mini| „Los Jardines“ auf einer britischen Karte von 1806; die Abkürzung: E. D. bedeutet „Existence Doubtless“ = Existenz zweifelhaft Los Jardines, ins Deutsche übersetzt: „Die Gärten“, auch unter den Namen Los Buenos Jardines oder Les Jardins bekannt, sind eine Gruppe von, je nach Quelle, zwei bis zehn Phantominseln im nördlichen Pazifischen Ozean, die in den Seekarten, Atlanten und Navigationshandbüchern über vier Jahrhunderte, vom 16. bis in das 20. Jahrhundert, verzeichnet waren. Vermutlich ist der Archipel mit den Karolinen oder den Marshallinseln identisch.

Entdeckungsgeschichte Álvaro de Saavedra Hernán Cortés, der Generalgouverneur des Vizekönigreiches Neuspanien, entsandte auf Befehl von König Karl V. drei Schiffe zu den Gewürzinseln, um das Schicksal der vermissten Trinidad aus Ferdinand Magellans Armada zu klären und die Männer der Loaísa-Expedition zu retten, die von den Portugiesen auf Ternate gefangen gehalten wurden. Das Kommando über die Expedition übertrug Cortés seinem Verwandten Álvaro de Saavedra. Seine Schiffe, die Karavelle La Florida und die Naos St. Jago und Espiritu Santo, waren mit insgesamt 30 modernen Geschützen bewaffnet, führten aber auch Lösegeld mit, um die Gefangenen ggf. freizukaufen.Jose Louis Casabán: The outfitting and sailing of early sixteenth-century vessels in the Pacific: The Loaysa and Saavedra expeditions (1525-1536). In: H. Van Tilburg, S. Tripati et al. (Hrsg.): Proceedings of the 2014 Asia-Pacific Regional Conference on Underwater Heritage, Honolulu, 12. bis 16. Mai 2014 Saavedra verließ den Hafen von Zihuatanejo in Mexiko am 31. Oktober 1527. Er überquerte den Pazifik, passierte die Philippinen und erreichte die Molukken am 3. Oktober 1528.Andrew Sharp: The discovery of the Pacific Islands. Oxford University Press 1960

Im Mai 1529 verließ Saavedra die Insel Tidore wieder, um nach Neuspanien zurückzukehren. Über „Gilolo“, „Papua“ und die Inseln „Los Pintados“ segelte er mit nordöstlichem Kurs und erreichte nach „80 Leguas“ (≈ 440 km) eine Gruppe bewohnter, flacher Inseln vor denen die Florida vor Anker ging. Einige Einheimische versammelten sich am Ufer, winkten und riefen dem Schiff zu. Sieben Kanus fuhren hinaus und zwanzig Männer sowie eine Frau, die die Spanier für eine Magierin hielten, betraten das Schiff. Saavedra behandelte die Insulaner freundlich, beschenkte sie und schickte bei ihrer Rückkehr an Land einen seiner Offiziere mit, der von den Bewohnern euphorisch begrüßt und zum Haus des Häuptlings gebracht wurde. Die Insulaner werden als relativ hellhäutig beschrieben, am Körper tätowiert und die Krieger trugen Speere und Keulen. Die Spanier nahmen die Frauen als attraktiv wahr, mit harmonischen Gesichtszügen, langem dunklem Haar, gekleidet in Gewänder aus feinem Stoff. Schließlich betrat auch Saavedra mit einigen seiner Leute die Insel. Die Musketen der Soldaten erregten die Aufmerksamkeit des Häuptlings. Nachdem ihm, so gut es die Verständigung erlaubte, ihre Verwendung erklärt worden war, bat er darum, eine der Musketen abzufeuern. Vom Knall des Schusses erschreckt sprangen fast alle in ihre Kanus, bis auf den Häuptling und einige Krieger, und flüchteten auf eine drei Meilen entfernte Insel, kehrten jedoch nach einiger Zeit zurück. Die Florida blieb acht Tage vor Anker liegen, da Saavedra plötzlich erkrankte. Nach der Abreise verschlechterte sich Saavedras Gesundheitszustand, und einige Tage später verstarb er auf See.James Burney: A chronological history of the discoveries in the South Sea or Pacific Ocean (Teil 1). G. & W. Nicol, London 1803Ione Stuessy Wright: Voyages of Alvaro de Saavedra Ceron, 1527-1529. University of Miami Press, 1951, S. 60 f.Anonymus: An Historical Account of the Circumnavigation of the Globe and and of the Progress of Discovery in the Pacific Ocean, from the Voyage of Magellan to the Death of Cook. Oliver Boyd, Edinurgh 1837, S. 73–76

Die Spanier nannten die Insel „Los Buenos Jardines“ (deutsch: Die Schönen Gärten) und bestimmten die nautische Position mit 10° bis 12° nördlicher Breite und 174° westlicher Länge.

