Juist (dt. [], niederl. [], fries. []) ist eine der ostfriesischen Inseln im niedersächsischen Wattenmeer der Nordsee und liegt zwischen Borkum im Westen und Norderney im Osten. Die Düneninsel hat eine Länge von 17 Kilometern und ist damit die längste der ostfriesischen Inseln. Die maximale Breite beträgt 900 Meter, die minimale 500 Meter. Auf der Insel befindet sich die gleichnamige Einheitsgemeinde Juist, sie gehört zum Landkreis Aurich in Niedersachsen und hatte 2021 Einwohner. Auf der Insel gibt es zwei Ortsteile: den in Westdorf und Ostdorf unterteilten Hauptort sowie Loog.
Geografie mini|Juist mit Memmert und der Kachelotplate; Aufnahme von Landsat 7 aus etwa 700 Kilometern Höhe mini|Übersichtskarte der Insel Juist mit der Kachelotplate und Memmert
mini|Juist von Osten aus der Luft gesehen
Juist ist eine deutsche Insel in der südlichen Nordsee. Sie gehört zur ostfriesischen Inselkette und ist Ostfriesland vorgelagert. Juist ist 16,43 Quadratkilometer groß. Die geringste Entfernung zum Festland liegt bei rund acht Kilometern. Im Westen von Juist befindet sich die Insel Borkum sowie im Südwesten die Vogelinsel Memmert. Im Osten, getrennt durch den Schluchter, das Spaniergatt und das Norderneyer Seegatt, die Insel Norderney. Zwischen Borkum und Juist erstreckt sich die Kachelotplate, die sich vom Hochsand zur Insel entwickelt, weiter westlich davon fließt die Osterems. Teile der Insel und das Wattenmeer um die Insel gehören zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Die Dünen der Insel erreichen rund 22 Meter Höhe ü. NN. Die höchste Düne trägt den Juister Wasserturm und hat eine Höhe von 22 Metern ü. NN.
Anstieg des Meeresspiegels Große Teile von Juist liegen nur wenige Meter über Normalhöhennull. Dadurch ist die Insel vom weltweiten Anstieg des Meeresspiegels infolge der globalen Erwärmung langfristig bedroht.Britt-Marie Lakämper, Berliner Morgenpost: Klimawandel: Diese deutschen Städte werden im Meer versinken, 14. Oktober 2021, abgerufen am 7. April 2023. Bisher war kein signifikanter Anstieg des Wasserstands zu erkennen; erwartet wird er ab der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts. Das Land Niedersachsen richtet seine Küstenschutzstrategie im Nordseebereich darauf aus, dass der Meeresspiegel laut dem IPCC-Bericht des Weltklimarats von 2019 bis zum Jahr 2100 um 60 bis 110 cm steigen wird. In der Folge ist eine erosionsbedingte Gefährdung von Stränden und Vorstränden zu erwarten, was sich negativ auf den Tourismus auf der Insel auswirken würde.Niedersächsische Strategie zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels 2021 des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz (pdf, 11,5 MB) Zum Schutz soll die Umsetzung des 2010 erstellten „Generalplans Küstenschutz - Ostfriesische Inseln“ des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) beitragen.Generalplan Küstenschutz - Ostfriesische Inseln des NWKLN vom Mai 2010 (pdf, 3,8 MB)
Flächennutzung + Flächenaufteilung der Insel Juist Flächennutzung(Stand 2005) Flächein ha Anteilin % Bauflächen 74 4,5 Flächen für den Gemeinbedarf 5 0,3 Verkehrsflächen 45 2,7 Ver- und Entsorgungsflächen 1 0,1 Grünflächen 41 2,5 Sonstige Flächen 1477 89,9 Gesamtfläche ohne Küstengewässer 1643 100,0
In diesen Angaben für die Verkehrsfläche sind Flächen für den Luftverkehr von 42 Hektar enthalten. Landwirtschaftliche Flächen, Wasserflächen sowie die Flächen für Aufschüttungen und Abgrabungen werden seit 1993 nicht mehr separat ausgewiesen, sondern befinden sich mit in den „Sonstigen Flächen“. In der letzten Statistik von 1987 waren landwirtschaftliche Flächen mit 48 Hektar angegeben, Wasserflächen mit 4 Hektar sowie die Flächen für Aufschüttungen und Abgrabungen mit 2 Hektar.
