Das Buna-Lied (auch „Bunalied“) ist ein 1942 im Konzentrationslager Auschwitz III Monowitz entstandenes Lied, dessen Liedtext von Fritz Löhner-Beda stammt. Die Musik wird Anton Geppert zugeschrieben. Das Lied zählt zu den sogenannten Lagerliedern, die im Kontext der nationalsozialistischen Konzentrationslager unter Bedingungen von Zwangsarbeit und Repression entstanden.
Entstehung Der österreichische Schriftsteller, Schlagertexter und Librettist Fritz Löhner-Beda – in den 1920er-Jahren und Anfang der 1930er-Jahre einer der meist gefragten Librettisten und Schlagertexter Wiens – wurde am 17. Oktober 1942 ins KZ Auschwitz deportiert und musste im Buna-Werk der IG Farben AG unter lebensunwürdigen Bedingungen schwerste Zwangsarbeit leisten.
Bereits Mitte März 1938, einen Tag bzw. zwei Tage nach dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich war er verhaftetGünther Schwarberg: Dein ist mein ganzes Herz. Steidl-Taschenbuch, Göttingen 2002, S. 82. und mit dem ersten „Prominententransport“ am 1. April 1938 in das KZ Dachau verschleppt worden. Am 23. September 1938 wurde er ins KZ Buchenwald deportiert. Dort verfasste er Ende 1938 den Text für das Buchenwaldlied, der gleichfalls verschleppte österreichische Komponist Hermann Leopoldi komponierte die Melodie dazu. Heute ist das Buchenwaldlied fester Bestandteil von Gedenkfeiern zur Befreiung dieses Konzentrationslagers.zum Beispiel
Auch im KZ Auschwitz musste „ein Häftling vermutlich auf Geheiß von Aufsehern ein Lagerlied schreiben. Es war der Wiener Anton Geppert, der die Musik schrieb.“ Fritz-Löhner Beda verfasste dazu – kurz vor seiner Ermordung den Liedtext. Am 4. Dezember 1942 wurde er in der Fabrik – wahrscheinlich von dem Kapo Josef Windeck – erschlagenGünther Schwarberg, Göttingen 2000, S. 167, 169 und 200–210, nachdem eine Gruppe inspizierender I.G.-Farben-Direktoren die Arbeitsleistung des erkrankten 59-Jährigen bemängelt hatte.Raul Hilberg: Die Vernichtung der europäischen Juden. Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 1990, S. 994 (Übersetzung aus dem Englischen, zuerst 1961).
Liedtext Das Buna-Lied hat den folgenden Liedtext:„Steht am Himmel noch freundlich Frau Luna, erwacht das Lager der Buna, steigt empor die schlesische Sonne, marschiert die Arbeitskolonne. Und auf Schritt und Tritt geht das Heimweh mit und das schwere Leid dieser schweren Zeit, doch die Arbeit winkt und das Lied erklingt: Nur die Arbeit macht uns frei, an ihr geh’n die Sorgen vorbei, nur die Arbeit lässt uns vergessen alles das, was wir einst besessen. Nur die Arbeit macht uns hart, wenn uns das Schicksal genarrt, und die Zeit vergeht und das Leid verweht, nur das Werk unsrer Hände besteht.“
Hintergrund Im Vergleich zu anderen Lagerliedern – wie dem Buchenwaldlied und dem Lied Die Moorsoldaten – ist das Buna-Lied weniger bekannt. Wie alle Lagerlieder hatte es mehrere Funktionen im Lageralltag: Es überdeckte die harte Realität von Zwangsarbeit, Repression und ständiger Todesdrohung. Es diente der Disziplinierung der KZ-Insassen und wurde beim Marsch zur Arbeit gesungen. Es strukturierte den Tagesablauf und unterstützte die Kontrolle durch die Lagerverwaltung. Es griff ideologische Elemente des Nationalsozialismus auf und konnte propagandistisch eingesetzt werden.
Siehe auch
Buchenwaldlied Die Moorsoldaten Fritz Löhner-Beda KZ Auschwitz III Monowitz I.G. Farben
Literatur
Weblinks
Buna-Lied bei holocaustmusic.ort.org Buna-Lied bei Wollheim-memorial.de Buna-Lied bei antiwarsongs.org Vom Schlager zum KZ-Lied bei taz.de Modul 7: Musik im Konzentrationslager bei erinnern.at
Einzelnachweise
Kategorie:Politisches Lied Kategorie:Lied 1942 Kategorie:KZ Auschwitz Kategorie:Lied von Fritz Löhner-Beda