mini|Rathausturm, Parellele zum Nordturm des Stephansdomes mini|hochkant|Nordturm mit der „Saphoyschen Haube“ Antonio Woller (* um 1517 in Trient, damals Tirol, heute Italien; † 1587 in Wiener Neustadt) war ein Stadtbaumeister von Wiener Neustadt.

„Aufgrund massiver Luftangriffe auf Wiener Neustadt im Zweiten Weltkrieg, bei denen bis zu 88 % der Bausubstanz zerstört wurden, sind nur noch wenige Originalzeugnisse von Wollers Wirken im Stadtbild erhalten.“

Leben Der junge Maurer Antonio Woller, mit Magdalena verheiratet, kam 1543 von Trient in Tirol nach Wiener Neustadt. Sie blieben dort und verfügten auch über die Mittel, im selben Jahr ein Eckhaus im Brüderviertel der Stadt zu erwerben. Nach den Zerstörungen der Ersten Wiener Türkenbelagerung 1529 erfolgte ein Zustrom an Baufachleuten aus Oberitalien und dem Tessin. Sie brachten die moderne Festungsbaukunst und den Renaissance-Stil hierher. 1550 erhielt er das Bürgerrecht verliehen. Beide kauften 1553 zwei Häuser im Frauenviertel, innerhalb der Stadtmauer.

Die Stadt verkaufte ihm 1566 eine Hofstatt in der äußeren Ungargasse, Grundstücke und Weingärten. Ein Weinausschank („verleutgeben“) wurde zeitweise genehmigt.Antonio Woller. In: Josef Mayer: Geschichte von Wiener Neustadt. S. 202.

Die Neustadt zu dieser Zeit Die „Neustadt“, so der damalige Name, war im 15. Jahrhundert kaiserliche Residenzstadt unter Friedrich III. Am Liebfrauendom wurde intensiv umgebaut, so entwickelte sich die Stadt zu einem Zentrum für Baufachleute. Neben der uralten Wiener Bauhütte entstand die Wiener Neustädter Bauhütte, die Bruderschaft der Steinmetzen und Maurer, schriftlich ab 1617 in einem Zechbuch dokumentiert.Stadtarchiv Wiener Neustadt: Denen bürgerlichen Steinmetz- und Maurer in der Neustadt Zechbuch, angefangen anno 1617. Diese Zeche umfasste auch die Handwerksgenossen vom kaiserlichen Steinbruch am Leithaberg.Denen Meistern eines ehrsamen Handwerks der Steinmetzen und Maurer. In: Mitteilungen des Museums- u. Kulturvereines Kaisersteinbruch. Nr. 29/1995. S. 18 ff.

Familie und Freundeskreis In den ältest erhaltenen Taufmatriken des Domes (1580–1582) wird Antonio mehrmals als Gevatter genannt, 1580 mit Hausfrau Magdalena, für den Tischler Michel Preminger, den Steinmetz Rochus Pollaci.Nr. 2059 Steinmetzmeister, 1592 Vermögensverwalter für † Pietro Solari.Gevatter 1581 Matriken Wiener Neustadt (Hauptpfarre).Taufbuch 1580–1582. S. 027. 1580 ist ein „Jacob Wolner“ Pate, vielleicht der Sohn.

Nachkommen Elisabeth, sie heiratete den Bildhauer Pietro Solari. Er starb 1592 im, seit 1578 kayserlichen Steinbruch am Leythaberg.Harald Prickler: Kaisersteinbruch – Aus der Geschichte einer italienischen Künstlerkolonie. In: Mitteilungen des Museums- und Kulturvereins Kaisersteinbruch. Nr. 52, 1998. S. 12 ff. Unter den frühen Meistern in Kaisersteinbruch arbeitender Italiener finden wir im 16. Jahrhundert Pietro Solari. Das Verwandtschaftsverhältnis zu Santino Solari, dem Erbauer des Salzburger Domes, ist bislang unbekannt. Giacomo, auch Jacob Woller, (Giacomo Bolla ?) Steinmetzmeister, im Kaisersteinbrucher Grundbuch 1603 mit Haus und Garten angeschrieben.Archiv Stift Heiligenkreuz: Register über hierin begriffene Fleckhen, Wilfersdorf, Steinbruch .. 1603 Rubr. 49 Wolfgang Woller immatrikulierte im Wintersemester 1575/76 an der Universität Wien,Wintersemester 1575 er war 1577 noch „ungevogt“, so wurde ihm Peter Solari als Gerhab bestellt. Er absolvierte ein Rechtsstudium und erlangte das Doktorat. Wolfgang heiratete Catharina und in den Taufmatriken 1590–1600 sind die Daten einiger ihrer Kinder eingetragen, und sie wurden mehrmals Gevatter. Bereits 1590 wurde er als „Der Herr Doctor“ genannt. Ein Beispiel: die Taufe des Sohnes Christophorus am 1. Jänner 1598.Matriken Wiener Neustadt (Hauptpfarre).Taufbuch 1598, S. 215.

1593/94 erhielt „der Herr Doktor“ das ehrenvolle Amt des Stadtrichters. Mit dieser Aufgabe war er der oberste Rechtsvertreter des Landesfürsten in der Stadt und saß dem Rat vor.

Stadtbaumeister von Wiener Neustadt 1564 wurde Meister Anthoni zum Stadtmeister ernannt. damit war er Leiter und trug die Verantwortung über die Bautätigkeit der Stadt.