Klima Das Klima der Insel Juist unterliegt dem direkten Einfluss der Nordsee und liegt damit im Bereich eines gemäßigten, sommerkühlen und vom Golfstrom beeinflussten Seeklimas. Aufgrund der ausgleichenden Wirkung der Nordsee herrschen insgesamt geringere tages- und jahreszeitliche Temperaturschwankungen sowie eine hohe Luftfeuchtigkeit. Im Durchschnitt sind die Temperaturen auf der Insel im Sommer kühler und im Winter milder als die auf dem Festland gemessenen Werte. Der Frühling setzt rund zwei Wochen später ein. Von Januar bis Juli werden auf der Insel geringere, von August bis Dezember vermehrte Niederschlagsmengen als auf dem Festland gemessen. Im Mittel ist die Niederschlagsmenge niedriger und die Sonnenscheindauer höher als auf dem Festland.Klima im Bereich der Ostfriesischen Inseln, abgerufen am 29. Mai 2011. Mit 1.983 Sonnenstunden war die Insel Juist 2010 der sonnigste Ort Deutschlands.Statista.de: Die zehn sonnenreichsten Orte in Deutschland im Jahr 2010, eingesehen am 17. September 2012.
Nach der Klimaklassifikation von Wladimir Köppen befindet sich Juist in der Einteilung Cfb. Klimazone C: Warm-Gemäßigtes Klima Klimatyp Cf: Feucht-Gemäßigtes Klima Klimauntertyp b: warme Sommer
Die nächstgelegene Wetterstation befindet sich auf der Nachbarinsel Norderney und wird vom Deutschen Wetterdienst betrieben. Die Station Norderney mit der Stations-Kennziffer 10113 liefert seit 1947 frei verfügbare Daten zur Wetter- und Klimabeobachtung.
Ostwanderung der Insel Der Juister Strand und die Dünen werden im Westen vom Meer abgetragen. An der Bill (Westende der Insel) wanderte die Abbruchkante seit 1976 etwa 200 Meter nach Süden. Diese Entwicklung kommt durch eine Verlagerung der Strömung und eine nicht ausgeglichene Sandbilanz zustande. Der Sand der Strände aller ostfriesischen Inseln wandert mit der vorherrschenden Windrichtung von West nach Ost. In Bereichen, an denen mehr Sand abgetragen als angeweht oder angeschwemmt wird, wird der Strand niedriger und schmaler. Das kann zu Dünenabbrüchen führen. Dieser Effekt trägt zur Ostwanderung der ostfriesischen Inseln bei. So ist es auch zu erklären, dass der Kalfamer im Osten der jüngste Teil der Insel ist. Die Ostwanderung wurde bei allen Inseln, außer Juist und Langeoog, mit Deckwerken aus Beton abgebremst. Auf Juist besteht am Nordstrand eine 1390 Meter lange Schutzmauer von 1920, die heute unter Sand verborgen liegt.
In manchen Bereichen von Juist, zum Beispiel im Osten am Kalfamer, wird mehr Sand angeschwemmt als abgetragen, was zu einem sehr breiten Strand mit Verlängerung der Dünenkette nach Osten führt.
Geschichte Die Insel entstand als Aufsandung auf Resten des nacheiszeitlichen Festlandes aus der Großinsel Burchana. Archäologische Funde lassen auf eine Besiedlung von Juist bereits vor dem 15. Jahrhundert in der ausgehenden Häuptlingszeit schließen. Darauf deutete 2002 der Fund eines Schweinekopfes in einem alten Brunnenloch am Strand hin, der auf etwa 1400 datiert wurde. Die erste urkundliche Erwähnung der Insel erfolgte 1398., abgerufen am 28. Mai 2011. Zu dieser Zeit gehörte Juist zum Herrschaftsgebiet der Häuptlingsfamilie tom Brok.
Zuvor bezeichnete der Name Just eine Niederlassung auf der großen Insel Bant.Cornelius Janssen: Fünf Inselkirchen in fünf Jahrhunderten. Ein Ausschnitt aus der Geschichte der Insel Juist. Uns Karkenshipp, Sonderheft, Juist 2008. Seit wann genau es die selbständige Insel Juist nach der Zerstückelung der Insel Bant gibt, ist nicht bekannt.
Im 15. Jahrhundert kam die Insel unter den Einfluss der ostfriesischen Grafen und Fürsten vom Adelsgeschlecht Cirksena.
