Lydia Pasternak Slater (geboren als Lidija Leonidowna Pasternak in Moskau, Russisches Kaiserreich; gestorben 4. Mai 1989 in Oxford) war eine russisch-britische Chemikerin und Schriftstellerin.

Leben Lydia Pasternak war eine Tochter des russischen Malers Leonid Ossipowitsch Pasternak (1862–1945) und der Konzertpianistin Rosalija Issidorowna Kaufmann (1867–1939). Ihr Bruder Boris Leonidowitsch Pasternak (1890–1960) wurde Schriftsteller, ihr Bruder Alexander Pasternak (1893–1982) Architekt und ihre Schwester Josephine Pasternak (1900–1993) promovierte in Philosophie.

Pasternak besuchte in Moskau das Mädchen-Gymnasium von Mansbach. Sie schrieb sich zunächst für Medizin an der Zweiten Moskauer Universität ein und wechselte dann an die Lomonossow-Universität, wo sie Chemie, Physik und Botanik studierte. Sie emigrierte 1921 mit ihren Eltern und ihrer Schwester nach Deutschland, wo sie das Studium an der Universität Berlin fortsetzte. Sie wurde 1926 mit einer am Pharmazeutischen Institut bei Karl Wilhelm Rosenmund angefertigten Dissertation über halogenierte Tyrosinderivate bei Hermann Thoms und Alfred Stock promoviert. Da sie nicht sofort eine Stelle fand, machte sie eine Lehre zur Fotografin. Ab 1928 arbeitete sie in München in der von Irvine H. Page geschaffenen Forschungsgruppe für Neurochemie an der Deutschen Forschungsanstalt für Psychiatrie. Sie war an Veröffentlichungen in der Biochemischen Zeitschrift beteiligt. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 wurde sie 1935 entlassen. Sie zog nach England und heiratete 1935 den Mediziner und Psychologen Eliot Trevor Oakeshott Slater (1902–1983), den sie in München kennengelernt hatte. Sie hatten vier Kinder, um die sie sich nun kümmern musste, ihre wissenschaftliche Karriere war damit beendet. Die Ehe wurde 1945 geschieden.

Lydia Pasternak Slater trat in späteren Jahren als Lyrikerin und Übersetzerin aus dem Russischen hervor, unter anderem von Gedichten ihres Bruders Boris Pasternak, der 1958 den Nobelpreis für Literatur erhielt. Sie lebte in Park Town, Oxford.

Schriften (Auswahl)

Beitrag zur Kenntnis der halogenierten Tyrosinderivate. Hochschulschrift. Berlin, Phil. Diss., 1926 Before Sunrise. London: Mitre Press, 1971 Gedichte Nicolas Pasternak Slater; Anna Jurʹevna Sergeeva-Kljatis; Fëdor Poljakov (Hrsg.): Lydia Pasternak Slater. Writings 1918–1989 : collected verse, prose and translations. Frankfurt am Main : PL Acad. Research, 2015

Literatur Lydia Leonidovna Pasternak (Slater), in: Reinhard Rürup, Michael Schüring: Schicksale und Karrieren. Gedenkbuch für die von den Nationalsozialisten aus der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft vertriebenen Forscherinnen und Forscher. Göttingen: Wallstein, 2008, ISBN 978-3-89244-797-9, S. 285 f. Pasternak, Lydia, in: Annette Vogt: Wissenschaftlerinnen in Kaiser-Wilhelm-Instituten : A - Z. Berlin: Archiv der Max-Planck-Ges., 2008, ISBN 3-927579-12-2, S. 141–143. Paul J. Mark (Hrsg.): Die Familie Pasternak: Erinnerungen, Berichte. Genf: Éditions Poésie Vivante, 1975. Pasternak, Lydia, in: Marilyn Bailey Ogilvie, Joy Harvey (Hrsg.): The Biographical Dictionary of Women in Science: Pioneering Lives from Ancient Times to the mid-20th Century. New York: Routledge, 2000, S. 985 f.

Weblinks

Lydia Leonidovna Pasternak, bei Prabook Annette B. Vogt: Lydia Pasternak, bei Jewish Women’s Archive (JWA), 2009

Anmerkungen

Kategorie:Chemiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Wissenschaftliches Mitglied der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft Kategorie:Übersetzer ins Englische Kategorie:Übersetzer aus dem Russischen Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Russischer Emigrant in Deutschland Kategorie:Russischer Emigrant im Vereinigten Königreich Kategorie:Boris Leonidowitsch Pasternak Kategorie:Russe Kategorie:Brite Kategorie:Geboren 1902 Kategorie:Gestorben 1989 Kategorie:Frau