Ruy López de Villalobos Am 1. November 1542 entsandte Antonio de Mendoza, Vizekönig von Neuspanien, seinen Schwager Ruy López de Villalobos mit sechs Schiffen in den Pazifik. Das Vorhaben zielte darauf ab, eine effiziente Handelsroute zu den Molukken zu finden sowie bislang unerforschte Gebiete westlich des amerikanischen Kontinents zu erkunden. Die Flotte bestand aus den größeren Schiffen Santiago, San Anton, San Jorge und San Juan, sowie den kleineren Begleitschiffen San Christobal und San Martin. Am 1. November 1542 fuhr die Flotte von Navidad an der mexikanischen Küste mit westlichem Kurs ab und erreichte am 15. Dezember 1542 die Marshallinseln.John Dunmore: Who's Who in Pacific Navigation. University of Hawaii Press, Honolulu 1991, ISBN 978-0-824-81350-5 Am 25. Dezember kam eine Inselgruppe in Sicht, die Álvaro de Saavedra bereits entdeckt hatte. Villalobos nannte sie „Los Reyes“ (Die Könige)nicht identisch mit den Los-Reyes-Inseln, die zu Papua-Neuguinea gehören. Zehn Leguas (Legua maritima; ≈ 56 km) weiter westlich fand er weitere Inseln, alle in einem Kreis angeordnet (offenbar ein Atoll) vor denen die Schiffe ankerten, um Wasser und Brennholz aufzunehmen.António Galvão: Tratado dos descobrimentos antigos, e modernos, feitos até a era de 1550 (Abhandlung über die alten und modernen Entdeckungen bis zum Jahr 1550). Officina Ferreiriana, Lissabon 1731, S. 95–96.

Die Flotte setzte ihre Reise westwärts fort, blieb aber annähernd auf demselben Breitengrad und stieß nach 20 Leguas (≈ 111 km) auf eine weitere Inselgruppe, die wegen der Korallenriffe „Coralli“ genannt wurde. Am folgenden Tag, dem 6. Januar 1543, entdeckte Villalobos 50 Leguas (≈ 280 km) westlich davon eine Gruppe von zehn grünen Inseln, die er für die von Saavedra beschriebenen Buenos Jardines hielt:

Villalobos ging auf den „Garteninseln“ nicht an Land. Die Schiffe segelten weiter westwärts auf etwa 9° bis 10° nördlicher Breite und gerieten in einen Sturm, in dem eines der Schiffe verloren ging. Danach passierten sie eine kleine Insel namens „Los Matelotes“ und anschließend eine Gruppe bewohnter Inseln namens „Los Arrecifos“ (Die Riffe).

Villalobos konnte seine Reise nicht vollenden. Er wurde von den Portugiesen gefangen genommen und starb 1544 in Haft auf der Insel Ambon. Er hat keine persönlichen Aufzeichnungen hinterlassen, sodass nur die Berichte seines Piloten Juan Gaetano und andere spanische Sekundärquellen vorliegen, u. a.von Antonio de Herrera y TordesillasAntonio de Herrera y Tordesillas: Historia general de los hechos de los castellanos en las islas i tierra firme del mar oceano (Allgemeine Geschichte der Taten der Kastilier auf den Inseln und den Festländern des Ozeans). Imprimerie Real de N. Rodriguez Franco, Madrid 1726, Decada VII, Libro V, S. 91–92. Obwohl Herrera de Tordesillas Los Jardines im Text seiner Historia General erwähnt, sind zwar die Marianen („y delos Ladrones“), nicht jedoch Los Jardines auf seiner beigefügten Karte des Pazifiks eingezeichnet. und Juan de GrijalvaFray Juan de Grijalva: Historia de la Orden de N. P. S. Agustín en la Provincia de Nueva España (Geschichte des Ordens unseres heiligen Vaters Augustinus in der Provinz Neuspanien). Mexiko 1624. In einigen Details, insbesondere hinsichtlich der Entfernungen und der nautischen Positionen, sind sie widersprüchlich.

