mini|Andreas Meyer (2025) Andreas Meyer (* 20. September 1966 in Minden, Nordrhein-Westfalen) ist ein deutscher Musikwissenschaftler und seit 2007 Professor für Historische Musikwissenschaft an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. Meyers Forschungsschwerpunkte liegen in der Musikgeschichte des 19. bis 21. Jahrhunderts. Seine Arbeit ist durch die Verknüpfung quellenbasierter Forschung mit musikalischer Analyse und neueren Ansätzen der Kulturtheorie geprägt.

Akademische Laufbahn Meyer studierte Violine in Lübeck (1985–86) sowie nach dem Zivildienst (1986–88) Musikwissenschaft, Soziologie und Philosophie in Freiburg i. Br. (1988–94) und an der Humboldt-Universität zu Berlin (ab 1994). 1998 wurde er dort mit einer Arbeit über Ensemblelieder in der Nachfolge von Arnold Schönbergs Pierrot lunaire op. 21 promoviert; betreut wurde die Dissertation von Hermann Danuser. 2005 folgte die Habilitation an der Humboldt-Universität mit einer Arbeit zur musikalischen Lyrik des 20. Jahrhunderts, die auszugsweise als Beitrag zu Band 8.2 des Handbuchs der musikalischen Gattungen erschienen ist.

Zwischen 1998 und 2007 war Meyer am Staatlichen Institut für Musikforschung in Berlin erst als Institutsassistent, dann als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. Parallel dazu lehrte er an der Humboldt-Universität (ab 2005 als Privatdozent). Seit dem Sommersemester 2007 hat er eine Professur für Musikwissenschaft an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart inne. Dort ist er unter anderem Leiter des Instituts für Musikwissenschaft, Musikpädagogik und Ästhetik sowie seit 2023 Mitglied des Hochschulrats.

Forschung Meyers wissenschaftliche Forschung konzentriert sich auf die Musik des 19. bis 21. Jahrhunderts. Seine Schwerpunkte liegen in der klassischen Moderne, auch in internationaler bzw. kulturvergleichender Perspektive (Arnold Schönberg, Igor Strawinsky, Maurice Ravel, Béla Bartók u. a.), der Geschichte Neuer Musik nach 1945 sowie dem Kunstlied bzw. der musikalischen Lyrik. Ein wiederkehrendes Interesse ist der Abgleich von Musik- und Literaturgeschichte (Marcel Proust, Friedrich Hölderlin). Weitere Forschungsfelder umfassen Musik für Streichinstrumente, musiktheoretische Aspekte der frühen Neuzeit sowie musikästhetische und -interpretatorische Fragestellungen. Darüber hinaus setzt er sich für einen stärkeren Einbezug populärer Musik in die Historische Musikwissenschaft ein.

Meyer wirkte als Mitherausgeber der Korrespondenz zwischen Arnold Schönberg und Alban Berg (2007) und verantwortet seit 2011 die Reihe Stuttgarter Musikwissenschaftliche Schriften. Anlässlich des 150. Geburtstags von Arnold Schönberg erschien Ende 2023 bei Bärenreiter & Metzler das Schönberg Handbuch, herausgegeben gemeinsam mit Therese Muxeneder und Ullrich Scheideler. Zu seinen jüngeren Forschungen zählen Studien zur musikalischen Interpretation im 19. und 20. Jahrhundert sowie zur Wechselbeziehung von Ludwig van Beethoven und der (musikalischen) Romantik.

Privates Meyer ist mit der Musikwissenschaftlerin und Informatikerin Inge Kovács verheiratet, hat drei Kinder und wohnt in Stuttgart sowie im Berliner Umland.

Publikationen (Auswahl)

Monographien Ensemblelieder in der frühen Nachfolge (1912–17) von Arnold Schönbergs Pierrot lunaire op. 21. Eine Studie über Einfluß und »misreading«. Theorie und Geschichte der Literatur und der Schönen Künste, Bd. 100. Fink, München 2000. Musikalische Lyrik (1920–2000). Habilitationsschrift, Humboldt-Universität Berlin, 2005. Die historischen Kapitel erschienen als: Musikalische Lyrik im 20. Jahrhundert, in: Hermann Danuser (Hrsg.), Musikalische Lyrik. Bd. 2: Vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart – Außereuropäische Perspektiven (Handbuch der musikalischen Gattungen 8, 2), Laaber 2004, S. 225–318.

Herausgeberschaften Reihenherausgeberschaft: Stuttgarter Musikwissenschaftliche Schriften (seit 2011), Mainz: Schott Music GmbH & Co (bislang sechs Bände). mit Ullrich Scheideler (Hrsg.): Autorschaft als historische Konstruktion. Arnold Schönberg – Vorgänger, Zeitgenossen, Nachfolger und Interpreten. Metzler, Stuttgart 2001. mit Juliane Brand und Christopher Hailey (Hrsg.): Briefwechsel Arnold Schönberg – Alban Berg. Briefwechsel der Wiener Schule, Bd. 3, 2 Teilbände. Schott, Mainz 2007. mit Camilla Bork, Tobias Robert Klein, Burkhard Meischein und Tobias Plebuch (Hrsg.): Ereignis und Exegese. Musikalische Interpretation – Interpretation der Musik. Festschrift für Hermann Danuser zum 65. Geburtstag, Schliengen 2011. (Hrsg.): Was bleibt? 100 Jahre Neue Musik. Stuttgarter Musikwissenschaftliche Schriften, Bd. 1. Schott, Mainz 2011. (Hrsg.): Robert Schumann. Das Spätwerk für Streicher. Stuttgarter Musikwissenschaftliche Schriften, Bd. 2. Schott, Mainz 2012. mit Christina Richter-Ibáñez (Hrsg.): Übergänge. Neues Musiktheater – Stimmkunst – inszenierte Musik. Stuttgarter Musikwissenschaftliche Schriften, Bd. 4. Schott, Mainz 2016. (Hrsg.): Béla Bartók. Themenheft Musiktheorie, Jg. 30 (2016), Heft 4. mit Therese Muxeneder und Ullrich Scheideler (Hrsg.): Schönberg Handbuch. Metzler, Berlin 2023.

Weblinks Personeneintrag Andreas Meyer, Homepage der Staatl. Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart Personeneintrag im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek (DNB Catalogue) Personennormdatensatz in der Bibliographie des Musikschrifttums (BMS)

Einzelnachweise

Kategorie:Musikwissenschaftler Kategorie:Hochschullehrer (Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1966 Kategorie:Mann