16./17. Jahrhundert Laut einer Beschreibung des späteren ostfriesischen Kanzlers Henricus Ubbius von 1530 soll es 23 Häuser und eine wilde Pferderasse gegeben haben. Auch sei viel Acker- und Weideland vorhanden gewesen, das günstige Bedingungen für Landwirtschaft bot. Danach verschlechterten sich die Lebensverhältnisse allmählich. Schwere Zerstörungen richtete die Allerheiligenflut 1570 an. 1590 wurden in der Stadt Norden drei Frauen von der Insel Juist als Hexen verbrannt. Auf einer Karte der Emsmündung von 1642 ist in der Mitte der Insel der hohe Turm der ersten Inselkirche als Seezeichen eingetragen. Die Petriflut von 1651 durchbrach die nördlichen Randdünen im Bereich der Kirche und des heutigen Hammersees und teilte die Insel in zwei annähernd gleich große Teile. Der Durchbruch erreichte im Laufe der Jahre eine Breite von rund zwei Kilometern. Die Petriflut beschädigte Häuser und unterspülte die Fundamente der Inselkirche, die daraufhin 1662 einstürzte. Etwa 700 Meter weiter südöstlich bauten die Juister ihre zweite Kirche. Bis 1687 drang das Meer immer weiter nach Süden vor, worauf die Juister ihre Häuser wieder verlegen mussten. Das Zerstörungswerk des Meeres verringerte die landwirtschaftliche Nutzfläche, und im 17. Jahrhundert konnten die Inselbewohner die Abgaben an den Grafen als Eigentümer kaum mehr aufbringen.
18. Jahrhundert Die Fastnachtsflut von 1715 sorgte für weitere Zerstörungen des Dorfes und der zweiten Kirche. In der Folge entstanden auf der immer noch geteilten Insel zwei Dörfer: Billdorf im westlichen und Loogdorf im östlichen Teil von Juist. Beide erhielten ein eigenes bescheidenes Kirchengebäude. Zwei Jahre später zerstörte die Weihnachtsflut 1717 9 der 18 Häuser in Billdorf sowie die dortige Kirche. Der Rest wurde schwer beschädigt. 28 Menschen ertranken. Billdorf wurde anschließend nicht wieder aufgebaut. Die Überlebenden zogen in das Loogdorf. Bis zu diesem Zeitpunkt waren bereits 4 Gotteshäuser errichtet und 3 vernichtet worden. Der wirtschaftliche Wohlstand der Insulaner war mehr und mehr gesunken. Die Haupterwerbszweige Land- und Viehwirtschaft wurden dadurch eingeschränkt, dass fruchtbares Acker- und Wiesenland durch Hochwasser und Sandwehen verlorenging. Der Viehbestand musste immer mehr verringert werden. 1749 bewohnten 327 Einwohner, die sich auf 47 Häuser verteilten, die Insel. Die meisten Männer fuhren nun zur See und verdienten auf Handels- oder Walfangschiffen ihren Unterhalt. In den folgenden Jahren wanderte das Dorf weiter nach Osten, dadurch dass die Bewohner nach und nach ihre Häuser abbrachen und weiter östlich wieder aufbauten. Circa 1770 bis 1780 hatten die meisten Insulaner sich in dem neuen Hauptdorf angesiedelt. 1779 wurde im neuen Ostdorf die fünfte Kirche errichtet und zu Weihnachten von Pastor Gerhard Otto Christoph Janus (1741–1805) eingeweiht. 1783 empfahl Janus das Seebaden mit einer Eingabe an den Landesherrn Friedrich den Großen. Sie gilt heute als ältestes Dokument zur deutschen Seebädergeschichte und Pastor Janus als Vater des deutschen Seebädergedankens.
19. Jahrhundert mini|Karte der durch die Petriflut zweigeteilten Insel Iuist von Karl Ludwig von Le Coq 1805, mit dem Durchbruch „Hammer“, dem heutigen Hammersee
Nach dem Frieden von Tilsit 1807 kam Ostfriesland und damit Juist zum französischen Königreich Holland. Am 10. November 1811 erhielt Juist holländische Besatzungstruppen unter Führung französischer Offiziere. Sie ließen die Kirche im Ostdorf von ihnen zur Festung ausbauen. Das Pfarrhaus diente als Unterkunft für die Soldaten. Zwei Jahre später brannte das Pfarrhaus infolge einer Unachtsamkeit der Soldaten aus. Erst 1816 endete die Besatzungszeit, die Truppen verließen die Insel. Juist gehörte fortan zum Königreich Hannover, ab 1866 zu Preußen.
1840 erfolgte die erste Gründung des Seebades Juist durch den Vogt Meine mit der Unterstützung des Amtsassessors Fastenau in Norden, das aber 1858 wegen Mangel an Gästen wieder geschlossen werden musste. Die zweite Gründung des Seebades erfolgte 1866, diesmal erfolgreicher, da die Anzahl der Gäste nun langsam aber stetig zunahm. 1873 erließ das Seebad durch Freiherr von Niebelschütz die erste Badeordnung. Im gleichen Jahr entstand das erste Warmbadehaus auf der Insel. 1884 verzeichnete Juist 700 Badegäste pro Jahr.
Der „Verein zur Rettung Schiffbrüchiger in Ostfriesland“ errichtete 1861 die erste Seenotrettungsstation auf Juist. Zwei Jahre später ging der ostfriesische Verein und damit die Station in den Besitz der DGzRS über.