Der Prinz mit dem Zauberpferd ist ein afghanisches Märchen.Gisela Borcherding (Samm. und Hrsg.): Granatapfel und Flügelpferd – Märchen aus Afghanistan. Das Gesicht der Völker, Bd. 43. Erich Röth-Verlag, Kassel 1975, S. 17–29, 174–175.
Handlung Ein König trug seinen drei Söhnen auf, sich Frauen zu suchen, also zogen diese gemeinsam in die Welt hinaus. An einer Weggabelung trennte sich der jüngste Sohn von den beiden anderen und während diese, samt der Karawane mit den Brautgeschenken, den leichten Weg nahmen, wählte er den gefährlichen Weg. So kam er an ein Schloss, das mit hohen Mauern umgeben war und dessen Tore verschlossen waren. Als er an das Tor klopfte, öffnete ihm niemand, jedoch sah er auf der Mauer eine schwarze Katze, die einen goldenen Schlüssel um den Hals hängen hatte. Also nahm er seinen Bogen und erschoss die Katze, die daraufhin herunterfiel, sodass er mit dem Schlüssel das Tor öffnen konnte. Im Inneren des Schlosses entdeckte er dann eine schöne Prinzessin, die ihm nahelegte, schnell wieder zu verschwinden, da der Eigentümer des Schlosses ein Riese sei, der alsbald heimkommen und ihn auffressen werde. Doch der Königssohn stellte sich mutig auf einen hohen Stein hinter das Tor, und als der Riese heimkam, erschlug er ihn.
Die Prinzessin bat den Königssohn daraufhin darum, auch ihre beiden Schwestern aus den Fängen zweier anderer Riesen zu befreien, und wies ihm den Weg. Also ritt er alleine weiter und kam zu einem noch prächtigeren Schloss, in dem er die mittlere Schwester fand. Noch schöner als ihre ältere Schwester, berichtete sie dem Jüngling, dass der Riese stets zum Fenster hereinkäme, woraufhin der Königssohn ihm auflauerte und einen tödlichen Pfeil ins Genick schoss. Allein begab er sich weiter auf den Weg, um auch die jüngste Schwester zu befreien, doch der Riese, der sie bewachte, war so groß, dass er weder erschlagen noch erschossen werden konnte. Also nahm der Königssohn die überaus schöne jüngste Prinzessin auf sein Pferd, um mit ihr zu flüchten. Sie holten ihre beiden Schwestern ab und trafen später auch auf die beiden Brüder des Königssohns, die verarmt waren, jedoch die beiden älteren Schwestern zur Frau versprochen bekamen.
Kurz darauf entführte der riesige Riese die jüngste Schwester zum Zauberberg Kohe-Qaf, dem Ende der Welt, woraufhin sich der Königssohn auf die Suche nach ihr begab. Vom Vogel Maina erfuhr er dann, dass nur ein zweibeiniges Zauberpferd ihn dorthin bringen könne, also besorgte er sich dieses und sie flogen zum Kohe-Qaf. Dort nahm der Königssohn seine Prinzessin auf das Zauberpferd und flog mit ihr davon. Der Riese besaß jedoch ein ebensolches Pferd, womit er die Verfolgung begann. Die beiden Pferde unterhielten sich daraufhin miteinander und das Pferd des Königssohns fragte das Pferd des Riesen, ob es nicht lieber die schöne Prinzessin anstatt des hässlichen Riesen tragen wolle, woraufhin das Pferd des Riesen immer höher flog, um den Riesen letztendlich abzuwerfen. Königssohn und Prinzessin ritten daraufhin gemeinsam zu ihren Brüdern und Schwestern und im Land des Vaters der Brüder angekommen fand ein großes Hochzeitsfest statt. Der kluge jüngste Bruder aber wurde König.
Hintergrund Das Märchen stammt aus Gisela Borcherdings Granatapfel und Flügelpferd – Märchen aus Afghanistan (Kassel 1975) aus der Reihe Das Gesicht der Völker und erhielt im Deutschen den Titel Der Prinz mit dem Zauberpferd. Erzählt wurde es von einer alten Hazara. Nach Wolfram Eberhards und Pertev Naili Boratavs Werk Typen türkischer Volksmärchen (Wiesbaden 1953), das 26 Varianten angibt, wovon 11 zur zweiten Gruppe gehören, bekam es den Typ 213 (zweite Gruppe) zugeordnet. Nach Borcherding ist das Märchen im Aarne-Thompson-Uther-Index nicht belegt, jedoch können AaTh 552 und 302 verglichen werden. Otto Spies nimmt dazu an, dass es nicht nur aus verschiedenen Motivreihen zusammengesetzt, sondern ein selbständiger Typ sei. Ferner existieren Varianten im Serbokroatischen (August Leskien: Balkanmärchen, Jena 1925, Nr. 23) und Ossetischen (Bernhard Munkácsi: Blüten der ossetischen Volksdichtung, Budapest 1927, S. 58–71).
Der Zauberberg Kohe-Qaf wird auch der Grüne oder Smaragdberg genannt. Das Gebirge Qaf befindet sich nach der alten arabischen Kosmologie am Ende der Welt oder umschließt die Erdscheibe. Der Vogel Maina ist nach J. Knowles’ Folk-Tales of Kashmir (London 1893) eine Starenart.
Literatur Gisela Borcherding (Samm. und Hrsg.): Granatapfel und Flügelpferd – Märchen aus Afghanistan. Das Gesicht der Völker, Bd. 43. Erich Röth-Verlag, Kassel 1975, S. 17–29, 174–175.
Einzelnachweise
Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Märchen