Miguel López de Legazpi Im Jahr 1559 sandte Philipp II. ein Schreiben an Luis de Velasco y Ruiz de Alarcón, den Vizekönig von Neuspanien, mit der Anweisung, unverzüglich die notwendigen Vorbereitungen zu treffen, um die Philippinen endgültig zu erobern und deren Kolonisierung einzuleiten. In einem Brief vom 24. September 1559 bat der König den Augustinermönch Andrés de Urdaneta, einen Kosmographen und Seefahrer, der an der verhängnisvollen Fahrt von García Jofre de Loaísa zu den Gewürzinseln teilgenommen hatte, sich dieser Expedition anzuschließen, um sie mit seinen Fähigkeiten und seiner Erfahrung zum Erfolg zu führen. Wie hoch der König Urdanetas Rat einschätzte zeigt die für einen absolutistischen Herrscher ungewöhnlich respektvolle Formulierung:

Das Ordensgelübde Urdanetas schloss die Übernahme des Amtes des Generalkapitäns aus. Dennoch gewährte ihm Luis de Valasco das Recht, den Expeditionsleiter vorzuschlagen, woraufhin Urdaneta Miguel López de Legazpi als Generalkapitän der Flotte empfahl.Anonymus (Hugh Murray?): An Historical Account of the Circumnavigation of the Globe, Oliver & Boyd, Edinburgh 1837, S. 78. Die Planungen waren weit fortgeschritten, doch der Tod des Vizekönigs am 31. Juli 1564 verzögerte die Abfahrt um einige Monate.

Am 21. November 1564 brach Legazpi schließlich mit vier Schiffen vom Hafen von Navidad auf. Das Flaggschiff San Pedro führte er selbst. Außerdem gehörten zur Flotte die San Lucas unter dem Kommando von Don Matheo del Sauz sowie die kleineren Schiffe San Pablo (Kapitän Juan de la Isla) und San Juan (Kapitän Alonso de Arellano).

Am vierten Tag der Reise öffnete Lagazpi auf See seine geheimen, schriftlichen Weisungen. Sie bestimmten als Ziel die Philippinen und die Route sollte über die von Villalobos entdeckten Inseln führen. Die Schiffe segelten ungefähr entlang des 9. Breitengrades, und nach Urdanetas Bericht passierten sie die Corales und Los Reyes sowie am 9. Januar 1565 eine bewohnte Insel, die sie De los Barbudos (von den Bärtigen) nannten. Es folgten am 10. Januar die Inseln Los Plazeres (die Freuden), am 12. Januar Las Hermanas (die Schwestern) und am 14. Januar kam eine Inselgruppe in Sicht, von der Urdaneta vermutete, dass es sich um Los Jardines handelte. Es liegt keine nähere Beschreibung vor, doch die Schiffe ankerten dort über Nacht und fuhren am folgernden Morgen mit nordwestlichem Kurs zu den Philippinen.

La Perouse Der französische Seefahrer und Entdecker Jean-François de La Pérouse beabsichtigte, während seiner Weltumseglung von 1785 mit den Schiffen Astrolabe und Boussole, die „îles es Jardins“ aufzusuchen, fand sie jedoch nicht. In seinen Aufzeichnungen findet sich unter dem Datum 14. Dezember 1786 folgender Eintrag:

In der deutschen Erstausgabe von La Perouses Reisebericht, übersetzt von J. R. Forster und E. L. Sprengel, ist diese Passage leicht verändert:

Die von La Perouse erwähnten Inseln „Île de la Mira“ und „Îles Déserte“ sind Phantominseln, die nicht genau zu bestimmen sind. Die Bezeichnung „Île de la Mira“ enthält das französische Verb: mirer = schauen, beobachten. Frei übersetzt bedeutet der Inselname wohl: Insel des Ausgucks. Der Name „Îles Déserte“ leitet sich vermutlich vom französischen Adjektiv déserte ab, das „menschenleer“ beziehungsweise „verlassen“ bedeutet.

John Marshall mini|Zwei unterschiedliche Positionen der „Los Jardines“ auf einer britischen Karte von 1806 Die frühen spanischen Entdecker positionierten die Los Jardines im Bereich von 9° und 10° Nord, nordöstlich oder südöstlich der „Ladronen“, den heutigen Marianen. Das änderte sich im 18. Jahrhundert.

Am 13. Mai 1787 verließ die First Fleet, eine Flotte von elf Schiffen die Sträflinge nach Australien brachte, den Hafen von Portsmouth. Zwei dieser Schiffe waren die Scarborough unter dem Kommando von John Marshall und die Charlotte unter dem Kommando von Thomas Gilbert. Als die Sträflinge 1788 in Port Jackson von Bord gegangen waren, entschloss sich Gilbert zu einer Weiterreise nach Kanton (heute Guangzhou) in China, um dort Tee für England zu laden. In Erwartung einer gewinnbringenden Handelsreise schloss sich John Marshall mit der Scarborough an.