.

Abgesehen von einer kurzen Unterbrechung während des Dreißigjährigen Kriegs, als Albrecht von Wallenstein das konfiszierte Gut 1630 an Johann Siebern verlieh, blieb Krüssau in Arnimschem Familienbesitz.

Die Familie von Arnim prägte den Ort in den folgenden zwei Jahrhunderten. Als Patronatsherren des Gutes traten sie auch als Kirchenstifter in Erscheinung: Im Jahr 1713 veranlassten der Gutsherr Michael Christoph von Arnim und seine Ehefrau Johanne Hedwig, geborene von Guericke, den barocken Neubau der benachbarten Jacobuskirche, bei dem Reste eines gotischen Vorgängerbaus integriert wurden.

Besitzerwechsel im 18. und 20. Jahrhundert Mitte des 18. Jahrhunderts ging das Gut Krüssau in den Besitz einer anderen einflussreichen Adelsfamilie über. In den Jahren 1750/1756 erwarb Christoph Daniel von der Schulenburg (Gutsherr auf Angern) das Rittergut. Sein Ziel war es, die weitreichenden Besitztümer seiner erweiterten Familie zeitweilig zu vereinen. Im weiteren Verlauf ging das Gut an andere Zweige der Familie von der Schulenburg über, so ist unter anderem ein Hypothekenschein über das Gut für Heinrich Moritz von der Schulenburg-Heßler dokumentiert.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wechselte das Schloss schließlich in bürgerliche Hände. Im Jahr 1908 kaufte ein Holzhändler namens Rüpping aus Charlottenburg das „Gut Krüssau mit Schloss und Wappen“. Er engagierte sich als Gutsherr unter anderem in der Kirche von Krüssau und finanzierte die Umgestaltung des Altarraumes.

Als politische Einheit existierte der eigenständige „Gutsbezirk Krüssau“ bis in die Weimarer Republik. Am 30. September 1928 wurde er im Rahmen einer preußischen Verwaltungsreform aufgelöst und mit der Landgemeinde Krüssau vereinigt.

Anlage Detaillierte architektonische Beschreibungen oder Abbildungen des ursprünglichen Gutshauses Krüssau sind heute kaum erhalten. Die enge historische Verbindung der Gutsherren zum Ort zeigt sich jedoch bis heute in der evangelischen Jacobuskirche. Dort befindet sich ein steinernes Epitaph für Lippold I. von Arnim sowie ein imposantes Wandepitaph für den Kirchenstifter Michael Christoph von Arnim († 1721). Unter dem Chorraum der Kirche existiert zudem eine im 20. Jahrhundert zugemauerte Gutsherrengruft.

Der Torbau des Ritterguts steht unter Denkmalschutz und ist als Baudenkmal mit der Erfassungsnummer 094 71347 im Denkmalverzeichnis von Sachsen-Anhalt registriert.

Literatur Adelsarchive im Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt. Übersicht über die Bestände, bearb. von Jörg Brückner, Andreas Erb und Christoph Volkmar (Quellen zur Geschichte Sachsen-Anhalts; 20), Magdeburg 2012, S. 193 f.

Einzelnachweise

Kategorie:Bauwerk in Möckern Kategorie:Rittergut in Sachsen-Anhalt Kategorie:Ersterwähnung 1364 Kategorie:Arnim (Adelsgeschlecht) Kategorie:Schulenburg (Adelsgeschlecht) Kategorie:Ruine in Sachsen-Anhalt