Neu- und Umbauten im Renaissancestil Schießstätte 1554 erhielt Meister Anthony von der Schützengesellschaft den Auftrag die Schießanlage zu erneuern, ‚die schüzen maur neu zu machen‘.Die Schießstatt und ihre Ausstattung. In: Peter Garschall, Das Schützenwesen der Frühen Neuzeit am Beispiel der Schützenregister und Schützenrechnungen von Wiener Neustadt (1554 – 1592). Masterarbeit Uni Wien.

Bürgerspital Die Stadtgemeinde ließ von 1550 bis 1589 das Bürgerspital errichten. Baumeister waren Leonhard Eibenberger und Anton Woller; sowie die Steinmetze: Stephan de Luca, Rochus Pollaci und Markus Pagamin. Die Fassade wurde 1738 barockisiert.Martin Scheutz, Niederösterreichische Bürgerspitäler. S. 10.

mini|hochkant|Zeughaus, historische Aufnahme mini|hochkant|Rathaus mini|hochkant|Ehem. Stadtgericht ab 1571 mini|hochkant|Fleischhackertor mit Turm, Litho 1737

Städtisches Zeughaus In Anwesenheit von Hans Tscherte, Architekt des römischen Königs Ferdinand I. wurde mit den wällischen Meistern ein Vertrag zum Bau eines Zeughauses beschlossen. Woller hat 1557 die Gewölbe gefertigt. Von diesem Gebäude blieben lediglich die beiden Renaissance-Tore erhalten.Gertrud Gerhartl, Das Bürgerliche Zeughaus zu Wiener Neustadt während des 16. und 17. Jahrhunderts. S. 25.

Aufsicht über den Umbau des Rathauses, Rathausturm Der alte Rathausturm wurde am 19. Oktober 1564 gänzlich abgetragen. Man verwendete das Abbruchmaterial beim Neubau, denn Woller wurde vorgeschrieben, Steine und Ziegel von Mörtel zu reinigen. Für diese seine Arbeit wurde ihm ein Betrag von 160 fl. in Aussicht gestellt. Im Sommer des Jahres 1566 erfolgte der Wiederaufbau des ‚Ratthurms‘, mit der aus Quadern gefügten Eckrustika Jahreszahl 1566.Meister Anton Woller baut den Rathausturm. In: Gertrud Gerhartl, Wiener Neustadt. Geschichte, Kunst, Kultur, Wirtschaft. S. 242. 1587 setzte der neue Stadtmeister Marco Pagamin die Aufsicht fort und vollendete den Turm.

Stadtgericht 1571 erwarb der Rat der Stadt das Gebäude Hauptplatz Nr. 3, um dort das Stadtgericht unterzubringen. Der Rats- und Gerichtssaal wurde um 1580 fertiggestellt, neben Anton Woller wurden u. a. Jakob (Woller) und Peter (Solari) genannt. Gertrud Gerhartl, Wiener Neustadt. Geschichte, Kunst, Kultur, Wirtschaft. S. 240.

Zentrale Fleischbank Die Fleischbänke lagen vor dem Fleischhackertor. 1573 erbaute die Gemeinde durch Meister Anton Woller eine Gemeinsame, für die Benützung musste ein Zins bezahlt werden.Fleischbänke. In: Josef Mayer: Geschichte von Wiener Neustadt. S. 103.

Sgraffito-Häuser Das Gebäude Neunkirchner Straße 19 stammt im Kern aus dem 14. Jahrhundert. 1584 wurde das Haus renoviert. Die Sgraffito-Fassade entstand in der Renaissance, hier ist die Mitarbeit von Antonio Woller wahrscheinlich. Ebenso beim Gebäude Hauptplatz 14 mit einem Laubengang aus dem 14. Jahrhundert wurde die Fassade 1584 zugebaut.Das „Sgraffitohaus“ Neunkirchner Straße 19.

Ehrung „Anton-Woller-Gasse“ in Wiener Neustadt.

Literatur Wiener Neustadt, Woller Anton, Baumeister. In: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Niederösterreich südlich der Donau 2003. S. 2651/2661. Gertrud Gerhartl, Wiener Neustadt. Geschichte, Kunst, Kultur, Wirtschaft. (2. Auflage, ergänzter und erweiterter Nachdruck der 1. Auflage 1978). Wien, Wilhelm Braumüller Universitätsverlag 1993. ISBN 978-3-7003-1032-7. S. 240, 242, 261. Josef Mayer: Geschichte von Wiener Neustadt. Selbstverlag des Stadtrates Wr. Neustadt, 4 Bände, 1924–1928. S. 70 f. Zobodat: Gertrud Gerhartl (1970): Das Wiener Neustädter Rathaus – Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich – 38: 295–312 Die Schießstatt und ihre Ausstattung. In: Peter Garschall, Das Schützenwesen der Frühen Neuzeit am Beispiel der Schützenregister und Schützenrechnungen von Wiener Neustadt (1554 – 1592). Masterarbeit Uni Wien. S. 70 f. Historische Spitals- und Pflegeanstalten. In: Denkmalpflege in Niederösterreich. Das „Sgraffitohaus“ Neunkirchner Straße 19. Helmuth Furch: Mitteilungen des Museums- u. Kulturvereines Kaisersteinbruch, 1990–2000. 59 Bände. (permalink.obvsg.at), ISBN 978-3-9504555-3-3.

Weblinks Historisches Lexikon Kaisersteinbruch. Band 2, I–Z. PDF. Woller: S. 10, 338, 359, 457, 620. Solari

Einzelnachweise

Kategorie:Person (Wiener Neustadt) Kategorie:Person der Renaissance Kategorie:Stadtbaumeister Kategorie:Person (Habsburgermonarchie vor 1804) Kategorie:Geboren im 16. Jahrhundert Kategorie:Gestorben 1587 Kategorie:Mann